Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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4) Damit man aber in der Zeit/ bis die sichern Jeiäwn
des Todes kommen/ die Kranken nicht etwa durch Unvor-
sichtigkeit ums Leben bringe/ so muß man ihnen / wenn es
scheint / a!s wollten sie sterben/ ja nicht das Kopftüssen
wegziehen. Deeses ist erne sehr gottlose Gewohnheit. Denn
mancher sttrbt alsdann/ wert das Blut mehr nach dem Kops
zu treibt / an ernem Schlagfluß / der sich wieder erhollt
hätte / wenn man ihm das Kopsküffen gelassen hatte.
;)^Nan muß einen Kranken / mit dem es wirklich aus
zu seyn scheint/ doch nicht gleich den Augenblick aus dem
Bett nehmen / und Wenns Winter ist/, aus der Stube
hinaus bringen / sondern man muß ihn z bis 4 Stunden
noch im Bett warm zugedeckt lassen.
6) Ist ihm nun beym Absterben allmählich die Nase
spitzig wordkn; sind ihm die Schläft eingefallen / die Augen
tief in den Kopf gesunken / die Ohren kalt worden; ist die
Haut auf der Stirn hart und gespannt/ und die Farbe
schwarz oder bleich worden/A mag man ihn nach zoder 4
Stunden abwaschen und aufs Stroh legen/ und nun war-
ten bis der faule Todtengeruch kommt/ehe man ihn begrabt.
7) Sreht aber ein Verstorbener im Gesicht noch ziem-
lich unverändert ans / oder ist er schnell gestorben / so
muß man ihn nicht eher aus dem Bett nehmen / bis man
probrrt hat/ ob noch Leben in ihm fty/ und ob es wieder
erregt werden könne ? Deswegen muß man auch den Arzt
oder Wundarzt nickt abweifen / wenn die Kranken todt
zu seyn scheinen / sondern man muß ihn vielmehr nun erst
herbey rufen / daß er znsehe ob es der rechte Tod ist/ und
in zweifelhaften Fallen anordnS'/ wie man die Proben ma-
chen soll. Sind diese gemacht und helfen nickt/ so wartet
man mit der Beerdigung doch noch / bis die oben beschrie-
benen Zeichen des Todes / nämlich der Geruch und die
fckwarzblauen Flecken kommen. Und so lang muß man war-
ten : weil es Exempel giebt/ daß Leute einige Tage lang
lin Ohnmacht gelegen find, und doch wieder zu sich seM
l kommen sind.
R Z Nro. Z7
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