Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
152

Fundschau 1949—1951: Urncnfelderzeit

Lücken zu rechnen sein wird. Allem Anschein nach hat man von Osten nach Westen
fortschreitend die einzelnen Urnen dem Boden anvertraut.
Grab 6 mit seinem Buckeltopf (Taf. 26, A 2) und dem typischen Profil der Urne
(Taf. 26, A 1) ist das bisher älteste Urnengrab am „Schultheißbuckel“. Es wird noch
der Frühphase der Urnenfelderkultur angehören. Die Gräber 1—4, 7, 9, 10 gehören
der reinen Stufe .Hallstatt A an, sie datieren also in die ältere Urnenfelderkultur.
Sie alle liegen auf der Höhe von Grab 6 oder südwestlich von ihm. Am jüngsten ist
das relativ weit im Westen liegende Grab 5 (Taf. 25, A 1—8), das nicht nur nach dem
Profil seiner Tonware, sondern auch nach der gesteigerten Zahl der Beigefäße sicherlich
der jüngeren Urnenfelderkultur (Hallstatt B) angehört. Wahrscheinlich der gleichen
Zeitphase ist auch das benachbarte Grab 8 zuzurechnen (Taf. 27, CI—2), auch wenn
hier die exakte Datierung bei der Dürftigkeit der Tonware schwierig erscheint.
Das Wallstadter Urnenfeld gehört damit zu jenen im Rheingebiet und auch darüber
hinaus nur selten vertretenen Gräberfeldern, bei denen eine durchlaufende Belegung
von der Frühphase der Urnenfelderkultur bis mindestens Hallstatt B zu beobachten
ist. Dies zeigt aber, daß die Ausbreitung und Entwicklung der Urnenfelderkultur doch
nicht unbedingt in zeitlich trennbaren Wellen verlaufen ist, wie neuerdings verschie-
dentlich vermutet worden ist (W. Kimmig in Prähist. Zeitschr. XXXIV/V (1949/50)
288 ff. und E. Gersbach in Jahrb. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 41, 1951, 175 ff.). Es muß
auch Gruppen gegeben haben, die durch einen längeren Zeitraum hindurch am gleichen
Platze siedelten, was im Belegungsplan ihrer Gräberfelder folgerichtig zum Ausdruck
kommen mußte. Wallstadt ist ein Beleg für diese Entwicklung, die sich hoffentlich
bald anderwärts bestätigen wird.
Mtbl. 22/6517 Ladenburg. — Verbleib: Mannheim. (Gember, Kimmig)

Pfullendorf (Überlingen) „Ziegeläcker“.
Im Jahre 1949 stieß Maurermeister Benz bei seinem Neubau in der Kanalstraße auf ein
Grab (Grab 1) der frühen Urnenfelderzeit. Innerhalb einer Rollsteinpackung von 2,4 m
Länge und 1,2 5m Breite befanden sich auf der 0,25 m unter der Oberfläche liegenden
Grabsohle, die ebenfalls mit flachen Rollsteinen bepflastert war, Reste von Leichen-
brand. Zahlreiche Holzspuren entlang des Innenrandes der Steinpackung deuten auf
einen Holzeinbau hin, nach dessen Vermoderung die Decksteine nach innen gestürzt
waren und die dort aufgestellten Gefäße zertrümmert hatten.
Beigaben: 1. Mehrere Scherben eines größeren Trichterhalsgefäßes mit kurz aus-
gelegtem Schrägrand, aber ohne scharfe Kante, auf der Schulter eine Kerbleiste mit
einem feinen Rillenband gesäumt. Auf dem Gefäßkörper horizontale Rillenbänder mit
hängenden gefüllten Dreiecken. H. etwa 24 cm, Randdm. 17,2 cm. — 2. Henkelbecher
mit breitem Trichterrand, erh. H. 6 cm, Randdm. 14,4 cm. — 3. Schale mit geknickter
Wandung, erh. H. 4,4 cm, Randdm. 16 cm. — 4. Randstück eines kleinen steilwandigen
Schälchens (?), erh. H. 3,6 cm, Randdm. 14 cm. — 5. Sieben Bruchstücke aus hauch-
dünnem Blattgold mit feinen Rippen, Leitermuster- und Kreisaugenverzierung (vgl.
W. Kimmig, Neufunde der frühen Urnenfelderzeit aus Baden in Bad. Fundber. 18,
1948—1950, 82; Taf. 19, 1. 2. 3. 4. 5).
 
Annotationen