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Fundschau 1949—1951: Römische Zeit

beobachtet. Eingehende Untersuchung war leider nicht möglich. Im Profil (Taf. 39, 1)
ergab sich unter 0,3 — 0,35 m Ackerboden (a), der z. T. den Hang herabgeschwemmt
war, eine in den unberührten Lehm (h) eingetiefte Mulde von insgesamt 0,8 — 0,85 m
Tiefe und (oben) 1,1 m größtem Dm. Der die Mulde unmittelbar umgebende unbe-
rührte Lehm (g) war auf etwa 0,12 — 0,15 m Stärke violett-braun gebrannt und durch
starke Brandeinwirkung ungewöhnlich hart. Die Mulde war mit einem etwa 0,08 m
dicken graugelben Lehmmantel (d) ausgekleidet, der ebenfalls durch Hitzeeinwirkung
ungewöhnlich hart war und nach oben auskeilte. Aus demselben Lehmmaterial wie die
Auskleidung hergestellt und mit dieser im Verband saß auf dem Boden ein Sockel (e)
von rd. 0,15 m Breite und noch 0,20 m Höhe auf. Oben war der Sockel ausgebrochen.
Die Mulden rechts und links des Sockels waren mit je zwei Lagen „alter Ziegel- bezw.
Bodenbelagplatten (f)“ (nach Bericht Unser) ausgelegt. Inhalt der Mulde lockere Erde
(c), mit großen gebrannten Lehmbrocken b) durchsetzt. Nach Aussage der Arbeiter
fiel in die moderne Baugrube rd. 1 — 1,2 m der Längserstreckung der Anlage.
Die Deutung der Anlage auf einen vermutlich längsovalen Brennofen mit einer Zungen-
mauer (e) in der Längsrichtung und zwei Kammern ist klar; vgl. etwa Germania
Romana 2. Aufl. II (1924) Taf. 32, 4; 33,3 = E. Wagner, Fundstätten und Funde 2
(1911) 288 f., Abb. 242 f. aus Heidelberg-Neuenheim. Da in der Nähe des Ofens
jegliche keramischen Fehlbrände fehlten, dagegen gebrannte Lehmbrocken vorgefunden
wurden, möchte ich versuchsweise eher an einen Ziegelofen denken, nicht an einen
Töpferofen. Dafür könnten auch die unter den Einzelfunden miteingelieferten Leisten-
und Hohlziegelbrocken sprechen, die sämtlich stark verfrittet sind; doch könnten
diese Stücke auch zur Ausstattung des Ofens selbst gehört haben. — Unser versichert
nachträglich, die „alten Ziegel- bezw. Bodenbelagplatten“ (f) in den Mulden rechts und
links der Zungenmauer (e) seien nicht starker Überhitzung ausgesetzt gewesen, und
deutet die Platten zum mindesten sekundär als Wasserleitung. Wahrscheinlicher ist,
daß der Plattenbelag erneuert worden war und der Ofen nach der Erneuerung nicht
mehr oft benutzt wurde.
Funde:
Leisten- und Hohlziegelbrocken, stark verfrittet.
Drei Münzen, s. unter ,,B) Römische Münzen“.
Keramik, angeblich durchweg aus dem z. T. herabgerutschten oder -geschwemmten
Ackerboden (a). Mitbesprochen wird die Keramik aus der benachbarten Baugrube des
Neubaus Rößler (Anf. November 1951), über die kein Einzelbericht vorliegt.
Sigillaten: Außer untypischen Stücken ostgallischer Herkunft eine Scherbe mit stark
verscheuerter Darstellung eines Boxers (Taf. 39, 3), wohl Ricken, Katal. Rheinzabern VI
Taf. 14, 15; 15, 8 (Reginus). Ein Randstück Drag. 36 mit Barbotineauflage (Taf. 39, 2),
vgl. Oswald-Pryce Taf. 53. Ein Randstück Drag. 42 mit Barbotineauflage, ähnlich
Oswald-Pryce Taf. 54.
Untypische Stücke von zwei großen römischen Weinamphoren.
Untypische Stücke von im Ton gelblichen Krügen.
 
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