Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

Bisher ist meines Wissens in den Gräbern von Sardes nichts gefunden
worden, was über das VII. Jahrhundert hinaufgerückt werden nrüßte 1).
Man erinnert sich dabei unwillkürlich der Angabe, daß der nach 660,
wohl 652 verstorbene Gyges, der einzige durch assyrische Quellen (Assur-
banipal 668—626) fest datierte Lyderkönig 2), der ersteTyrann von Sardes
gewesen und aus der Stadt Tyrrha gekommen sei (Et. Magn. S. 771, 54;
Ed. Meyer, Gesch. d. Alt. I 500 ff. 546 ff. 579 ff. II 613 ff.). Eine Neu-
gründung von Sardes durch Gyges, die auch Radet (La Lydie 58 ff.
139 ff.) annimmt, würde zum archäologischen Befunde gut passen. Die
genaue Lage der älteren maeonischen Stadt Hyde wäre dann noch zu
ermitteln.

5. G r o ß g r i e c h e n 1 a n d.

Auf der Suche nach festen Daten wenden wir uns nun zunächst

i

nach den griechischen Kolonien Unteritaliens und Siziliens. In Cumae
fanden wir schon einen ähnlichen bronzenen Untersatz, ja sogar in dem-
selben Grabe eine Reihe unseren südetruskischen so genau entsprechen-
den Beigaben, daß man hier einen Etrusker bestattet glaubte 3). Ebenso
hat uns Cumae eine überaus reiche Serie protokorinthischer Keramik und
einheimischen Ersatzes dafür beschert. Auf der Publikation des Materials
durch Gabrici (Mon. ant. d. Lincei XXII) fußend hat B. Schweitzer (AM.
XXXXIII 1918, 8 ff.) sowohl die literarischen Quellen wie die Funde aufs
sorgsamste und besonnenste verwertet. Es ist sein Verdienst, erwiesen
zu haben, daß die iiberlieferten Gründungsdaten für die ersten griechischen
Kolonien in Sizilien — Naxos und Syrakus um 735, Leontinoi und Megara
Hyblaea um 730, Gela urn 690 — durchaus den Ergebnissen historischer
und archäologischer Forschung entsprechen, daß ferner Cumae ein wenig
älter, um 750, anzusetzen ist. Ich brauche daher für dieses Gebiet nur
auf Schweitzer zu verweisen 4) und begriiße die Übereinstimmung seiner

\) Butler, A. J. A. XVIII 1914, 425 ff. erwähnt eine Schichtengrabung
mit viel älteren Scherben; ohne Abbildungen läßt sich darüber nicht urteilen.

2) Zur Chronologie des Gyges grundlegend Gelzer, Rhein. Mus. XXX
1875, 230 ff. Zuletzt Lehmann-Haupt bei Pauly-Wissowa VII 2 (1912), 1960 ff.

3) Pellegrini, Mon. ant. d. Lincei XIII 201 ff., Karo, Bull. Pal. ital. XXX
1904, 1 ff.

4) Vgl. auch K. F. Johansen, Sikyoniske Vaser (1918) 156 ff. und die
ausführliche Besprechung Schweitzers, B. Ph. W. 1919, 177 ff., die auch dem
des Dänischen Unkundigen das wertvolle Buch zugänglich macht.
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