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Fundschau 1949—1951: Jungsteinzeit

tungen im Bereich der Michelsberger Kultur anschließt (vgl. Bad. Fundber. 17, 1941 —
1947, 95 ff.).
Das Neckardelta ist dieses Mal schwach vertreten. Ob das von F. Gember beschriebene
Grab von Ladenburg wirklich der Schnurkeramik angehört, sei dahingestellt. Von
überragender Bedeutung ist jedoch ein bandkeramisches Brandgräberfeld im Mann-
heimer Bezirk, dessen Auffindung gleichfalls F. Gember verdankt wird, und das noch
seiner restlosen Erforschung und Veröffentlichung harrt. Es sind die ersten gesicherten
Brandgräber dieser Zeit im Oberrheingebiet, nachdem die oft zitierten bandkerami-
schen Brandgräber der Wetterau wohl auszuscheiden sind.
Das reiche Lößgebiet des Taubergrundes hat schließlich auch dieses Mal nicht versagt.
Linearbandkeramik aus Messelhausen und Vilchband läßt längst bekannte Fundorte
dieser Kulturgruppe erneut zu Wort kommen. Steinhämmer wohl Rössener Zuge-
hörigkeit von Neckarzimmern, Neudenau, Schwabhausen und Weiler, sowie ein Schuh-
leistenkeil aus Boxberg bereichern dieses Bild. Michelsberger Funde aus Gerlachsheim
reihen sich zwanglos in solche des Rhein-Main-Taubergebietes ein. Das gleiche gilt für
die facettierte Streitaxt aus Sennfeld, wie etwa die Karte 20 des Sangmeisterschen Buches
über „Die Jungsteinzeit im nordmainischen Hessen, Teil III, die Glockenbecherkultur
und die Becherkulturen“ erweist.
Eine Sonderstellung nimmt das von E. Schmid weiter untersuchte Jaspisbergwerk an
der Kachelfluh bei Kleinkems, Ldkrs. Lörrach, ein (vgl. Vorbericht in Germania, 30,
1952, 153 ff.). Dabei konnte das technische Vorgehen des auf Jaspisknollen bedachten
Bergmannes genauer klargelegt und vor allem die Ausdehnung des abbauwürdigen
Geländes weiter erforscht werden. Datierende Funde haben sich auch diesmal nicht
eingestellt. W. K.

A) Siedlungen, Gräber, Einzelfunde
Dingelsdorf (Konstanz).
Seit Jahren wird das Ufergelände zwischen Klaussenhorn und Fließhorn beobachtet.
Dabei gelang es, zwei ausgedehnte Ufersiedlungen festzustellen, so daß auf dem schma-
len Uferstreifen zusammen mit dem von E. Tröltsch (Die Pfahlbauten des Bodensee-
gebietes (1902) 217) bekannt gemachten Pfahlbau unmittelbar vor dem Dorf nunmehr
deren drei nachgewiesen sind.
1. Dingelsdorf 1, „Zwischen Landesteg und Fließhorn“.
Knapp 400 m südöstlich des Landesteges beginnt etwa 60 m vom Ufer entfernt eine
ausgedehnte, 133 m lange, parallel zum Ufer ziehende Pfählung. Sie ist sehr schmal,
besitzt seewärts eine mittlere Ausbuchtung und ist stark verschlammt. Vereinzelt ragen
die Pfahlköpfe noch bis zu 30 cm aus dem Schlick heraus. Entfernung Ufer—Seehalde
bei mittlerem Wasserstand etwa 130 m. Aus dem Bereich der Pfählung wurden Holz-
reste, stark fragmentierte Keramik und Haselnußschalen geborgen. Auf der Strand-
fläche zwischen Uferrand und Beginn der Pfählung wurden zahlreiches, einheitlich
schwarz patiniertes Silexmaterial, zwanzig Steinbeile, stark korrodierte kleinstückige
Scherben und Tierknochen gefunden.
 
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