Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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den Fressern und Trunkenbolden aber immer fehlt,
und das sie oft mit Kosten suchen müssen.
Es ist daher eine bewiesene Sache, daß ein jedes
Laster seine Strafe schon vorläufig auf Weser Wett
mit sich führet, damit die Menschen davon jollen ab-
geschreckt werden; und daß die eigentliche Strafe
sich überdies Gott noch für jene Welt Vorbehalten
hat, wenn sich die Menschen nicht dadurch warnen
lassen. Die Reize der Tugend und Mäßigkeit sind
bey weitem größer, ccks die des Lasters. — und die
Belohnung einer ordentlichen und vernünftigen Le-
bensarten ist hier und dort die größte und glänzendste
unter allen.
Nro. 22.
Von der Bler'dmrF.
Kleider machen Leute — dies ist zwar eins von
den alten Sprichwörtern, alleine es trrft unter allen
am wenigsten zu. Wenn's auf das äußerliche an-
kommt ; so kann man zwar den Ungeschicktesten so
kleiden, daß er den Gelehrtesten am Aussehen über-
trift ; es ist aber nur äußerer Schein, und der Er-
folg zeigt es bald, was in der äußern Hülle steckt.
Kleider sind uns nöthig, um uns wieder die Hitze,
Nässe und den Frost zu schützen und unsere Blöße
zu bedecken, dazu brauchen sie aber weder prächtig
noch kostbar zu ftyn; Dauerhaftigkeit und Reinlich-
keit sind es, worauf wir bey der Kleidung haupt-
sächlich zu sehen haben. Für den Bürgers , und
Bauersmann ists eine unverzeihlicheVerschwendung,
wenn er fick kostbar kleidet, mit unnöthigen Ge,
schmuck und Tändeleyen behängt, und dadurch sich
und die Semigen nicht selten in arme und elende Um-
stände versehet. Wer sich reinlich, ordentlich, an-
stän.-
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