Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 38
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Nr. 3-

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

graphie bestens zu danken. Weitere Mitteilungen über die Sammlung und das
Bild des Tilens seien der Zeit Vorbehalten, wenn das längst vorbereitete be-
schreibende kritische Verzeichnis vom kunstfreundlichen Besitzer einmal ver-
öffentlicht sein wird. Die älteren kleinen Kataloge sind längst überholt, wie denn
auch anzumerken ist, daß die abgebildete Landschaft früher als Werk des Jan
Philipps van Thielen und nicht als Tan Tielens geführt wurde. (So im Katalog
von 1871, S. 6. Als Jan Tilens erwähnt in meiner „Geschichte der Wiener
Gemäldesammlungen“, I, S. 512. Das abgebildete Gemälde ist i'35 m breit und
o-72 m hoch.)

EINIGE WERKE DER
SOFONISBA ANGUISSOLA.

Im Frühlinge 1902 zeigte mir Doktor
Madsen in Kopenhagen die photographi-
sche Nachbildung eines Gemäldes der
dänischen Sammlung Hage auf Nivaa-
gaard. Was ich davon halte, fragte er.
Nachbildungen erlauben zwar keine
Bestimmung, erwiderte ich, aber ich
kann die Vermutung nicht verschweigen,
daß es sich da um ein Werk der So-
fonisba Anguissola handle; denn
ebenso die Gesichtstypen, wie die Anord-
nung des Bildes weisen in die Richtung
dieser berühmten Cremoneser Malerin.
Mitten im Bilde sitzt ein Mann mitt-
leren Alters. Hinter ihm, fast neben ihm,
vom Beschauer aus links, steht ein
junges Mädchen, dessen Gesichtszüge
und Kleidung mit wenigen Varianten
auf sicheren Werken der Sofonisba
Anguissola wiederkehren. Rechts im
Bilde steht ein Knabe, dessen Zu-
gehörigkeit zur selben Familie nicht zu
verkennen ist. Weniger wesentlich sind
die Landschaft und rechts unten im
Vordergründe ein Hund. Wir, Madsen
und ich, gingen zu anderen Bildern
über, und die Angelegenheit beruhte
einige Zeit auf sich, bis ich mir von
Madsen brieflich eine Nachbildung des
Gemäldes erbat. Diese wurde mir mit
sehr dankenswerter Liebenswürdigkeit
gesendet, und aus dem Begleitschreiben

ersah ich, daß Madsen die Zeit nicht
unbenützt hatte verstreichen lassen. Er
teilte mir mit, das erwähnte Familien-
bild sei bei Vasari als Werk der So-
fonisba Anguissola beschrieben und es
sei auch ein eigenhändiges Werk dieser
Malerin, mit deren bekanntem Bilde
der schachspielenden Mädchen er es
vor kurzem verglichen habe. Das Ori-
ginal in Nivaagaard ist mir bis heute
noch nicht bekannt geworden, doch
hege ich zu Madsens Vergleichung alles
Vertrauen. Auch die Beschreibung bei
Vasari paßt so trefflich zum Bilde*),
daß ich an der Autorschaft der Sofonisba
Anguissola kaum zweifeln kann. Nach
dieser Beschreibung erfährt man auch,
daß auf dem Bilde der dänischen Samm-
lung der Vater der Malerin, ihre Schwester
Minerva und ihr Brüderchen Asdrubale
dargestellt sind Auf Seite 39 die Ab-
bildung des Gemäldes.

In neuester Zeit fand ich im Wiener
Kunsthandel (im Besitze Heinrich
Leitners) ein anderes Familienbildnis,
das jedenfalls in irgend einem faßbaren
Zusammenhang mit Sofonisba Anguis-
sola steht. (Auf S. 40 eine Abbildung.)

*) Vasari schreibt in seinen Erörterungen
über die genannte Malerin (Milanesis Ausgabe
VI, 498): „In un altro quadro si vede ritratto
dalla medesima Sofonisba il signor Amilcare
suo padre, che ha da un lato una figliuola
di lui, sua sorella, chiamata Minerva, che in
pitture e in Iettere fu rara, e dall’altro Astru-
bale figliuolo del medesimo, ed a loro fratello “
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