Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 111
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Nr. 6.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

in

als sie von Iutta, der Wirtstochter, am Fuß
gekitzelt wurde. Seyssolfin, die dicke Wirtin,
hatte Lau eingeladen, ihr Haus zu besuchen,
und das heitere Kind Iutta leiht der Fee ihre
Kleider und bringt sie beim Ankleiden zum
Lachen.

Die Figuren rechts oben auf dem Blatte
der Sammlung Figdor sind drei Studien zur
Lau, die angekleidet wird. Dabei sieht man
auch Iuttas Kopf.

Das zweite Mal lachte Lau, als sie ein
Kindlein sah mit einem Apfel in der Hand
und auf einem runden Stühlchen sitzend „von
guter Ulmer Hafnerarbeit“. Als sie merkte,
was das soll, lachte sie zum zweiten Male.
Diese Szene, von Mörike humorvoll geschildert,
ist es, auf die sich die Figuren links, unten
und rechts auf dem Blatt der Sammlung
Figdor beziehen. Die zweimal wiederholte
stehende Figur, die sich vorneigt, ist Lau. Die
Kinderfigur erklärt sich selbst.

Verglichen mit der fertigen Komposition
erweisen sich die vorliegenden Figuren als
Skizzen, als vermutlich erste Entwürfe, an
denen noch manches geändert wurde. Die
Figur der Lau, die bekleidet wird, hat schließe
lieh viel mehr Kraft in den Linien erhalten,
als in den ersten Ansätzen. Noch hatte der
Künstler nicht die Stellung gefunden, die er
dieser Figur in der ganzen Komposition zu
geben hätte. Die Nachbildungen geben
Schwinds Zeichnung in der Größe des
Originalblattes wieder. Doch sind die Figuren,
wie schon angedeutet, auf drei Klischees ver-
teilt. A reicht von rechts oben bis über die
Mitte des Blattes nach links. B nimmt in
mittlerer Blatthöhe etwa die linke Hälfte der
Fläche ein. C füllt die rechte untere Hälfte.
Die Klischees sind von der „Graphischen
Union“ angefertigt.

EINE REIHE VON JAHRESZEITEN-
BILDERN DES

LUKAS VAN VALCKENBORCH.

Im herzoglichen Residenzschloß zu Al-
tenburg in Sachsen fand ich zwei große
Breitbilder mit Marktszenen, die beide mit
dem Monogramm des Lukas van Valcken-
borch und der Jahreszahl 1595 darüber ver-
„1595

sehen sind: L Beide Bilder, gleich groß,

V V“.

(Br. 1-95, H. 1-25), zeigen nur wenige Figuren
im Vordergründe und diese sind etwa in hal-
ber Lebensgröße gehalten.

Auf einem der Bilder ist eine Blumen-
verkäuferin dargestellt. Links in der Ferne
sind die Schelde und die Stadt Antwerpen zu
sehen. Rechts in dunkler Schrift die angegebene
Datierung und darunter das Monogramm.

Das andere Bild führt uns einen Fisch-
markt im Winter vor. Es schneit. Links Da-
tierung und Handzeichen. Derbe Malerei auf
nicht allzu feiner Leinwand, wie beim ersten
Bilde.

Die erwähnten Stücke gehören ohne
Zweifel zu einer Reihe von Jahreszeiten-
bildern, und wir dürfen die zwei Darstel-
lungen im Altenburger Residenzschloß für
Allegorien des Frühlings und des Winters an-
sehen. Zu finden bleiben noch der Sommer
und der Herbst. Den Sommer vermute ich in
einer französischen Sammlung, der ich aus
mehreren Gründen jetzt nicht beikommen
kann; den Herbst fand ich in der Sammlung
Twietmeyer zu Leipzig, wo er als Werk
des Joachim Benkelaer geführt wurde. Auf
diesem dritten nachweisbaren Stück der
Reihe ist ein Markt von Obst und Gemüse
dargestellt. Im Vordergrund drei Personen
in etwa halber Lebensgröße. Der Rahmen ist
ein wenig kleiner als bei den Bildern in
Altenburg, doch sieht man deutlich, daß er
breite Stucke vom Bilde verdeckt. So über-
schneidet der Rahmen z. B. unten einen gelben
Strohhut, der auf dem Boden liegt nahezu in
der Mitte. Nach der Kompositionsweise der
alten Maler um 1600 muß man notwendiger-
weise nach unten hin noch ein Stück Bild
voraussetzen. Damit kommt man von den
etwas kleineren Abmessungen des Leipziger
Bildes (Lwd. 1-84 X 1*19) an die Maße der
Altenburger Stücke heran. Die Malweise aller
drei Leinwänden stimmt so vollkommen
überein, daß an ihrer Zusammengehörigkeit
nicht gezweifelt werden kann.

LOUIS BOILLYS „ON NOUS VOIT“.

In der großen Monographie von
H. Harrisse über Louis Boilly wird ein Stich
von Petit beschrieben, der nach einem Ge-
mälde Boillys gefertigt ist und das den Titel
hat „On nous voit“*). Das Gemälde selbst war
dem Biographen Boillys nicht bekannt. Es
hat sich vor einigen Jahren wiedergefunden,
leider in etwas verdorbenem Zustande, nämlich
seitlich stark beschnitten und mit einer Fehl-
stelle links gegen oben. Das Bild hatte ur-
sprünglich, so wurde es im Stich wiederge-

*) Henry Harrisse „Louis Boilly“ S. 121, Nr. 420.
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