Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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48

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 3-

An die erwähnte Schülerschaft des Vit'
tore anknüpfend verweise ich auf eine In-
schrift, die auf einer Zeichnung von der Hand
des Vittore Belliniano im Musee Conde zu
Chantilly vorkommt. Ich fand dieses Blatt im
vorigen Jahre ohne Nummer ausgestellt, als
Gegenstück zu einer Zeichnung des Giovanni
Bellini, die in innerem Zusammenhang mit
Vittores Zeichnung steht. Beide sind 1505 ent-
standen, und es scheint, daß sie beide dazu
hergestellt wurden, dem Schüler als Erinne-
rung an den Meister, oder umgekehrt zu
dienen. Die eine Zeichnung ist ein Bildnis des
alten Bellini von Vittores Hand, die andere
ein Porträt des jungen Vittore, von Bellini
gezeichnet. Die Inschriften auf diesen kleinen
weiß gehöhten Blättern sind folgende: „Jo
bellinum uictor discipulus | p. 1505“ (in der
Minuskel der italienischen Frührenaissance),
vor dem p ein Strich, der weder deutlich noch
sicher deutbar ist (depinxi könnte man
meinen). So steht es unten auf dem Profil-
Porträt des Meisters Bellini. Die Schrift, die sich
oben befindet, hat sehr gelitten und ist wohl
kaum mehr zu entziffern. Auf dem Gegen-
stück mit Vittores Profil steht: „victorem dis
cipulum Jo bellinus. p. 1505.“ — Ganz oben-
hin ist die Zeichnung des Vittore erwähnt im
Archivio storico dell’ arte (II, 448), doch ohne
bestimmte Verbindung mit unserem Vittore
Belliniano, das ist mit Vittore di Matteo, der
als bedeutender Schüler des Bellini urkund-
lich beglaubigt ist. Das große Bild der Wiener
Akademie ist von Giovanni Bellini begonnen
(1514 bestellt, 1516 unvollendet hinterlassen)
und 1526 durch Vittore di Matteo vollendet,
der sich in der Inschrift VICTOR BELLINI-
AN VS nennt. Diesen ganz bestimmt von an-
deren Vittores aus jener Zeit abhebbaren
Vittore di Matteo, genannt Vittore Belliniano
wird man wohl jetzt nicht mehr mit Vittore
Camelio verwechseln, wie es noch vor wenigen
Jahren geschehen ist. Das große Altarblatt in
der Kirche zu Spinea bei Mestre ist datiert
und signiert „MDXXIIII“ und „VICTOR BE-
L I F". Bei Vasari heißt der Künstler Vittore
Bellini. Crowe und Cavalcaselle und Milanesi
vermuteten in ihm schon lange den Vittore
di Matteo. *)

MALER DONATH.**)

Gabriel Ambrosius Donath war ein über-
fruchtbarer, nicht gerade bedeutender Maler,

*) Vergl. Crowe und Cavalcaselle: „Geschichte
der italienischen Milerei (deutsch von Jordan) V.
298—301. Milanesis Vasariausgabe III, 649, Gazette des
beaux arts 1902. II, S. 143,

**) Hit Benützung einer eigene n Arbeit, die in
der fünften Beilage zum „Dresdner Anzeiger" vom
14. Mai 1897 erschienen ist.

der 1684 zu Grunau in der Oberlausitz ge-
boren und in Dresden 1760 gestorben ist. An
der Prager Universität hat er Philosophie und
Jura studiert; als Künstler war er zumeist in
Dresden tätig. In die große Kunstgeschichte
ist G. A. Donath noch nicht aufgenommen.
Er blieb bisher eine Lokalberühmtheit Dres-
dens, wo sich allerlei Nachrichten über den
äußerlich auffallenden, durch langen Bart und
sonderbare Tracht bemerkenswerten Künstler
erhalten haben.

Vor einiger Zeit hat Gustav Otto Müller
in den Spalten des „Dresdner Anzeigers" den
wunderlichen Kauz Donath eingehend be-
handelt. (Vgl, Nr. 144 vom 24. Mai 1885. Seit-
her wieder abgedruckt in Müllers Buch „Ver-
gessene und halbvergessene Dresdner Künstler“

G. A. Donath: Bild in der Sammlung Stummer zu Wien.

1895). Die Gemälde unseres Künstlers, ehedem
nach hunderten zählend, sind heute gerade-
wegs zu Seltenheiten geworden. Dies recht-
fertigt es wohl, wenn ich auf zwei seiner
Bildchen aufmerksam mache, die, in Privat-
besitz versteckt, bisher so gut wie unbekannt
geblieben sind. Das eine, mit Donaths Unter-
schrift versehene, ist Eigentum der Frau
Baronin Sophie Schloißnigg in Wien, das
andere, monogrammierte, bildet einen Be-
standteil der Galerie Winter-Stummer eben-
dort und hat bis vor kurzem als ein Werk
von einem der beiden Steenwyck gegolten. Der
neue Katalog weist es mit Recht einem deut-
schen Maler zu, läßt aber das geometrische
Monogramm ungedeutet. Erst durch Müllers
Buch wurde ich auf das sonderbare Mono-
gramm aufmerksam (es ist ein Dreieck mit
einem griechischen n darin, das wie ein ein-
geschriebenes Viereck aussieht) und auf man-
ches andere, wodurch ich zur Überzeugung
gelangte, daß bei diesem Bildchen nur an
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