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Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 56.1921

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https://doi.org/10.11588/diglit.45270#0022
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sest 2 - II luslrierte Kini lienzn tuns - '421


Die von Beeren.
Roman von Georg Hartwig (Emmy Koeppel).
(Fortsetzung.)
nzwischen hatte die Präsidentin, in die Schönheit des Wertes
versunken, völlig vergessen, daß der mit Temperament be-
gabten Königin Jsabeau asthmatische Anwandlungen nicht
eignen konnten, Anwandlungen, die bei Stimmenaufwand etwas
Seufzerartiges laut werden ließen, so daß der Ruf: „Stirb,
Unglückliche!", bei dem Tante Amalie sich in Erdolchungsgefahr
befand, in einem Ton verhallte, der Herrn von Jngermann zu
der besorgten Frage veranlaßte: „Ist dir nicht wohl, Friederike?"
Der Oberforstmeister, dem der Firmawechsel Bertini—Beeren
die Gedanken beschwerte, und dem es noch bevorstand, Onkel
Balduin die fatale Geschichte zu erzählen, sprach seine Rolle
von Anfang bis zu Ende rasch und hastig; er war ärgerlich, und
besonders seiner Mutter Du Chatel und seiner Gattin La Hire
schnitt er jedwede Gegenrede in einem Tempo ab, daß ihre Acht-
samkeit laum ausreichte, das Stichwort zu beachten.
Fast drei Stunden waren vergangen, da sah Tante Amalie
den Regenbogen in der Luft und geöffnete goldene Tore in den


Wolken, und alsbald fing die Präsidentin an, zu husten und nach
der Uhr zu sehen.
„Wundervoll!" sagte die Rentmeisterin, das Buch zuklappend
und nach rechts und links Händedrücke austeilend. Die Füße
waren ihr eingeschlafen vom langen Sitzen.
„Großartig!" nickte der Präsident und drückte seinen Schiller-
band gegen die Lippen, daß es schien, als wolle er ihn küssen.
Der Assessor schwieg. Er war zu dem Schwesternpaar ge-
treten und hörte Hanna sanft und eindringlich auf ihren Bruder-
einreden.
„Tue das doch nicht Mama an, jetzt fortzugehen. Du weißt,
wie sie sich freut, dich abends mit am Tisch zu haben."
„Ich bringe Jngermanns nach Hause."
„Das ist eine leere Ausflucht, Otmar."
„Na ja, dann gehe ich in den Klub. Was ist da weiter? Mir
ist ganz schwabblig zumute. Kommen Sie mit, Salberg?"
„WemLs gestattet ist, hierzubleiben —"
„Warum nicht?" sagte Haide schelmisch. „Ich gestatte."
Es war Sitte geworden, daß die anderen noch beisammen-
blieben, wenn die Präsidentin gegangen war. Auch jetzt, als die
Familie von Jngermann mit Otmar von Beeren verschwunden
war, lud die Oberforstmeisterin zum Dableiben freundlich ein,

Jin ostpreußischen Elchrevier. iKach einem Gemälde von E. Otto.


N2l.
 
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