Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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Schlimmbach, gab seinen Kindern auf dem Steps
bebette unter andern auch folgende gute Lehren:
„ Kauft nicht, was ihr braucht, sondern nur
allzeit das, was ihr nicht entbehren könnt.
Wer Sachen ka"ft, die er selber machen kann-
der bestiehlt sich selber-, und ein gekaufter Rock oder
Kittel steht Bauerswstbern, als wenn sie ihn gelie-
hen hätten.
Lieber den Acker im Feld, die Kuh im Stall -
und das Geld im Sack: als die Analer aus dem
Buckel und die Dukaten am Hals! "
Diesen Lehren folgte seine Tochter, und sie ist
noch jetzt em braves Weib, und es gebt ihr reche
wohl. Der Sohn, Nike! Alms, nak-m ein rei-
ches Mädel aus einem andern Dorf zum Weib ; die-
se hieß Katherl, und war hübsch vom Gesicht hatte
auch sonst em gutes Gemüth. Nur putzte sie sich
gnm und mochte es wohl leiden, wenn man sie ih-
r.u schönen Kleider wegen bewunderte. In ihrem
Dorf war nun schon die thörichte und schädliche Mos
de singeschlichen , daß die Weibsleute Schürzen oder
Fürtücher von Kotton und Pers, und manche reiche
Hauben und seidene Mieder trugen, und daß es ei-
ne dec andern im Putz zuvor zu thun 'uckne. Dage-
gen war in Schlimmbach noch nichts Mcde, als ger
streifte Leinwand und halbwollene Zeuche, wozu die
Leute das Garn aus eigener Wolle und Flache span-
neu, und es selbsten wirken Mr weben ließen. Wie
nun das junge Weib sich in ihrem Staat zeigte -
fanden sich gleich etliche Weiber und Mädeln, die
es ihr nachchaten Daraus entband nun eine rech-
te Jagd unter den Weibslemen im Dorf, Werks im-
mer eine der andern im Putz zuvor thnn wollte. Der
Meiflnn waren ihre Sachen nicht mehr gut ge-
nug §
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