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Fundschau 1949—1951: Jungsteinzeit

— 6. Randstück von konischer (?) Schale mit dicht unter dem Rand umlaufendem Korn-
stichsaum, Ton grau, geglättet (Taf. 14, 6). — 7. Randstück eines konischen Napfes mit
leicht angedeuteter Randausbiegung, Ton grau, roh geglättet, Dm. 13 cm (Taf. 14, 2).
— 8. Bodenstück eines weitmündigen Tulpenbechers mit leicht verdicktem, kugeligen
Boden, Ton graubraun, geglättet, erh. H. 8 cm (Taf. 14, 7). — 9. Fragment von flach-
bogigem Bandhenkel. Bauchansatz und rechte Henkelkante ausgebrochen, Ton grau-
braun. — 10. Fragment von spitzovalem, scheibenförmigen Netzsenker (?) mit zen-
traler konischer Bohrung, Dm. 12 cm (Taf. 14, 1). — 11. Bruchstück von flacher Hacke
oder Steinbeil mit querer, konischer Nackenbohrung, Seitenbahnen fazettiert, Fels-
gestein, L. noch 8,8 cm (Taf. 14, 9). — 12. Schneidenbruchstück von Streitaxt, Oberseite
breite Längsfurche, Schneide und rechtsseitig ausgesplittert, Felsgestein, L. noch 8,9 cm
(Taf. 14, 11). Nahezu alle Scherben weisen die für Keramik aus Ufersiedlungen typische
hell- bis gelblichgraue Oberflächentönung auf. Die eimerförmigen Gefäße mit und ohne
getupftem Rand sowie unverzierte oder mit Kornstichsaum versehene konische Schalen
gehören zum Allgemeingut der Michelsberger Kultur und bereichern in erfreulicher
Weise den schon von E. Tröltsch (a. a. O. 128 Abb. 175—177) veröffentlichten Formen-
schatz. Dagegen fällt das Kelchhalsgefäß mit eiförmigem Körper etwas aus dem üblichen
Rahmen. Es ist ein guter Vertreter einer Fazies, die in weitgespanntem Bogen vom
Bodensee östlich des Schwarzwaldes über Württemberg (Fundber. aus Schwaben NF. 7,
1930—1932, Taf. 1, 2; 9, 1935—1938, Taf. 8. 1, 5; 2, 1—2) und den Kraichgau (Volk
und Vorzeit 2, 1940, 42 ff. Abb. S. 51) bis in den Oberrheinraum mit Schwerpunkt um
Straßburg reicht. So haben dort etwa Mundolsheim-Hausbergen (Anz. f. elsäß. Alter-
tumskunde 1909—1912 Taf. 36), Höhnheim (ebda. 1913, 409 Abb. 47 a) und Lingols-
heim (ebda. 1922—1926, 25 Abb. 21; 1935—1938 Taf. 45, 40. 563; 1939 Taf. 6) ent-
sprechende Gegenstücke ergeben. Der südlichen Oberrheinfazies (Bad. Fundber. 17,
1941—1947, 95 ff. Taf. 33—38; 18, 1948—1950 Taf. 35—36), den Hochrheinstationen
(Altenburg „Sinkelosebuck“, Pfahlbauber. 9—12, 1888 Taf. 13—15; Jahresber. d.
Schweiz. Ges. f. Urgesch. 28, 1936 Taf. 3, 1) wie auch offenbar einem großen Teil der
ostschweizerischen Siedlungen (Jahresber. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 35, 1944, 31 ff.
Abb. 4—6) scheint diese eigenartige Gefäßform fremd zu sein. Diese Erscheinung eines
den Oberrheinraum östlich umklammernden Bogens ist auch in späteren Perioden
deutlich ausgeprägt zu verfolgen. Die Gründe hierfür sind vorderhand nicht auszu-
machen. Sie scheinen jedoch nicht unbedingt nur geographisch bedingt zu sein. In der-
selben Zone und darüber hinaus ist auch der weitmündige Tulpenbecher verbreitet.
Und schließlich ist auch das Fragment einer Streitaxt in dieser Umgebung nicht beson-
ders auffällig; denn verschiedentlich tauchen in Michelsberger Stationen Altheimer
Knaufäxte auf, denen unser Fragment besonders wegen seiner Oberflächenfurche sehr
nahe steht. Sollte es sich wirklich um eine Altheimer Axt handeln, so böte sich einmal
mehr eine Handhabe für die Spätdatierung zumindest einer Fazies der Michelsberger
Kultur.
3. Litzelstetten 4, „Zwischen Krähnholz und Fließhorn“.
1947/1948 stieß Schiele auf eine Pfählung unmittelbar südlich der Gemarkungsgrenze
Dingelsdorf. Bei einer späteren Begehung durch Kreispfleger A. Beck wurden dagegen
 
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