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K. Hammel


verwendet werden, mit schmalem Werkzeug besonders nachgeformt. Sonst sind bei
den romanischen Töpfen des Lützelhardt sparsam angebrachte Riefen der einzige
Schmuck (Taf. 9, 2—3). Die Verzierung wird bei frühgotischen Gefäßen dichter und
überzieht breite Zonen und schließlich deren ganze Oberfläche. Als weiteres Ziermotiv
tritt wieder die Rädchenverzierung auf, oft doppel- und mehrreihig oder in breiten
Flächen, meist in Form von Rechteckchen, Quadrätchen oder Dreieckchen (Taf. 10,
5. 8). Mit der Verwendung eines besseren Materials und härterem Brand fällt zeitlich
die Verwendung einer flachplastischen Verzierung zusammen. Leisten und Gurten
treten aus der Oberfläche heraus und zeigen mitunter wieder Rädchenverzierungen
(Taf. 9, 6).
Auf Taf. 9, 22; Taf. 10, 7 sind die großen Bruchstücke eines Horns abgebildet.
Vielleicht war es ein Wächterhorn. Kreisförmige Stempelmuster reihen sich zu Feldern.
Hinzu kommen Verzierungen aus dreieckigen Stempeleindrücken. In karolingischer
Zeit wurden ähnliche Stempelmuster verwendet, jedoch ohne eine derartige Anord-
nung, sondern als Einzelstempel10). Das Bruchstück eines Leuchters aus Efringen-
Kirchen, Ldkrs. Lörrach, zeigt ein ähnliches Muster. Die Mündung des Horns hat einen
einfachen, kantig abgestrichenen Rand. Das Mundstück ist abgebrochen. Als Material
wurde schöner roter Ton verwendet, sehr hart gebrannt mit gleichfarbigem Bruch.
Auf der Burgruine Tannenberg wurde aus der Zeit vor 1399 ein vollständig erhal-
tenes Horn aus Ton gefunden.
Technisches
Die Fundgegenstände von Merdingen und vom Lützelhardt ergänzen sich gegen-
seitig und umfassen in der Aufeinanderfolge ihrer Entstehung einen Zeitraum von
rund 200 Jahren. Wie in der Form, so treten auch im Laufe der Zeit fortschreitende
Veränderungen in der handwerklichen Fertigkeit auf, bei der Wahl des Materials, dem
Brennverfahren, in der Verwendung von Farbe und in den Verzierungen.
Die handwerkliche Arbeit geschah bei den frühen, kugeligen Töpfen von Merdingen
im unteren Teil häufig noch freihändig, während die Randpartien Scheibenarbeit
waren. Beim Fund vom Lützelhardt sind nur noch die frühen Becherkacheln, beson-
ders die romanischen, freihändig aufgewulstet, wie auf der Innenseite zu sehen ist.
Das Material ist bei beiden Funden ein feinkörniger oder gut geschlämmter Ton.
Nur in wenigen Fällen wurde bei derber Ware ein sandiger Ton verwendet.
Die Wandungen der Gefäße waren durchgehend ziemlich kräftig. Bei frühgotischen
ist manchmal dünnwandige Ware feststellbar, die jedoch mit einer scharfen Rillen-
verzierung geschmückt ist, ein Beweis für Verwendung besseren Materials und ver-
besserter Brenntechnik.
Die Zusammenhänge des Brennverfahrens mit der Farbgebung wurde durch eine
Untersuchung von Robert Lais geklärt (niedergelegt in einem unveröffentlichten
Manuskript) und einem Experiment, das Lais an einigen Merdinger Randstücken von

10) Bonner Jahrbücher 132, 1927, 207-210, F. Rademacher, Karolingische Töpferei b. Wildenrath.
 
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