Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

Page: 130
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um fremde Mädeln freyten. Die Veränderungen
aber, die sie nach und nach im Dorf und in ihren
Häusern machten, waren folgende:
Gegen Mittag lag unter dem Dorf ein Stück
Land, welches dicht mit Erlen und Weiden oder
Felbern bewachsen war. Dieses war so sumpfig,
daß man das jährlich darinn geschlagene Holz nur
mit großer Gefahr herausbringen konnte, und wenn
der Wind von Mittag kam, brachte er eine Menge
fauler Dünste aus demselben ins Dorf, die es unge,
stund machten. Durch dieses Stück Land hieben sie
nun erliche Gänge, von Morgen nach Abend, jeden
20 Schritt breit, und rotteten alles Buschwerk mit
Stumpf und Stiel darinn aus. Auf beyden Seiten
dieser Gänge zogen sie Gräben und warfen den
aufgegrabenen Schlamm in der Mitte auf. Dieses
gab in der Folge trefliche Krautäcker; die übrigen
Erlen wuchsen bester, weil sie mehr Luft hatten, und
weil das Wasser einen Abzug bekam, so wuchs nun
auch brauchbares Gras dazwischen, wo sonst nichts
als Schilf, Rohr, Binsen und Farrenkräuter fort-
gekommen waren. Die Gassen und Weg im Dorf
trockneten sie durch Abzugsgräben aus, wo es sich
schickte, und erhöhten sie in der Mitte durch etliche
tausend Fuhren Kieselsteine. Dieses brachten die
Scherfendorfer binnen einigen Jahren ohne große
Versäumniß zu Stand, weil d:e ganze Gemeinde
einmüthig Hand anlegte. An den Seiten machte
jeder Hauswirch mit stmen Leuten einen hohen Stein-
weg, so wett sein Haus und Hof reichte, desglei-
chen auch aufdem Hofselbst vem Haus in die ^cheu-
re und zu jedem Stall. Die Steine ließen sie
durch die Kinder vdn den Aeckern zusammen klau-
ben, und wenn sie von der Feldarbeit nach Haus
sich-
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