Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 62
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Nr. 4-

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

auf diesem Gebiet noch nicht bis zu über-
zeugender Spruchreife gelangt.'1')

Ein großes stilkritisch nicht unwichtiges
Bild von Denis van Alsloot befindet sich im
Besitze Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzher-
zogs Friedrich in Wien. Ein großes Fisch-
stechen (wohl am Brüsseler Hofe) ist, wie es
scheint, dargestellt. UngezählteFiguren beleben
diese große Landschaft, die gegen links unten
in dunklen Zügen signiert und datiert ist, wie
folgt: „DEONIS . X ALSLOOT F. 1616"

(Breite 2'38, Höhe i'53 m). Die Brüsseler Ga-
lerie**) besitzt interessante kleinere und einige
große Bilder desselben Meisters, dem ich auch
mit Bestimmtheit den sogenannten Seb. Vrancx
der alten Wiener Sammlung Cubasch zu-
schreibe (vor wenigen Jahren in Wien ver-
steigert. 62. Auktion der Firma Cubasch. Ka-
talog Nummer 20, Darstellung eines Gefechtes).
Ohne Zweifel gehören in dieselbe Richtung
die Bilder in den Wandfüllungen des Audienz-
saales im Rosenborgslot zu Kopenhagen.

AUS DER SAMMLUNG MALL-
MANN ZU BLASCHKOW.

(Ein Werk von A. v. Cuylenborch und
Nachträge zum Teniers.)

Mit vergleichenden Studien über die
Maler der arkadischen Richtung in Utrecht
beschäftigt, wurde ich durch ein signiertes
Werk des Abraham van Cuylenborch
gefesselt, das auf der Versteigerung der „Ve-
nezia“ im April 1900 zu Wien auftauchte.
Der Katalog hatte einen Cornelis Poelen-
burg daraus gemacht, der „fälschlich mit dem
Signum seines Schülers Guylenburg versehen“
worden sei. Tatsächlich aber war es ein echt

*) Anfänge finden sich in meiner „Methodik und
Psychologie des Gemäldebestimmens“, S. 40 f. Dort
auch die wesentliche Literatur über Denis v. Alsloot.
In jüngster Zeit kam er vor in Mireur: Dictionnaire
des ventes, auch wurde der Künstler behandelt in
Alfred v. Wurzbachs „Niederländischem Künstler-
lexikon". Vergl. überdies Gazette des beaux arts 1899,
II, S. 168 f. (Hymans).

**) Das grolle Bild (von 1620) zeigt sehr hohen
Horizont. Die Färbung ist grünlich bis in die weite
Ferne. Links vorne ein groiier Baum. Auf der In-
schrift nennt Alsloot sich erzherzoglichen Maler.
„DENIS V ALSLOOT S. S. ARCHIDVCVM P. 1620“. Die
Darstellung betrifft den Schlollpark von Mariemont
und eine Auffahrt des Statthalters Albert und seiner
Gemahlin Isabella. Die zwei kleineren Landschaften
von 1611 (?) und 1612 stellen Sommer (oder Frühling)
und Winter dar. Gute Schneestimmung einerseits,
grüne Eichen (nach meiner Erinnerung) anderseits.
Figuren sicher von H. de Clerck, obwohl keine Sig-
natur an dem gerahmten Bilde zu finden ist. Vielleicht
steckt sie im Falz.

signierter Abraham van Cuylenborch. Auf
dem Steine unter der Figur rechts in der
großen Gruppe stand, wenn auch etwas ver-
putzt, der Name in halbkursiven Zügen und
darunter: f 164. (fecit 1645 oder 1646. Die
letzte Ziffer war nicht ganz klar). Diese An-
gaben und einige weitere beschreibende No-
tizen wurden festgehalten. Das Bild sitzt auf
Eichenholz und mißt 75 X 51 cm- Bei der Ver-
steigerung erwarb Gaston Ritter von Mall-
mann das, in den Figuren gut erhaltene
Stück. Der neue Besitzer hatte die Freund-
lichkeit, mir eine Photographie nach dem
Bilde zur Verfügung zu stellen, und ich danke
ihm dadurch die Möglichkeit, das Gemälde
hier abzubilden. Die Darstellung scheint sich
auf einen beliebten Stoff aus der klassischen
Mythologie zu beziehen; Diana mit ihren
Nymphen, von Aktäon überrascht. Man sieht
links im Mittelgründe den dreisten Jäger die
Flucht ergreifen. Cuylenborch selbst (auf den
ich diesmal nicht näher eingehe) hat den-
selben Stoff wiederholt, mannigfach verän-
dert, auf die Fläche gebracht. Ein signiertes
Werk dieser Art aus dem Jahre 1647 befindet
sich in Schleißheim. Ein weiteres, davon ver-
schiedenes, aber demselben Jahre zugehöriges
Bild mit Aktaeon aus der gräflich Thunschen
Sammlung ist mir vor zwölf Jahren beim
Restaurator kais. Rat Gerisch in Wien be-
kannt geworden. Der Mythus gab dem Künstler
willkommene Gelegenheit, sich als geschickten
Figurenmaler besonders im Fach des weib-
lichen Aktes zu zeigen. Diana mit ihren Be-
gleiterinnen, sich des Bades erfreuend, war
geradewegs der Lieblingsgegenstand des be-
gabten Künstlers, für dessen Bilder man mitt-
lere, ja gute Preise zahlte, und der jedenfalls
seiner Qualitäten wegen schon beizeiten ko-
piert wurde*). Cuylenborchs Nymphenbilder
werden in vielen bedeutenden Sammlungen
angetroffen. Ein Bad der Diana aus dem
Jahre 1646 ist z. B. in der Galerie Borghese
zu sehen; im Haag, in Köln, Pommersfelden,
Innsbruck, Braunschweig, Gotha weitere Bil-
der von ihm, um nur einiges anzudeuten.
Eine Reihe seiner Arbeiten zeigt bräunliche,
weiträumige Grotten, in denen verschieden-
artige antike Reste verteilt sind und mannig-
fache Figuren Vorkommen, nicht selten auch
Windhunde. Nr. 302 (als Breenbergh kata-
logisiert) in der Liechtensteingalerie scheint
mir dieser Gruppe anzugehören. Die signierten
Grottenbilder von A. v. Cuylenborch in Braun-
schweig**) und beim Grafen Thun zeigen
dieselbe braune Tonart.

*) Vernl. Oud Holland, X, S. 59 und die Preis-
angaben in den alten Katalogsammlungen.

**) Das Grottenbild der Braunschweiger Galerie
Nr. 193 ist in Pigmentdruck nachgebildet von der
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