Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Aus Halikarnassos

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0 297, dann in späterem Epos; bei Gorgias, Palamedes 25 (von einer
Person gesagt) ist es einer der dort seltenen Ionismen. Das Futurum
ETiaylcucbv steht so in der herodotischen Homervita 15; bei Aristophanes
Ekkles. 575 ist knivoia öfjuov enaylaiovoa eine geborgte poetische Floskel.
Eieinelv (zugehöriges Praesens eiavdäv) ist bei Homer heraussagen, ver-
raten, gestehen. So auch hier. Das verhilft zur der Ergänzung des dritten
Verses, der einzigen nicht selbstverständlichen, und es ist ein Glück, daß
die letzte erhaltene Hasta oben einen Ansatz nach rechts zeigt, sonst
wtirden wir uns bei a lie xelsvsig beruhigen. Das wäre homerisch und gut
genug, aber der Dichter hat feiner inoTQvvEig gesagt. Das konnte Homer
noch nicht ans Ende stellen, weil er die zweite Silbe lang gebraucht, aber
er verbindet oft enovQvvEig xal ävoryag oder ähnlich. hat aber auch ino-
tQvvEig ftayjoaodai, Y 171.

Das Neue ist die dialogische Form der Inschrift. und daß zwar das
Bild antwortet, aber die Inschrift angeredet wird; die ‘kunstvolle Stimme
des Steines’, hat meines Wissens gar keine Parallele. Wir sind ja aus der
späteren Epigrammatik daran gewöhnt, daß der Betrachter das anredet,
was er vor sich sieht. besonders, wenn es eine Gestalt ist, ein Menschenbild
oder auch ein Tierbild, und es wird auch die Stele angeredet (Meleager
Anth. Pal. VII 428). Doch das durch die Jahrhunderte zu verfolgen ist
hier nicht der Ort; es wiirde eine sehr reiche Abhandlung ergeben. Noch
der heilige Sophronios hat das Grab des heiligen Johannes Eleemon ange-
redet und hat es antworten lassen (A. P. VII 679). Kallimachos hat die
Wechselrede Schlag um Schlag fiihren lassen (A. P. VI 351):

viv fiE lEovTayyJ ovva ovoxtöve cpfjyivov ölov

HfjxE "’Tig”; 'AQylvog unolog”; ö KQtjg. “öiyojiai’.

Aber das ist alles viel später. Aus der alten Zeit verfüge ich nur iiber
ein dialogisches Gedicht, das unter einer Statue in Delphi gestanden hat
und natürlich dem Simonides beigelegt worden ist. Es gilt einem Faust-
kämpfer, auf den Pindar ein isthmisches Gedicht verfaßt hatte, iibrigens
unter Hinweis auf den vornehmeren pythischen Sieg, denn er erzählte
die Geschichte von Trophonios und Agamedes. Genauer kann ich die
Zeit nicht bestimmen. Das Gedicht lautet (Anth. Plan. 23)

Einov, vig ilvog ioot, livog navQiöog, ii öe vr/.ütg:

Kao/vvlog EvayÖQov IJvfka nvg \l Jööiog.
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