Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 143
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Blätter für Gemäldekuhde

ZU BEZIEHEN DURCH
DIE BUCHHANDLUNG
GEROLD & Co., WIEN,

I. STEPHANSPLATZ S.

VON

Dr. THEODOR v. F RI MM EL.

ZUSCHRIFTEN AN DEN
HERAUSGEBER WER-
DEN GERICHTET NACH
WIEN, IV. PANIGLG. 1.

1905.

JANUAR.

Heft 8.

WIEDERGEFUNDENE BILDER AUS BERÜHMTEN
ALTEN SAMMLUNGEN.

5. Zwei Werke von Gerard Snellincks aus der Galerie Kaunitz.

Beim Herrn Rechtskonsulenten Dr. Alois Marquet in Wien sah ich vor
einiger Zeit zwei Bilder mit Reitergefechten, wohlerhaltene Stücke, die mir als
Werke des Peeter Snayers gezeigt wurden. Nach der Entstehungszeit und nach
dem allgemeinen Kunstcharakter paßten sie ja wohl in die Nähe des Snayers;
aber die Gemälde genau besehend, konnte ich die herkömmliche Benennung
nicht anerkennen. Eine andere Handschrift lag vor, und ich erinnerte mich, von
demselben Meister noch andere Bilder gesehen zu haben, so z. B. eine Land'
schaft mit Reitern in der Sammlung Holzmann-Schwediauer (früher Brunsvik)
und sonst noch anderswo. Einen Ersatz für den Namen Snayers fand ich nicht
sofort. Erst nach einigem ruhigen Sichausbreiten des Eindrucks verfiel ich im
Zusammenhang mit den Monogrammen der beiden Bilder auf den Namen
Gerard Snellincks. Was mir aber nach dem hell aufgesetzten Galeriestempel
sofort klar wurde, war die Herkunft aus der Galerie Kaunitz (vgl. die Ab'
bildung der Ecke mit dem dunklen Monogramm und dem hellen Galerie'
Stempel darüber auf S. 146). Die Geschichte dieser umfangreichen und wertvollen
Bilderei hatte mich ja wiederholt beschäftigt, auch wenn es mir (durch widrige
Umstände ist’s verschuldet) nicht vergönnt war, eine ausführliche Geschichte der
erwähnten Galerie zu schreiben. *) Das Kaunitzsche Galeriezeichen war also bald
und mit Sicherheit zu erkennen. Damit wäre im wesentlichen der Nachweis aus
einer berühmten alten Sammlung für die zwei Bilder in Marquetschem Besitz

*) Ein Abschnitt über die Galerie Kaunitz steht in der Geschichte der Wiener Gemälde-
sammlungen (III. Kapitel). In bezug auf die alten Kataloge verweise ich auf „Berichte und
Mitteilungen des Wiener Altertumsvereines“, XXXI und XXXII.

Deutsche AltarstafFel (Wien, Sammlung Figdor, früher bei Todesco).
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