Bertuch, Friedrich Justin; Bertuch, Carl
Bilderbuch für Kinder: enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Früchten, Mineralien ... alle nach den besten Originalen gewählt, gestochen und mit einer ... den Verstandes-Kräften eines Kindes angemessenen Erklärung begleitet (Band 10) — Weimar, 1821

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Verm. Gégenst. CCLXXXI. Bd. X, No. 90.
DIE GAILENREUTHER HÖHLE.

Diese merkwürdige Höhle ist von demDorse
Gailenreuth, unweit Muggendorf bei Bamberg,
südwestlich eine kleine halbe Stunde entsernt
und befindet sich im sogenannten Höhlenberge,
Der Eingang, durch die auf der unteren Figur
dargestellte Felsenwand, ist wohl 6§ Fuss hoch
und 17 F. breit, und zeigt noch Spuren einer al-
ten Mauer, durch die er früher wohl verschlos-
sen gewesen ist. Alte Sagen erzählen, dass die
Höhle den ersten Christen zu einem Versamm-
lungsorte gedient hätte, oder auch, dass Hei-
den Zuflucht gegen die Versolgungen der Chri-
sten darin gefunden hätten. Soviel ist gewiss,
dass man noch jetzt Menschenknochen und
Fragmente von Urnen findet. — Die obere
Figur auf dieser Tasel stellt das Innere der
Höhle im Durchschnitt nach einer Zeichnung
vor, welche Prosessor Buckland im Jahr 1816
an Ort und Stelle ausnahm. A. ist der Einr
gang der Höhle, durch welchen man in eine
grosse Halle von mehr als 300 Fuss tritt. -Ein
langer Gang sührt in den grossen Höhlenraum
B, wo viele Bärenknochen auf dem Boden zer-
streut liegen. Durch eine senkrecht abfallen-

de Klust gelangt man in den zweiten Höhlen-
raum C, und durch eine weite Oesfnung D
geht es von der zweiten Höhle schräg in die
Tiese, wo man ganze Wagenladungen loser
Knochen findet, dagegen die Masse E eine
Breccie, meistens aus Knochen und Stalagmi-
ten zusammengesetzt, enthält. Die Kammer
C steht.durch einen langen und engen Gang,
F, in Verbindung, der oft so eng ist, dass
man auf Händen und Füssen kriechen muss.
Durch die senkrtchte Spalte G, durch die man
nur mit Lebensgefahr kommt, gelangt man in
einen ovalgewölbten Piaum, H, der künstlich
durch Ausgraben von Knochen und Schädeln
aus der gedachten Breccie entstanden ist. —«
Es sind eigentlich 6 Höhlen, die der Lage
nach einen Halbzirkel bilden. Schon in der
5. Höhle merkt man eine dicke Lust und ei-
nen aashaften Geruch ; bei längerm Verwei-
len in der Tiese werden die frischesten Gesich-
ter der Besuchenden leichenblass. — Dem
Dr. Rosenmüller und dem Professor Esper in
Erlangen verdankt man zuerst sichere Nach-
richten über diese Höhle.
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