Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

Page: 284
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/becker1791/0292
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
284

Nro. 4r.
Mie man erhenkte oder erwürgte Menschen wie-
der lebendig macht.
Die Art, wie man einen Schenkten oder Erwürg-
ten wieder lebendig macht, ist aber folgende:
Z. r, Wer einen Menschen hängen sieht, muß ihn
den Augenblick losschueroen. Er wag sich selbst gehenkt
haben, oder es mag von bösen Leuten geschehen seyn; es
n ag seyn Freund oder Femd, bekannt oder unbekannt,
Mann oder Weib; ja wenns auch ein Schelm wäre, wenn
er nur mcht auf Befehl der Obrigkert gehenkt ist, so muß
man ihn abschneiden, wenn man anders ein Christ seyn,
und Anspruch auf Menschlichkeit machen will. Hier müs-
sen alle dre abgeschmackten unv liebkosen Meinungen, und
Handwerksgesetze, daß man einen Selbstmörder nicht an-
rühren soll, beyseite gesetzt werden, weil es auf das Leben
eines Menschen ankommt. Obrigkeiten sollten diesen Un-
fug ohnehin nicht dulden.
2. Beim Abschneider, muß mau acht haben, daß der
Koroer nicht hart auf die Erde falle; und wenn er liegt,
macht man ihm gleich den Strick, das Halstuch, dieHembd-
knöpfe, Westenknöpse, Strumpfbänder, den Leibgurt, und
Hostubund, oder wenns ein Weibsbild ist, das Mieder
und den Rock los.
5 z. Riecht nuuder Körper nicht schon nach Faulniß, so
bringe man ihn auf ein Lager von Stroh oder auf ein Bett,
so r uhe als mans haben kann, an einen Ort, wo frische Luft
ist , nicht m einer dumpfigen oder heißen Stube. Man kann
ihn dahin tragen oder fahren; nur sackte und so, daß der Kopf
und die Brust höher liegen, als die Füße. So legt man ihn
auch aus dem Lager, welches so gestellt werden muß, daß man
rundherum kommen kann. Hier zieht man chu vollends ganz
nackt aus und bedeckt ihn mit einer leichten Decke. Man läßt
ihn aber nicht lang in einerlei) Lage, sondern legt ihn oft
von einer Seite auf dre andere.
4. Man schicket eiligst nach dem nächsten Arzt, und
Wundarzt; und unterdessen reibt man dem Patienten das
Gesicht, den Hals, den Bauch, Rücken, auch Hände und
Füße, aöes wie es zuvor in diesem Lüchlem beschrieben
loading ...