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Fundschau 1949—1951: Jungsteinzeit

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Funde: 1. Zahlreiche langschmale und gedrungene Klingen, Klingen- und Rund-
kratzer (Taf. 12, C 1—3. 7). — 2. Zwanzig Pfeilspitzen mit gerader, zwölf mit einge-
zogener und eine mit konvexer Basis, randlich und flächig gemuschelt (Taf. 12, C 4—6).
— 3. Zwanzig spitz- und breitnackige Steinbeile aus Kieselschiefer und Felsgestein. —
4. Streitaxtrohling (?), Nacken, stumpf, oberständige Ausbuchtung, Basalt, L. 13,6 cm.
— 5. Zwölf Wandscherben, Ton schwärzlich mit lederbrauner Außenhaut, grob ge-
magert, abgerollt.
2. Dingelsdorf 2, „Kleine Bucht südlich des Fließhorn“.
In der kleinen Bucht dicht südlich vom Fließhorn schräg vom Ufer zur Seehalde weg-
ziehende, NNW-SSO gerichtete, langgestreckt trapezförmige Pfählung. Sie wird auf
Grund wechselnder Pfahldichte in zwei ungleich große Teile geschieden. Die Haupt-
pfählung mit einer Grundfläche von 50 X 80 X 33 m liegt ufernah. Daran schließt eine
33 X 62 X 28 m bedeckende spärlichere Pfählung an. Der Nahtstelle nordöstlich vor-
gelagert befindet sich eine weitere, streng rechteckige Pfählung von 20 X 10 m. östlich
davon, also weiter seewärts, eine weitere Pfahlanhäufung. Die ganze Fläche ist stark
verschlammt, eine Kulturschicht nirgendwo festzustellen. Aus dem einhüllenden Schlick
stammen etwa 160 Steinbeile, umfangreiches, einheitlich schwarz patiniertes Silexmate-
rial, ein Bergkristallstück, sowie auffallend wenig Keramik, darunter das Randstück
einer urnenfelderzeitlichen Schale (s. unter „Urnenfelderzeit“).
Funde: 1. Zahlreiche Klingen, Rund-, Segment- und Klingenkratzer verschiedener
Art (Taf. 13, 1—6. 9—10). — 2. Breitschaber (Taf. 13, 7). — 3. Bohrer. — 4. Pfeil-
spitzen mit gerader, eingezogener, konvexer und gedornter Basis, randlich und flächig
gemuschelt (Taf. 13, 8. 11). — 5. Schuhleistenähnliche, hochgewölbte Flachhacke, Kiesel-
schiefer, L. 20,3 cm (Taf. 13, 17). — 6. Drei kleine Trapezbeilchen, Felsgestein, L. 3,5—
4,6 cm (Taf. 13, 12). — 7. Schneidenbruchstück von Meißel hochrückig, Seitenbahnen
fazettiert, Unterseite plan, Felsgestein, L. noch 15,6 cm (Taf. 13, 15). — 8. Setzkeil-
rohling, Nacken leicht eingesattelt, gepickt, Schneide überschliffen, Felsgestein, L. 13,5
cm. — 9. Rohling von Streitaxt, Nacken abgeschrägt, gerundet, Bohrung angefangen,
Felsgestein, L. 12,3 cm. — 10. Nackenbruchstück von Streitaxt, Oberseite randlich je
eine seichte Rille, geschliffen, Felsgestein, L. noch 7,7 cm (Taf. 13, 14). — 11. Gedrun-
gene Streitaxt vom Typus „Grenzach“, Felsgestein, L. 9,6 cm (Taf. 13, 13). — 12. Plum-
pes Exemplar wohl derselben Gattung, Nacken bestoßen, Schneide stark nachgeschliffen,
Felsgestein, L. 8,3 cm. — 13. Bruchstück einer massigen Streitaxt vom „Horgener“
Typus, Nacken plan, Felsgestein, L. noch 8,3 cm. — 14. Schlankes Exemplar ähnlichen
Typs, im Bohrloch zersprungen, Schneide defekt, Felsgestein, L. noch 20,6 cm (Taf. 13,
16). — 15. Hexagonale, wasserklare Bergkristallpyramide. ■— 16. Mehrere atypische,
grob gemagerte Scherben. H. Reinerth möchte die ausgedehnten Pfählungen einem
einzigen, relativ kurzlebigen Pfahldorf einer spätjungsteinzeitlichen Pfahlbaukultur
zuordnen (Vorzeit am Bodensee. Mitt. z. Vor- u. Frühgesch. u. Heimatkde. d. Boden-
seeraumes 1/2, 1952, 1 ff. bes. 13). Wir sind indessen eher geneigt, die oberflächlich
aufgesammelten Funde aufgrund der teilweise unzusammenhängenden Pfahlanhäu-
fungen, des urnenfelderzeitlichen Scherbens wie auch der Mannigfaltigkeit des vor-
liegenden Steinbeilmaterials zeitlich verschiedenen Uferrandsiedlungen zuzuweisen. Die
Ausdehnung dieser Siedlungen sowie deren Stratigraphie wäre durch gründliche Unter-
 
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