Becker, Robert; Bastianini, Giovanni [Editor]
Die Benivieni-Büste des Giovanni Bastianini: zur Geschichte der Fälschungen ; Vortrag im Wissenschaftlichen Verein zu Breslau — Breslau, 1889

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Freilich kann man einwerfen: Was hindert den
Künstler, seiner innern Neigung folgend Werke dieser
Art nach freier Wahl und eigner Lust zu schaffen?
Dem ist zu erwidern: Gerade der ausübende Künstler,
welcher die Gefahren kennt, die derartige Schöpfungen
bereiten, sollte diese Gefahren dadurch beseitigen, dass
er mit seiner Namenssignatur oder sonstwie seine
Arbeiten kennzeichnet als Erzeugnisse der Gegenwart.
Unterlässt er dies absichtlich, dann muss er auch
schweigend den Vorwurf hinnehmen, dsss er nicht
Alles gethanhat, was in seiner Macht stand, um der Mög-
lichkeit irriger Beurtheilung seiner namenlosen Werke
durch den unbefangenen Betrachter vorzubeugen und
dem Versuch betrügerischen Missbrauchs derselben
durch schnöde Gewinnsucht hindernd in den Weg
zu treten. Die Geldsumme, welche Bastianini für
seine Büste erhielt, war der wohlverdiente Lohn für
die Arbeit seiner Hand. Der Preis, welchen dieselbe
später erzielte, galt fast auschliesslich ihrem angenom-
menen Alter. Hätte Bastianini den letzteren selbst
erhalten, dann wäre er mit aller Schärfe und Ent-
schiedenheit anzuklagen. Denn er musste wissen, dass
eine solche Summe nicht der modernen Schöpfung
eines noch werdenden Künstlers, sondern nur ihrem
vermeintlichen Alter gelten könne. Erklärte er sich
doch in der literarischen Fehde selbst bereit, für 3000
Frs. eine Büste anzufertigen, welche mit der des Beni-
vieni auf gleicher Höhe stände.

Die Florentiner haben in der Benivieni-Contro-
verse das letzte Wort und Recht behalten. Die Pa-
riser sind unterlegen. Aber kein billig und gerecht
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