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Die Füllmasse eines römischen Hohlweges bei Mengen, Ldkrs. Freiburg

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5. Dunkelbrauner oberer Teil der Grabenfüllung (Schicht 5)
a) Die dunkelbraune lehmige Schicht 5 stellt offenbar die seit der Auffüllung des
Grabens entstandene Verwitterungsdecke dar. Infolge der starken Verlehmung ist der
Schlämmrückstand gering (5,1 g). Er besteht aus viel Kalkschrot, kleinen Stückchen von
Kalkkonkretionen und wenig sandigen Wurzelröhrchen. In Salzsäure unlöslich waren
nur 1,7 g, aus Urgesteinsand, Ziegelbröckchen und einem Sandsteinbröckchen zusammen-
gesetzt, also Beimengungen, die z. T. mit dem Stallmist auf den Acker gekommen sind.
b) Der Molluskenbestand weist nur noch 16 Arten in 82 Exemplaren auf. Die feuch-
tigkeitsliebenden sind weiter zurückgegangen, da ihnen der Ackerbau den zusagenden
Lebensraum noch weiter eingeschränkt hat.
6. Oberster Teil der Grabenfüllung; lehmige Verwitterungsdecke mit Ackerbauschicht
(Schicht 6).
a) Die humose Ackerbauschicht hinterließ 14,2 g Rückstand von der gleichen Zusam-
mensetzung wie Schicht 5. In dem in Salzsäure unlöslichen Anteil (3,5 g) waren Ur-
gesteinssand, Holzkohle und Ziegelstückchen vertreten.
b) Der Molluskenbestand zeigt eine weitere starke Verarmung: 6 Arten in 27 Exem-
plaren. Feuchtigkeitsliebende Arten fehlen völlig.
Ergebnisse
Die Untersuchung des Molluskenbestandes und der petrographischen Zusammen-
setzung der Füllmasse ergibt folgendes:
Die den anstehenden jüngeren Löß im Gelände des alamannischen Friedhofs graben-
artig durchschneidende Hohlform stellt keinen Verteidigungsgraben sondern einen alten
Hohlweg dar. Seine Sohle war zunächst durch Aufbringen von Schwarzwaldkies stellen-
weise verbessert und gefestigt gewesen. Der Hohlweg muß bald nach seiner Entstehung
wieder auf gegeben worden sein: denn der einmaligen Auflagerung ortsfremden Materials
folgte später keine zweite mehr, und andere Spuren von Benutzung, etwa die Einschal-
tung von Lagen von Schneckenschalen, Kalkschrot oder Bruchstücken von Lößkonkretio-
nen, konnten nirgends festgestellt werden. Die Zufüllung des Hohlwegs erfolgte ohne
menschliches Zutun durch die von den 'Wänden und Böschungen abbrechenden oder
abgleitenden und aus den höher liegenden Teilen herabgeführten mehr oder weniger stark
verlehmten Lößmassen. Höchstens an der Einebnung seiner obersten Teile kann die Wir-
kung des Ackerbaus mitbeteiligt gewesen sein. Solange der Hohlweg benutzt wurde und
nur teilweise ausgefüllt war, stand Gebüsch an seinen Böschungen; er führte aber immer
durch Ackerland, nie durch Wald.
Wichtige Ergänzungen liefern die archäologischen Feststellungen: der Fund einer römi-
schen Heizkachel unmittelbar über der Sohle des Hohlwegs und die Einbettung der ala-
mannischen Gräber im oberen Teil seiner Füllung. Die Lage des Heizziegels lehrt, daß
der Hohlweg zur Zeit der römischen Besetzung des Breisgaus schon bestand, aber nicht
 
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