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K. Fr. Hormuth

unter dem Steilrand des mächtigen, jüngeren Hauptdünenzuges, der sich in Höhen
bis zu 20 Metern zwischen Sandhausen und Oftersheim hinzieht.
Diese Verlehmung der Dünenoberfläche muß jünger sein als die bronzezeitlichen
Kulturreste, die fast die ganze Schicht 5 bis in 60 cm Tiefe durchsetzen. Denn nur in
einer lockeren Sandlage hat die beschriebene Art der Einlagerung der Funde stattfinden
können. Feinverteilte winzige Holzkohlenreste ohne die geringste Horizontierung oder
Anhäufung sowie die ausgeblasene Herdstelle weisen ebenfalls darauf hin, daß die Sied-
lungsfläche nicht gefestigt, vielmehr noch in Bewegung war, in diesem Falle im letzten
Stadium der Aufschüttung bzw. geringfügiger örtlicher Umlagerung.
Erst später, es kann sich nur um die subatlantische Klimaverschlechterung handeln,
also etwa von der jüngeren Urnenfelderzeit ab (Ha B—C), und in den nachfolgenden
Jahrhunderten hatte sich infolge der stärkeren Durchfeuchtung der gut gekennzeichnete
Boden gebildet und somit die Düne mit ihrem oberflächlichen Kulturinhalt für lange
Zeit festgelegt. Später, in historischer Zeit, wurde dann unsere alte Düne erneut von
etwa 1 m mächtiger Sandlage überdeckt, und zwar als Ausläufer des sich weiter westlich
hinziehenden Hauptdünenzuges.
Überraschend muß die Erkenntnis wirken, daß die alte, erste Dünenbildung mit
dem Mesolithikum praktisch abgeschlossen war und die Oberflächenstruktur sich bis in
historische Zeit hinein nicht mehr änderte. Die Verlehmungszone ist ja keine neue
Ablagerung, sondern lediglich eine Folge der Umwandlung der Oberfläche der alten
Düne. Diese Tatsache ist nun nicht allein auf die St. Ilgener Verhältnisse beschränkt.
Auch in Mannheim-Friedrichsfeld fanden sich in ein und demselben Siedlungshorizont
die Kulturen des Neolithikums und der vermutlich jüngeren Bronzezeit. Auf dem
Atzelbuckel bei Ilvesheim, Ldkrs. Mannheim, ist es nicht viel anders. Auch dort ist ein
mesolithisch-schnurkeramischer Horizont vorhanden, der wenigstens teilweise in einer
starken Verlehmungszone steckt, die auch in diesem Falle erst später entstanden
sein kann.
Eine schöne Bestätigung dieser Tatsache gab H. Gropengiesser bereits 192918). In
der Düne bei Seckenheim grub er ein römisches Gebäude aus. Im gleichen Niveau, nur
20 m von dem römischen Gebäude entfernt, traf Gropengiesser auf eine Kulturschicht
der Urnenfelderzeit. Das Ganze war bedeckt von einer jüngeren Düne von 3 bis 4 m
Höhe. Gotische Scherben dicht unter der Oberfläche dieser jungen Düne beweisen, daß
um 1500 die Dünenbildung zur Ruhe gekommen war. Wenn Gropengiesser der
Meinung war, daß für den genannten Siedlungsplatz von 1000 v. Chr. bis 100 n. Chr.
keine Veränderung des Geländes stattgefunden hatte, dann können wir nunmehr für
andere Plätze diese Zeitspanne wesentlich zurückerweitern, nämlich bis ins Mesolithi-
kum. Wenige Jahre später 1934/35 konnte Gropengiesser an der gleichen Stelle
anläßlich des Baues der Reichsautobahn weitere wichtige Beiträge zu unserem Problem
bringen19).

18) Bad. Fundber. II, 1929—1932, 166 f.
)9) Bad. Fundber. III, 1933—1936, 310.
 
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