Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 4.1990

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R. KACZMAREK, J. WITKOWSKI

der bShmisch-mahrischen Ordenskomturei in Drabovice bei Kuttenberg [Kutna
Hora] bestattet. Von seiner Bestattung in Trebnitz berichtet bis zur Entstehung des
Barockgrabmals keine mittelalterliche oder neuzeitliche Quelle, weshalb man nach
E. Walter nur annehmen kann, daB seine sterblichen Reste in der 1. Halfte des 15. Jh.
nach Trebnitz iiberfuhrt wurden 6 7, nachdem die Hussiten seine erste Ruhestatte,
die Kirche von Drabovice, verwustet hatten 1. Diese Translokation veranlaBte hochst-
wahrscheinlich Konrad VIII. von Óls [Oleśnica], der Deutschordensritter und ab
September 1443 Landesmeister vo.n Bohmen und Mahren war; ihm unterstand also
auch die Komturei Drabovice. Die Ubertragung der sterblichen Reste Konrads von
Feuchtwangen, der ranghóchsten in der Kirche von Drabovice beerdigten Person,
erfolgte bestimmt nach dem BeschluB, die Kirche von Drabovice nicht wieder auf-
zubauen. Die Wahl von Trebnitz im Ólser Fiirstentum als neue Ruhestatte Konrads
von Feuchtwangen, erklart sich u.a. aus den zahlreichen Beziehungen zwischen
den Ólser Fiirsten und dem Trebnitzer Stift, der auch seit dem 14. Jh. die Nekropole
der Ftirsten von Óls war. Gerade in der Zeit, als Konrad VIII. vermutlich die sterb-
lichen Reste des Hochmeisters nach Trebnitz iibertrug, war dort die Oppelner
Piastenfiirstin Anna Abtissin, seit 1442 aber seine Nichte Margarethe, die 1456
Abtissin werden sollte, eine Nonne 8.

Konrad von Feuchtwangen erhielt jedoch in Trebnitz kein bedeutenderes Grab-
mal, zumindest existieren von einem solchen weder Beschreibungen noch Abschriften
der Grabaufschriften. Der Stifter der Klosteranlage, Fiirst Heinrich I. der Bartige,
besaB jedoch ein mittelalterliches Grabmal. Wenn wir auch keine Uberlieferungen
iiber die Bezeichnung seiner ersten Grabstelle besitzen, so kann die Existenz eines
Grabmals des Fiirsten einige Jahrzehnte nach seinem Tode als sicher gelten, denn
eine friihere als die heutige Grabanlage beschreibt in seinen Liegnitzischen JahrbUch-
em... Georgius Thebesius 9. Dem die Zeichnungen der Grabstatten der schlesischen
Fiirsten fiir seine Arbeit sammelnden Liegnitzer Syndikus gelang es zwai nicht mehr,
eine Zeichnung des alten Denkmals zu erhalten, man trostete ihn aber damit, daB
man ihm das Projekt der neuen Grabanlage iibersandte:

„Sein Bildniss in gedachtem Kloster, welches ihn auf einem Fiirsten-Hutte ruhen-
de, und mit einem rothen Mantel umgeben, vorstellet, habe ich zwar nicht haben
konnen, jedoch durch fleissige Nachforschung curioser Gemiither einen andern
Abriss von Trebnitz erhalten, welcher wahrhafftig dieses Fiirsten redliches Ge-
rniithe auch durch das Gesichte vorstellet, und mit der Beschreibung seines Le-
bens und Tugenden wohl einstimmet: Derogleichen Abriss ist auch itziger Zeit

6 E. Walter, (s. Anm. 4), S. 234fif.

7 Ebda., S. 229; die Kirche in Drobovice war vom 15. bis zum 18. Jh., in dem sie wegen
eines Wegebaus abgerissen wurde, Ruine, vgl. Umelecke pamatky Ćech, (Kunstdenkmaler
Bohmens), Bd. 1, Praha 1977, S. 324.

8 Vgl. E. Walter, (s. Anm. 4), S. 236.

9 G. Thebesius, Liegnitzische Jahrbucher..., Jauer 1733, Bd. 2, S. 46.
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