Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

Flachreliefs aus den Fürstengräbern des VII. Jahrhunderts nichts zu tun.
Nicht nur zeitlich, sondern auch in Technik und Stil sind sie von einander
klar geschieden. So bieten die etruskischen Funde ein
f e s t g e f ii g t e s chronologisches S y s t e m f ü r d a s
VII. u n d VI. J ahrhundert v. C h r.

6. D i e ägyptisch-ph ö n i k i s c h e n M e t a 1 ls c h a 1 e n.

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die silbernen
und bronzenen Schalen, die über die gesamte antike Welt, vom Kau-
kasus und Mesopotamien bis nach Ägypten und Italien verbreitet waren.
Von ihnen vor Allem hat Poulsen das Wesen archaisch phönikischer
Kunst und ihre Einwirkung auf die frühgriechische abzulesen versucht.
Daß die überwiegende Masse dieser Schalen phönikische Erzeugnisse
sind, wird heute wohl allgemein zugegeben: daß sie ein ‘durchaus ein-
heitliches Gepräge’ tragen (Poulsen, Orient 3), dünkt mich eine ge-
wagte Behauptung. Indessen gehört diese Frage, auf die ich im zweiten
Teile der vorliegenden Arbeit eingehen muß, nicht hierher. Chrono-
logisch ergibt sich folgendes:

1. Dieägyptischen Vorbilder der ägyptisierenden Klassedieser Schalen
gehören in die Zeit vom Ende der XVIII. zum Ende der XIX. Dynastie
(XIII. Jh.): v. Bissing, Arch. Jahrb. XIII 1898, 28 ff. XXV 1910,193ff.

2. Die Schalen aus detu Palaste Assurnasirpals (884—858) in Nim-
rud lassen sich nach ihren Fundumständen allein nicht datieren. Einer-
seits liegt die Vermutung nahe, daß dieser ganze in e i n e m Raume
gefundene Schatz von einem Beutezug nach Syrien stammt, wo er als
Tempelgut oder Hausrat auch vor dem IX. Jahrhundert gesammelt
sein könnte; anderseits ist die Residenz in Nimrud von den Nachfolgern
Assurnasirpals bewohnt und von Sargon (722—705) ausgebaut worden,
sodaß jene Schalen mit größerer Wahrscheinlichkeit dem letzten als
dem ersten Herrn des Palastes zuzuschreiben wären. Unter allen Um-
ständen aber klafft zwischen den ägyptischen Vorbildern und den phö-
nikischen Nachahmungen von Nimrud noch eine Lücke von ein paar
Jahrhunderten, die v. Bissing durch Fayencegefäße mit Reliefdarstel-
lungen doch nur recht notdürftig zu füllen vermag.

3. Die Funde von Toprak-Kaleh am Vansee, seien sie nun assyrisch
oder, wie ich mit Lehmann-Haupt glaube, chaldisch (oben S. 141 ff.), ent-
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