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K. Hammel

liehe, weichere Form. Das auf Tafel 8, A 23 abgebildete Stück erscheint mit seinem
senkrechten Randabstrich wie eine Übergangsform zu gotischen Rändern.
Die ziemlich zahlreichen lippenförmigen Randstücke haben in dieser Periode eine
Neigung zu vollerer, rundstabähnlicher Bildung der Lippe (Taf. 8, A 16. 18. 19. 21).
Auch hier zeigen sich Übergangsformen zur Gotik (Taf. 8, A 24—26). Dieselbe Ver-
zierungsform, eine Rillenzone auf der Schulter, die sowohl bei romanischen, als auch
bei frühgotischen Gefäßen auftritt (Taf. 9, 3—4), spricht ebenfalls für nahen zeitlichen
Zusammenhang.
Nach ihrem Formcharakter sind noch als etwa gleichzeitig anzusehen: Der um-
gelegte Rand (Taf. 8, A 7—9) mit der waagrechten, kräftig ausladenden Randbildung
und. die noch derberen, volleren Formen (Taf. 8, A 10—12).
Der Brunnen topf ist ein nur wenig ergänztes Gefäß; gefunden wurde er auf dem
Boden der Zisterne unter tiefem Schutt. Er scheint speziell für seinen Zweck geschaffen
zu sein. Die größte Weite liegt der ruhigeren Lage beim Aufziehen wegen tief. Deshalb
ist der untere Teil rundlicher, der Oberteil mit dem Hals gestreckter, die Öffnung eng.
Er trägt zwei hochsitzende Henkelösen für die Schnur. Die Ösenöffnung ist verstärkt
durch den bei der Erweiterung herausgedrückten und herumgelegten Ton (Taf. 10, 9).
Drehfurchen am Gefäßbauch wurden zum Schmuck und zur sicheren Handhabung
gelassen. Der Abschlußrand (Taf. 8, A 14) steht der Form nach etwa zwischen Lippe
und Keule. Letztere ist in etwas vollerer Form vertreten (Taf. 8, A 13). Der Brunnen-
topf ist zeitlich früher als der gotische Aufsatz der Zisterne anzusetzen. Der Oberbau
ist achteckig, während der Unterbau rund ist. Dieser etwas unvollständige Querschnitt
über die spätromanische Keramik des Lützelhardt könnte erweitert werden durch
andere Funde.

Frühstaufisches Material
Wenn wir von den bis jetzt festgestellten Gruppen der frühgotischen und dann der
spätromanischen Keramik des Lützelhardt weiter zurückgehen, so finden wir in früh-
staufischer Zeit, etwa 1150 bis gegen 1200, einzelne Parallelen zu spätsalischen Rand-
stücken von Merdingen4).
Das Randstück (Taf. 8, A 5) hat ein fast vollkommen gleiches Gegenstück in Mer-
dingen, Bad. Fundber. 18, 1948—1950, Taf. 30, Reihe D 8, auch in der dunklen Farbe,
und ein ebensolches in Schaffhausen. Der gerade Hals erhebt sich über dem in Merdin-
gen vorrherrschenden Hals-Schulterknick. Der Mündungsrand hat nach außen eine
kleine, lippenähnliche Endigung, nach innen einen schwachen Wulst und verläuft auf
der Oberseite etwa waagrecht.
Bei Taf. 8, A 4 ist der Hals gekehlt, der Rand außen glatt; der Mündungsrand ist
auf der Oberseite gewölbt und mit einem nach innen gerichteten kleinen Wulst ver-
sehen. Ihm entspricht in Merdingen E, 1.

l) Bad. Fundber. 18, 1948—1950, Taf. 30.
 
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