Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 177
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177

Nr. io.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Schmuzer mit dem Kaiser Franz I. steht:
„Nach dem Lehen gezeichnet von Lio-
dart 1762", überdies liest man: „und
auf allerhöchsten Befehl in Kupfer ge-
graben von Jakob Schmuzer 1769“. So
nach einem Zustand, der in der Albern
tina vorhanden ist.*) Danach scheint
es, daß Liotard 1762 in Wien gewesen.
Darauf deutet auch, wenngleich nicht
ganz genau eine Stelle der kleinen Lebens-
geschichte des Liotard in Fantis Katalog
der fürstlich Liechtensteinschen Galerie
(1767). Fanti läßt Liotard 1764 in Wien
auftreten. Da dieser Gewährsmann
augenscheinlich mit Liotard persönlich
bekannt war, er erzählt doch auch ein
Geschichten von Liotards Besuch in der
fürstlichen Galerie**), darf die Angabe
nicht ohne weiteres als belanglos bei-
seite geschoben werden. Nur scheint es,
daß durch Druckfehler oder sonstigen
Irrtum 1764 statt 1762 genannt wird.
Auf 1762 deutet endlich eine Briefstelle
(Tilanus, S. 31) aus dem Jahre 1778,
in der Liotard davon spricht, er habe
vor 16 Jahren die kaiserliche Familie
gemalt.

Fanti ist auch über den Aufenthalt
Liotards in der Türkei verhältnismäßig
gut unterrichtet. Man erfährt aus dieser
Quelle, daß sich in Konstantinopel schon
1738 Beziehungen zwischen dem Maler
und der österreichischen Botschaft her'
ausbildeten, die offenbar Anlaß zum
ersten Besuch Liotards in Wien gegeben
haben. Der Wiener Maler Schunko habe
bei Liotard sich im Pastell ausgebildet.
In Wien wurde Liotard später durch
Kobler sehr getreu nachgeahmt.***) Von
diesen abgeleiteten Kräften mögen viele
Pastelle herstammen, die in der Weise

*) Dies zur Ergänzung meiner Angaben
in der Geschichte der Wiener Gemäldesamm-
lungen, I, S. 23 f., 209, 247, 444.

**) Liotard war dabei anmaßend und
hielt nichts von den alten Meistern.

***) Die ganze Biographie wird im zweiten
Bande dieser Blätter vollständig mitgeteilt.

Liotards gehalten, für ihn aber zu schwach,
nicht selten in österreichischen Samm-
lungen angetroffen werden.

FRANCESCO GUARDI.

(Von Armin Friedmann.)

Bei Methuen in London ist ein
Folioband über Francesco Guardi,
den Maler von venezianischen Veduten,
herausgekommen. Der Verfasser George
A. Simonson legt die Ergebnisse
seiner Forschungen und Nachfragen
darin ohne besondere stilistische Vor-
kehrungen einfach und ehrlich nieder.
Das kritische Werturteil ist nicht die
starke Seite dieser Schrift. Ein Mann,
der weder Schriftsteller, noch Gelehrter,
ja nicht einmal Feuilletonist ist, sagt
schmucklos, was ihm zu erfahren mög-
lich war. Die gesicherte Kenntnis von
Francesco Guardis Lebensläuflein wird
dadurch bereichert, erweitert, das bio-
graphische Material hübsch in Ordnung
gebracht. Das ist schon etwas und nicht
zu unterschätzen.

Francesco Guardi ist in Venedig
geboren. Er wurde am 5. Oktober 1712
in Santa Maria Formosa getauft. Die
Familie des Guardi stammt aus Val di
Sole im Tridentinischen. Der Vater
war Maler und heiratete in Wien eine
sichere Claudia Pichler. Dann ging er
nach Venedig zurück. Die Tochter des
Paares, die bedeutend älter war als der
Sohn, heiratete 1719 den Giovanni Bat-
tista Tiepolo. Francesco Guardi war
jedoch nie Tiepolos Schüler, sondern
Schüler des Antonio Canale. Ein Guardi
im Museum in Treviso geht, wie zwang-
los nachgewiesen wird, auf eine Radie-
rung des Canale zurück. Daß viele
Guardi lange als Canale gingen und
umgekehrt, daß heute manche Canale
lieber dem Guardi zugeschrieben sein
möchten, ist den Lesern dieser Blätter
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