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22

Eg. Gersbach

Einklang. Danach hätten wir unsere Gruppe als ein spätestes, frühpostglaziales Magda-
lenien im Sinne von L. F. Zotz oder nach unserer Auffassung als Frühmesolithikum und
als Grundlage für die folgenden, jüngeren feingerätigen Kulturen zu betrachten20 * * * * 2 *).
Weitaus schwieriger gestaltet sich in Ermangelung stratigraphisch fundierter Unter-
lagen der Versuch, eine gesetzmäßige Entwicklung innerhalb der Stielspitzengruppe
herauszuarbeiten. Man wird an Hand rein typologischer Erwägungen Fundplätze, deren
Gesamthabitus durch straff und. klar gegliederte Typen noch einen recht altertümlichen
Eindruck machen, eher früh ansetzen. Solche jedoch, die in Bearbeitung und Durchfor-
mung der Einzelgeräte eine Verflachung unschwer erkennen lassen, als spät auffassen.
Zur älteren Ausprägung wären demnach „Eichtung 2“, Säckingen „Buchbrunnen“, Bren-
net „Wehratal“ u. a. zu zählen. Das schon oben angeführte altertümliche Dreieck von
letzterem Fundplatz würde dem durchaus nicht widersprechen; zumal verschiedene früh-
und spätmagdalenienzeitliche Fundplätze namhaft gemacht werden können, die voll-
kommen durchgebildete geometrische Artefakte verschiedener Ausbildung in ihrem Fund-
stoff führen27). Als hervorstechendster Wohnplatz der jüngeren Phase seien Bollschweil
„A“, ferner unsere Stationen Sinzheim „Satz“ und „Hüfenau“ angeführt.
Der „Süddeutsch-schweizerischen Stielspitzengruppe“ stellen wir einen weiteren For-
menkreis gegenüber, der nahe verwandte Beziehungen zu ihr erkennen läßt. Er wird
durch das absolute Fehlen der Stielspitzen bei sonst grundsätzlicher Übereinstimmung im
Typenschatz charakterisiert. Der in der Vorbergzone liegende und an Artefakten nicht
sonderlich reiche, in seinem Kulturcharakter deshalb weniger ausgeprägte, gleichwohl
typische Fundplatz Sinzheim „Ebenung“ (Taf. 2B, 1-18) ist hierherzustellen.
Das Bild dieser feingerätigen Kultur wird vornehmlich durch Federmesserchen mit ge-
rader oder mehr gebogener Seitenkante (Taf. 2B, 2), Messerchen mit abgedrücktem Rücken
(Taf. 2 B, 3-4), Rechteckklingen (Taf. 2 B, 1) und Klingen mit gerader oder schräger
Endretusche (Taf. 2 B, 5. 7) bestimmt. Bedeutend ist der Anteil der kurzschmalen, flachen
und kaum oder doch nur flüchtig bearbeiteten Klingen (Taf. 2 B, 11). Langschmale pris-
matische Exemplare sind in „Ebenung“ sehr selten, an anderen Plätzen jedoch in reichem
Maße vorhanden. Ein dreieckiges Messerchen mit gewinkeltem Rücken, dessen Winkel-
schenkel steil gedengelt sind (Taf. 2 B, 8), findet in Säckingen „Flühwäldchen“ seine
beste Entsprechung und ist allenthalben in süddeutsch-schweizerischen Spätmagdalenien-
stationen vertreten28). Seine dem streng geometrischen Umriß stark angenäherte Form
läßt dieses Gerät als Grundtypus der späteren gleichseitigen Dreiecke erscheinen. Wenig
ausgeprägte Kerbklingen (Taf. 2 B, 6) sind in „Ebenung“ nicht allzu häufig, andernorts
20) L. F. Zotz, Altsteinzeitkunde Mitteleuropas 232; 243. Zur Datierung des Spätmagdalenien
vgl. Prähist. Zeitschr. 23, 1932, 167 f.; Eiszeitalter und Gegenwart 1, 1951, 166 f. (H. Gross);
Germania 29, 1951, 245 f. (K. J. Narr).
27) H. G. Bandi a. a. O. 177 (Birseek); Jahresber. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 40, 1949/50, 62
f. Abb. 7, 19—20; Congr. Prehist. Franc. (Perigueux 1934) 319 Abb. 1; Bull. d. 1. Soc. Arch.
Brive 59, 1937, 33 f. Abb. 3, 5—7. Zur Verbreitung: Bull. Soc. Prehist. Franc. 38, 1941, 245
1. Abb. 3; 5—7 (D. Peyrony).
2S) Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 42 bes. 50 f. und Anmerk. 22; III, 1933—1936, 13 f. Abb. 4, 9;
Bull. Soc. Prehist. Franc. 38, 1941, 245 f. Abb. 3; 5—7; 43, 1946, 96 f. Abb. 4; 165 f. Abb. 1,
17; Revue anthr. 35, 1925, 1 ff. Abb. 6, 10.
 
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