Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 153
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Nr. 8.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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sieht nur mehr Reste des A" und von den
Ziffern nur 166. Im ganzen ist das Bild gut
erhalten. Zur Färbung, die frisch und ziem-
lieh hell ist und nur im Himmel düstere
Töne hat, sei bemerkt: der grauliche Über-

wurf Christi, der gelbliche Hut der Magdalena,
ihr gelbes lichtes Kleid aus glänzendem Stoff,
ihr zinnobrig gefärbter Mantel. Auf Leinwand,
hoch 1-38, breit ro6 im Lichten gemessen.

Das beschriebene Gemälde befindet sich
seit einiger Zeit bei Herrn Kunsthändler
Friedrich Schwarz in Wien, dem ich auch
die Erlaubnis der Nachbildung zu danken
habe.

ANMERKUNGEN ZU KASPAR
HIRSCHELY.

Im siebenten Hefte der Blätter für Ge-
mäldekunde wurde ein Blumenstück von
Hirschely erwähnt, das unlängst im Wiener
Versteigerungsamt feil war. Dieses Bild ge-
hörte zu den besten, die mir bisher vor die
Augen gekommen sind, und bietet mir den
Anlaß, über den wenig bekannten Hirschely
einige Bemerkungen beizubringen. Hirschely
ist wenig beachtet und nicht selten mit an-
deren Meistern verwechselt worden. Hie und
da ist es mir vorgekommen, daß Werke die-
ses Prager Künstlers für niederländische Bil-
der angesehen wurden. Seine scharfe Art, die
Formen zu begrenzen, erinnert auch ohne
Zweifel an flandrische Blumenmaler. Seine
stimmungsvolle Färbung nähert ihn ein wenig
der holländischen Kunst. Für die Gemäldekunde
hat es Interesse, diesen Künstler näher zu be-
trachten. Man könnte ihn mit einigem Recht
als Archai'sten, als Nachahmer weit zurück-
liegender Kunstarten bezeichnen. Seine kleinen
Bilder mit Blumen und kleinen liegenden
Sachen verraten die Kenntnis der Blumen-
malerei eines B. v. d. Ast und eines Roeland
Savery, auch eines Ambrosius Bosschaert
und Jan Brueghel.*) Hie und da gemahnt er
an Cornelis de Heem. Jedenfalls steht er
diesen älteren, strengeren Stillebenmalern
in seinem Stile näher, als einem Van Huy-
sum, der ihm in seiner Lebenszeit mehr
entsprechen würde. Kaspar Hirschely ist

*) Von den Genannten ist R. Savery zumeist nur
als Tiermaler bekannt. Verhältnismäßig selten sind
Blumensträuße. Signierte und datierte Bilder dieser
Art befinden sich z. B. in der fürstlich Liechtenstein-
sehen Galerie zu Wien (Bild von 1612), in der könig-
lichen Galerie zu Kopenhagen (Bild von 1620), in der
Schweriner Galerie (Bild von 1627) und in den Kaiser-
zimmern des Stiftes Klosterneuburg (signiertes Bild
mit schwer leserlicher Datierung). Hehrere Blumen-
bilder von R Savery sind in der Hoetschen Katalog-
sammlung erwähnt.

(nach dem Künstlerlexikon für Böhmen von
Dlabacz 1815) um 1701 in Prag geboren
und ebendort 1745 gestorben. Er war ein
Schüler Angermeyers, über dessen kleinliche,
peinliche Art er aber merklich hinausge-
wachsen ist. Wie schon angedeutet, hat er
sich bei älteren Niederländern Rats geholt.
Werke von seiner Hand sind mir bekannt ge-
worden im Rudolfinum zu Prag (sieben Still-
leben, von denen drei ausgesprochene Blumen-
stücke sind. Mehrere sind monogrammiert.
Eines trägt die Jahreszahl 1733), im Ferdinan-
deum zu Innsbruck (ein richtig benanntes
kleines .Blumenbild), in den Prager Privat-
Sammlungen J. V. Novak und Richard Jahn
(Blumenstücke und Stilleben), in Wien bei
Herrn Sektionschef von Braunhof, beziehungs-
weise bei seinen Erben und bei Herrn und
Frau Oberrechnungsrat Windt.*) Die zwei
Blumenstücke von Hirschely in der Samm-
lung Windt sind zwei feine, besonders gute
Arbeiten, und, dank dem freundlichen Ent-
gegenkommen der Besitzer, kann ich eines
der Täfelchen (auf S. 154) abbilden. Die zwei er-
wähnten Bildchen sind Gegenstücke (Linden-
holz, H. 29-5, Br. 21-5 cm). Jedes trägt das
Monogramm des Künstlers, das aus J, C und
H gebildet ist. Das J ist nicht sicher. Was
als J gedeutet werden könnte, mag der etwas
gekrümmte Anstrich zum H sein. Beide Bil-
der sind mit 1741 datiert, einmal in dunkler
Schrift mit Kürzungsstrich 741, das andere
Mal in heller Schrift mit voller Zahl 1741.

ZUR GESCHICHTE DER SAMM-
LUNG ALEXANDER SCHARF.

In der Rubrik Todesfälle wurde vor
kurzem mitgeteilt, daß Alexander Scharf ver-
schieden ist. Dieser Todesfall berührt die
Blätter für Gemäldekunde insoferne, als Ale-
xander Scharf vor Jahrzehnten eine Gemälde-
sammlung besaß, die in der Kunstgeschichte
bleibende Spuren hinterlassen hat. Die Samm-
lung als Ganzes ist mir unbekannt geblieben,
doch kenne ich einige wertvolle Bilder, die
aus ihr herkommen und die in großen Gale-
rien Platz gefunden haben. Auch sah ich
1873 die drei vorzüglichen Bilder, die im Öster-
reichischen Museum für Kunst und Industrie

*) In älteren Sammlungen werden Werke von
Hirschely hie und da erwähnt. Dlabacz nennt in die-
ser Beziehung (in Prag) die Altmannsche und Benno
Putzlacherische Sammlung (1795). Viele Blumenstücke
von Hirschely finden sich 1863 im Katalog der Prager
Galerie Chlumetzky verzeichnet. Hoet-Terwesten III,
S. 11 kennt den Namen.
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