Becker, Robert; Bastianini, Giovanni [Editor]
Die Benivieni-Büste des Giovanni Bastianini: zur Geschichte der Fälschungen ; Vortrag im Wissenschaftlichen Verein zu Breslau — Breslau, 1889

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Nicht Alles freilich, was durch die Fluth des ita-
lienischen Kunsthandels, der vor zwei und drei Jahr-
zehnten noch mehr als jetzt von zahlreichen Leuten
jedes Standes und Ranges betrieben wurde, über Ita-
liens Grenzen hinausgetragen ward und in Sammlungen
von italienischen Renaissance-Bildwerken eine Stätte
fand, kann noch heutigen Tags als eine Schöpfung des
Quattrocento angesprochen werden.

Nachahmung und Fälschung haben die Reihen der
erhaltenen Renaissance-Skulpturen mit modernen Ar-
beiten trügerisch durchsetzt.

Fälschen von Kunstwerken und Verkauf gefälsch-
ter Gegenstände haben immer einen gesteigerten Um-
fang angenommen, so oft das Sammeln in weiteren
Kreisen Mode ward. Wird doch dann die Nachfrage
nach bestimmten Kunstwerken so gross, dass die wirk-
lich echten Sachen nicht ausreichen, deren einmal vor-
handener Bestand sich eben nicht vermehren kann in
demselben Verhältniss wie die Zahl ihrer Liebhaber.
Dem gesteigerten Bedürfniss schafft unverweilt die ge-
schickte Fälschung völlige Befriedigung mit grossem
materiellen Gewinn mehr für diejenigen, welche den
Kauf dieser Erzeugnisse vermitteln, als für die Schöpfer
derselben. Neben den directen Copien und Nach-
ahmungen vorhandener Originale bilden hier eine be-
sonders verhängnissvoile Gruppe jene Kunstwerke,
welche von des modernen Künstlers Hand im Cha-
rakter einer bestimmten Zeit oder in der Kunstweise
eines einzelnen auf dem Markt besonders begehrten
Meisters gearbeitet und mit gewissen Spuren alter
Herkunft versehen werden.
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