Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Bartholomae, Christian [Editor]
Die Universität Heidelberg ihren Toten des großen Kriegs zum Gedächtnis: 16. Juli 1919 ; [Akademische Trauerfeier in der Universitätskirche] — [Heidelberg], [1919]

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.4274#0008
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Ansprache des Vertreters der Dozentenschaft

Greh. Hofrats Dr. Hermann Oncken,
ord. Professors für neuere Geschichte.

Hoc hansehnliche Versammlung!
Liebe Kommilitonen!

Im Namen des Lehrkörpers der Ruperto-Carola erfülle ich die unsagbar schmerz-
volle Pflicht, den Toten des grossen Krieges, die unserer Gemeinschaft als Lehrer, als
Beamte und vor allem, in ihrer überwältigenden Mehrzahl, als Studierende angehört
haben, das letzte Lebewohl nachzurufen. Nicht um eine Rede zu ihrem Ruhme zu
halten — Worte reichen für ihre Taten, für die Hoheit ihres Opfers nicht aus. Wohl
aber drängt es uns, in dieser Stunde, da aller persönliche Schmerz um den Einzelnen
sich mit der allgemeinen Trauer um das Vaterland verschmilzt, in tiefem Dankgefühl
uns noch einmal das Schicksal der Männer und Jünglinge zu vergegenwärtigen, deren
Heldentod alle Grösse und Tragik der deutschen Gegenwart in einem erschütternden
Symbole abbildet.

Eine solche Trauerfeier hat kein Beispiel in der Geschichte unserer Universität,
in der Geschichte unseres Vaterlandes. Wir mögen des Heimzuges der Befreier von
1813 oder der Sieger von 1870 gedenken — beidemal hat der Preis, den sie errangen,
den Schmerz um die Gefallenen geweiht, er hat ihn überwunden. Nichts von solchem
Tröste ist unserem Geschlechte beschieden. Wohl sahen auch wir den Heimzug derer,
die so oft im Felde sich die Sieger nannten, aber als Nation sind wir, nach Taten und
Opfern ohnegleichen, schliesslich doch unterlegen. Unsere Trauerfeier steht im Zeichen
eines Friedens, der ein Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung begründet, nach
der Absicht unserer Feinde für immer begründen soll.

Noch will die Seele das Ungeheure und Unvermittelte des Umschwungs nicht
fassen. Noch vermögen selbst bei uns die Menschen nicht sicher zu erkennen, wie der
 
Annotationen