Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 9
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TAFEL H. III ERSTE CLASSE 3. 4

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Adonis liegt sein Jagdhund, den Kopf zu seinem Herrn
emporhebend. Ein im Hintergrund ausgespanntes Para-
petastna deutet an, dass die Scene in einem Gemach spielt.

Die Gruppe von Adonis und Venus kehrt, wie schon
bemerkt, auf pompejanischen Wandbildern wieder, wo statt
der Diana ein Amor den Arm des Verwundeten stützt
(Helbig Wandgemälde Nr. 337—340).

Arbeit des zweiten Jahrhunderts.

4) P. Paris, Louvre, Salle du sarcophage d'Adonis
{1666). Fig. 4. L. 2,26. H.0,60. Zeichnung von Eichler 1873.

Schon in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts bekannt
Coburgensis. Beim Bau der Villa Borghcsc 1615 an deren Ost-
seite, in der untersten Reihe über den Fenstern des Erdgeschosses
an zweiter Stelle von rechts, eingemauert, Manilli, Villa Borgbese
1650 p. 45 (Caccia a" Orsi), Montelatici Villa Borgbese 1700
p. 171 {Caccia d'un Cinghiale). Vermuthlich wurde der Sarkophag
erst damals zersägt. Die geringfügigen Restaurationen (rechter Arm
des Adonis und das Gesicht des jugendlichen Jägers hinter der Höhle
in der Mittelscene, linker Arm des Amor und Kopf des Hundes
in der linken Eckscene) werden aus dieser Zeit stammen. Seit 1807
im Louvre.

Alte Zeichnung: Coburgensis fol. 36 nr. 151 (wesentlich in
dem jetzigen Zustand; aber noch mit dem antiken, unbärtigen Kopf
des jugendlichen Jägers in der Mittelscene). Rubens hat in dem
köstlichen Bild der Uffizien (Nr. 8 12) „Adonis von Venus zurück-
gehalten" (Ed. Alinari P. II. nr. 945; Stiche von Lokenzini und
J. B. Patas) die linke Eckscene dieses Sarkophags stark benutzt, wobei
er die Amme in einen weiblichen Flügeldämon, der den Adonis am
Gewand zerrt, verwandelt hat. Den Mythus hat er also richtig er-
kannt, aber die speziell von ihm verwandte Scene auf den Abschied
des Adonis von der Venus bezogen, ein Missverständniss, in dem er
sich mit den Interpreten aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
begegnet.

Abbildungen: Clarac Musee de sculpturc II 1826 pl. 116
nr. 424, 85. — Bouillon Musee des Antiques III 1827 {Basreliefs)
pl. ry, 5. Danach Müller-Wieseler Denkmäler der alten Kunst
II Taf. 27, 292; Roscher Mythologisches Lexikon I S. 75; Bau-
meister Denkmäler des klassischen Altcrthums S. 15.

Littcratur: Manilli a. a. O.; Montelatici a. a. O.; E. C\ Vis-
conti et Clarac Description des Antiques du Musee Royal 1 8 17 (1 820)
p. 17c. nr. 424; Clarac Musee de sculpture II p. 360 ff.; St. Victor
bei Bouillon a. a. O. p. 23; Clarac Description du Musee Royal des
Antiques 1830 p. 172 nr. 424; Welcker a. a. O. p. 155 ff.;
C F. Waagen Kunstwerke und Künstler in Paris 1839 S. 169 f.
(Mclcager);' E. Kolloff Beschreibung der Königlichen Museen und
Privat-Gallcriccn zu Paris 1841 S. 405 f. (Meleager); O. Jahn Annali
delt Institute XVII 1845 p. 348 11. 3; de Witte ebd. p. 403 nr. 4;
O. Jahn Archäologische Beiträge 1 847 S. 45 A. 4 (b) ; Engel a. a. O.
S. Ö30 Nr. 8; Müller-Wieseler a. a. 0. S. 158; Petersen a. a. O.
/>. 161 (A); H. Hirzel a. a. O. p. 68 (A); Fkoehner Notice de la
Sculpture antiqtte du Louvre I 1878 p. 202 nr. iji; Baumeister
a. a. O. S. 15 f.; Roscher Mythologisches Lexikon S. 75; Cataloguc

sommairc des Monuments de sculpture du Musee du Louvre 1890
p. 1 8 //)•. 1666.

Dieselben Scenen wie auf 3 und in derselben Reihen-
folge. In der Abschiedsscene an der rechten Ecke trägt
Venus Aermelchiton und Diadem, der neben ihr stehende
Amor hält in der Linken einen Spiegel. Adonis, hier
auch mit einer Aermeltunica bekleidet, in der Linken einen
Speer, zu dem der über dem Parapctasma erhaltene Pun-
tcllo gehört, legt die Rechte auf einen bekränzten Altar;
er scheint zu schwören, dass er den Eber, der offenbar, wie
der kalydonische, als ein schweres Unheil betrachtet wird,
erlegen will. Der ihn zur Jagd auffordernde Gefährte, in
derselben Tracht und in ähnlicher Haltung wie auf 3, ist
liier sicher unbärtig; er trägt in der Linken den Jagdspeer
und erhebt betheuernd die Rechte. Man hat den Eindruck,
dass er die von dem Eber angerichteten Verheerunsen
schildert.

In der Mittelscene, der Verwundung, ist neben dem
hier schon aufrecht stehenden Eber Schilf angedeutet. Der
bellende Hund ist weggelassen. Adonis, mehr zurück-
gesunken wie auf 3, streckt den in den Mantel gehüllten
linken Arm abwehrend dem Eber entgegen und hält mit
der Rechten noch den Jagdspeer gefasst. Sein bärtiger
Gefährte, in derselben Tracht wie auf 3, beugt sich über
den Gestürzten, indem er die linke Hand auf den Rand
der Höhle legt. Die Rechte halt hier sicher einen Stein.
Ueber der Höhle erscheinen wieder zwei Jäger, von denen
der erste jugendliche, der, mit Tunica und flatterndem
Mantel bekleidet, in der Linken zwei Jagdspeere trägt und
mit der Rechten einen Stein zum Wurf erhebt (vgl. 12),
wohl mit dem Gefährten aus der ersten Scene identisch
ist. Der zweite, ein bärtiger Mann in derselben Tracht,
mit dem Rest eines Speeres in der Rechten, stützt sich
mit der linken Hand und dem rechten Arm auf den Rand
der Höhle und scheint voll Theilnahme auf Adonis herab-
zublicken.

In der linken Eckscene hat Adonis eine aufrechtere
Haltung, wie auf 3. Der Sitz ist hier trotz dem Parapetasma
deutlich als Fels charakterisirt. Statt der Diana stützt die
Amme den linken Arm. Hinter dieser steht ein Mädchen,
in der linken Hand ein Kästchen haltend, in dem wir
Medicamente vermuthen dürfen. Ein Amor berührt, zu
Adonis aufblickend, mit der rechten Hand dessen Schenkel
an der Stelle, wo die Wunde sitzen müsste, die indessen
hier so wenig, wie auf 3. 7. 9, angegeben ist. Links von
Adonis wieder sein Hund, hier in sitzender Stellung
(vgl. 9). Auf das Mädchen mit dem Kästchen folgt ein
trauernder Gefährte des Adonis, der sich mit dem Mantel
die Thränen trocknet. Hinter ihm wird noch der bärtige
Kopf eines zweiten Gefährten sichtbar. Wir werden
hier dieselben Personen erkennen dürfen, die sich in der

Verwundungsscene in der unmittelbaren Umgebung des

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