Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 3.

Galeriewerk auf Tafel 64 abgebildet, in Riegels
Beiträgen zur niederländischen Kunstgeschichte
(II, S. 322) besprochen und in den Katalogen
der Galerien zu Salzdahlum und Braunschweig
angeführt und beschrieben. Es gehört zu den
seltenen biblischen Darstellungen des Philipps
Wouwerman.

Gillis Remeeus: Der Lautenspieler aus der Sammlung Benedek in Graz.

EIN SIGNIERTES BILD VON GILLIS
REMEEUS.

Vor kurzem hatte die „Chronique des
arts et de la curiosite“ die Freundlichkeit, auf
einige meiner Bemerkungen aus der Louvre-
galerie aufmerksam zu machen (in Nr. 15 vom
9. April 1904, S. 122f.). Unter anderem wurde

auch erwähnt, daß ich das Bild Nr. 2132, dar-
stellend eine Lautenspielerin (als „ecole de
Rubens“ im Louvre katalogisiert) für eine
Arbeit des Remeeus halte. *) Wie sonst diktiere
ich auch in diesem Falle nicht eine Diagnose,
sondern sie wird den geschulten Bilderfreunden
zur Beachtung und Prüfung vorgelegt. Um
meine Meinung zu begründen und das Studium
der Angelegenheit anderen zu
erleichtern, bilde ich anbei das
Gemälde des Remeeus ab, das
für die Vergleichung jedenfalls
das wichtigste ist. Denn es
kann eine unzweifelhaft echte
Signatur aufweisen und ist in
der Darstellung dem fraglichen
Bilde im Louvre sehr ver-
wandt. Es stellt, wie man sieht,
einen Lautenspieler dar, den
man geradewegs für ein Gegen-
stück des Louvrebildes nehmen
könnte, wenn nicht die Ab-
messungen andere wären
(Lautenspielerin im Louvre
79X67, Lautenspieler 84 X 62).
Das sichere Werk, das, wie
ich zu erwähnen habe, um die
Wende von 1893 auf 1894 von
Baronin Julie von Benedek in
Graz erworben wurde und nach
deren Tode mit der ganzen
Benedekschen Sammlung in
die Landesgalerie gelangt ist,
trägt auf der Laute oben die
Schrift G. REMEEVS.F. (braun,
rechts hell gehöht). Es ist in
ziemlich breiter Technik sicher
aufgesetzt und wurde vor dem
Ankauf für einen Rubens aus-
gegeben. Ich widersprach dieser
Benennung mit Hartnäckigkeit,
obwohl mir geradezu die Pistole
an die Brust gesetzt wurde,
später hatte ich die Genugtuung,
daß sich beim Reinigen des
Bildes nicht etwa die Unter-
schrift des Rubens, sondern
die oben erwähnte des Remeeus
zeigte. Diesen Meister konnte
ich nicht erkennen, denn es
war das erste Stück von seiner
Hand, das überhaupt zutage ge-
kommen war. Nun entstand die Frage nach dem
Meister G. Remeeus, der von Ed. v.Engerth für
Caspar Rem genommen wurde. Auch dagegen
mußte ich auftreten und in einem Artikel der

*) Durch ein Mißverständnis stand in der „Mon-
tagsrevue“ vom 1. Februar als Vorname dieses Re-
meeus David statt Gillis. Ich stelle dieses hiermit
richtig.
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