Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 7.

In den „Technischen Mitteilungen für
Malerei", XXL Jahr, Nr. 4 und 5, findet sich
die Fortsetzung der Angaben über ultra^
mikroskopische Untersuchung von
Farbstoffen, die E. Raehlmann zuerst
in der „Ophthalmologischen Klinik*' veröffent>
licht hat. Vgl. auch „Blätter für Gemälde^
künde", Heft V, S. 95-

TODESFÄLLE.

Verstorben sind: In Leipzig am 4. August der
Maler Anton Dietrich (Seemanns Kunstchronik,
XV., Sp. 549). — Maler Karl Breitbach (Kunstchro-
nik). — In Berlin Professor Otto Brausewetter. —
In Frankfurt a. M. Prof. Johann Heinrich Hassel-
horst. — In Düsseldorf der Kupferstecher Fritz
Dinger am 11. August. — In Lübeck Maler und
Schriftsteller Konrad Weidmann am 17* August.—
In Berlin am 20. August Maler Thomas von Na-
tusius. — In Soest i. W. Maler Becker (Seemanns
Kunstchronik, XV., Sp. 550). — Am 25. August zu
Bure dans Lome H. Fantin-Latour (Tagesblätter
und „Art et Decoration“ vom September 1904 und viele
andere Kunstzeitschriften). — Am 26. August zu Triest
der Porträtmaler Umberto Veruda („Neue Freie
Presse“ vom 2. September). — Am 30. August der
Maler Henri de Severac („Le journal des arts“ vom
10. September). — 2. September der Münchener Land-
schaftsmaler August Seidel im 84. Lebensjahre (vgl.
den Katalog der Münchener Auktion Pfister, S. III ff.).

— Anfangs September der Maler Alphonse J. Mon-
chablon („Le journal des arts“ vom 10. September).

— In Leipzig Maler Otto Försterling (Wiener
Abendpost vom 7. September). — 9. September der
russische Historienmaler P. A. Swedomski (See-
manns Kunstchronik, XV., Sp. 572). — 12. September
der Landschaftsmaler Karl Rettich zu Lübeck. —
Emile Galle, der Meister in der Herstellung farbigen
Glases zu Nancy am 24. September. — 5. Oktober zu
Großbothen Ernst Artur Seemann, der Begründer
des weit bekannten Leipziger Verlages, der für Kunst-
geschichte seit Jahrzehnten von Bedeutung ist (D. N.).

— Im Laufe des Oktober zu Brüssel der Maler
J. Th. Coosemans (Seemanns Kunstchronik, XVI.,
S. 11). — Am 13. Oktober zu Budapest der Historien-
maler Karl Lotz (Wiener Tagesblätter). — Im Laufe
des Oktober zu Mureaux (Seine et Oise) der Marine-
maler Leon-Gustave Ravanne im Alter von
50 Jahren („Chronique des arts et de la curiosite“ vom
22. Oktober 1904). — Im Laufe des Oktobers zu London
der Maler Charles Wellington Furse („Neue
Freie Presse“, 18. Oktober). Anfangs November bei den
Unruhen in Innsbruck umgekommen Maler P ezz ey
(Tagesblätter). Am 4. November Alexander Scharf,
Eigentümer der Wiener „Sonn- und Montagszeitung“,
ehedem ein glücklicher Sammler alter Gemälde.
Seine erste wertvolle Sammlung ist 1876 in Paris ver-
steigert worden (Wiener Tagesblätter). — Am 12. No-
vember zu Wien Prof. Rudolf Ribarz. — Im Laufe
des November der englische Maler Valentin Prin-
cep („Neue Freie Presse“, 17. November). — Zu Köln
am 17. November im 54. Lebensjahre Heinrich
Lempertz jun., Inhaber der altbekannten Kunst-
handlung J. M. Heberle (H. Lempertz’ Söhne) (D, N ).

BRIEFKASTEN.

Mehreren Fragenden: Ich bitte mir keine Bil-
der mittels Post unmittelbar ins Haus zu senden, da
ich weder Zeit noch Gelegenheit habe, für die Rück-
sendung Sorge zu tragen.

Freund K. in Wien. Ich gebe mir alle Mühe, Ihre
Frage sobald als möglich zu beantworten und Ihnen
aus ganzen Reihen von Büchern das Beste heraus-
zusuchen. Vor allem und nach allem ist in dem Falle
das große Buch der Natur aufzuschlagen.

Frl. A. N. Sie bitten mich. Ihnen meine unlängst
mündlich geäußerte „Definition“ der Lokalfarbe zu
wiederholen. Gestatten Sie zunächst die Bemerkung,
daß ich auf Definitionen sehr schlecht zu sprechen
bin, da sie ausnahmslos zu weit oder zu eng sind.
Ich schreibe Ihnen lieber, was sich über Lokalfarbe
aus dem Gebrauch in der Sprache der Maler ableiten
läßt. Auch bitte ich, sich vor allem daran zu erinnern,
daß ein Gegenstand nur insofern farbig ist, als wir
von ihm Licht ins Auge erhalten. Begreiflicherweise
kommt es auf die Natur dieser Strahlen an und auf
den Zustand unseres Auges, ob wir einen Gegen-
stand so oder so gefärbt sehen. Die Art der Strahlen
und ihre Stärke kommen ebenso in Betracht, wie die
Frische oder Ermüdung der sehenden Gewebe von
der Netzhaut bis zu den Sehbezirken in der grauen
Gehirnrinde. Bei nahezu gesundem Auge, das nicht
überreizt ist, sehen wir im finsteren geschlossenen
Raume ungefähr „schwarz“. Richten wir den Blick
„normal“, d. i. senkrecht gegen die Wand und
lassen wir Tageslicht in den Raum, so sehen wir die
Wand je nach Anstrich oder Tapetenart irgendwie farbig.
Die Farbe, die wir dort bei mittelhellem zerstreuten
Tageslicht an dem normal angeschauten Gegenstand
wahrnehmen, können wir seine Lokal färb e nennen.
Beachten Sie dabei noch, daß keine Störungen durch
weitere Lichtquellen durch Reflexe, durch getrübte
Luft zwischen Auge und Gegenstand bemerkbar sind,
so kommen Sie dem Begriff der Lokalfarbe schon
näher. Drehen Sie nun eine Glühlampe auf, so sieht
die Wand anders aus als früher. Die Lokalfarbe der
Wand ist dann gewöhnlich wesentlich verändert. Hän-
gen Sie einen grell gefärbten, scharf beleuchteten
Stoff in die Nähe, so beobachten Sie noch andere Ver-
änderungen. Bei hochstehender unverhüllter Sonne
gibt es viele Reflexe, die an der Lokalfarbe ändern.
Der Widerschein des Abendhimmels verfärbt die Land-
schaft, und dann reden wir nicht mehr von reiner
Lokalfarbe. Ich bin davon überzeugt, daß Sie nunmehr
auch verstehen, warum die Lokalfarbe des Grundes
in Ihrem Teich nur dann deutlich anklingt, wenn Sie
gerade von oben her aufs Wasser blicken. Je schiefer
Sie hinschauen, um so mehr verschwindet sie, um
allmählich der Spiegelung an der Oberfläche die Herr-
schaft einzuräumen. Auch werden Sie sich nun klar
machen, wie es um das unglaublich oberflächliche
Diktum steht, das man unlängst gedruckt las: „Die
Lokalfarbe nennt man die absolute Farbe jedes Dinges
an und für sich, unabhängig von anderen Wirkungen
auf sie.“ Damit wäre nur der Ausdruck verschoben
und wir müßten fragen: was ist „absolute Farbe?“
Eine solche gibt es nicht, aber unter den Bedingungen,
die ich Ihnen angedeutet habe, kann man recht wohl
von einer Lokalfarbe sprechen.

Frl. B. K. Eludorische Malerei ist eine Art
feiner Ölmalerei unter Wasser. Miniaturen dieser Art
wurden nach dem Trocknen mit einem Kristall be-
deckt, der an den Rändern luftdicht verkittet ist. Eine
genaue Anweisung zum Malen in Eludorischer Art
ist zu finden in der „Enzyklopädie für Künstler“
(II. Bd., Berlin 1795, S. 56 ff.). Ich hoffe, daß Ihnen
bei der Geschicklichkeit, über die Sie verfügen, diese
feine Malweise wohl gelingen werde.

Herrn Mor. E. in A. Die„Peinture mate“
ist eine nunmehr nahezu schon alte Malweise. Ich be-
schränke mich darauf. Ihnen zu schreiben, daß Ant.
Wiertz den Namen aufgebracht hat. Er malte seit 1853
auf ungrundierter Leinwand in der sogenannten „Pein-
ture mate“, über die Sie näheres in der Wiertz-Litera-
tur finden, z. B. in Lützows „Kunstchronik“, IV, Nr. 2.
Ich fürchte, daß Sie von dieser Technik nicht sehr be-
friedigt sein werden.

Für unverlangte Einsendungen wird keine Bürgschaft geleistet. Preis dieses Heftes 1 K 70 h = 1 M 50 Pf.
Klischees von der „Graphischen Union“. — Druck von Friedrich Jasper in Wien,
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