Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. i.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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verkaufen. Je wertvoller das entwendete
Bild ist, desto sicherer wird es beim
Anbieten als Bestandteil einer unver-
äußerlichen Galerie erkannt. Von den
wertvollen Bildern, die im Laufe der
jüngsten Jahre in Diebshände gefallen
sind, ist meines Wissens nur ein ein-
ziges wieder zum Vorschein gekommen,
und zwar das der Duchesse of Devon-
shire von Gainsborough. Dieses höchst
bedeutende Bild war im Mai 1876 ge-
stöhlen worden. Erst im April 1901
hat man es, halb gezwungen, halb frei-
willig zurückgestellt.

Die Skizze, die hiermit gegeben
wurde, könnte leicht noch weiter aus-
gestaltet werden, sogar zu einem umfange
reichen nützlichen Nachschlagebuche.
Einstweilen muß ich weitere Ausfüh-
rungen anderen überlassen. Wir aber
gehen nun ans Studium der alten Bil-
der, die sich erhalten haben, und er-
freuen uns daran, daß noch täglich gute
neue Werke entstehen. Auch sollen uns
Fälle beschäftigen, in denen durch vor-
sichtige Pflege und fachgemäße Be-
handlung Bilder vor raschem Unter-
gang gerettet wurden.

WIEDERGEFUNDENE
BILDER AUS BERÜHMTEN
ALTEN SAMMLUNGEN.

1. Ein Teniers aus der Gale-
rie der Comtesse de Verrue.
Charles Blanc, ein Mann von umfassen-
den kunstgeschichtlichen Kenntnissen,
hat sich dadurch den besonderen Dank
der Bilderfreunde erworben, daß er in
seinem „Tresor de la curiosite“ meh-
rere Verzeichnisse zum Abdruck ge-
bracht hat, die sonst auch dem emsigen
Forscher schwer oder gar nicht zugäng-
lich sein würden. So druckte er zuerst
das Verzeichnis der Bilder ab, die einst

bei Comtesse de Verrue in Paris ge-
wesen waren und die im Jahre 1737
versteigert worden sind, ein Verzeichnis,
das uns diesmal wesentliche Dienste
erweisen wird. Comtesse de Verrue,
die ehemalige Geliebte des Herzogs
Viktor Amadeus von Savoyen, die
„Dame de volupte“, wie sie sich selbst
nannte, starb am 18. November 1736.
Mehrere Monate danach kam ihre Bilder-
sammlung unter den Hammer. Nach
dem Verzeichnis und den erzielten Prei-
sen zu schließen, muß diese Galerie sehr
wertvoll gewesen sein. Ganz illustre
Namen fallen unter den Käufern auf.
Einige Bilder der Sammlung Verrue
hängen jetzt im Louvre und in der Lon-
doner Nationalgalerie. Daß man durch-
aus nicht von allen Bestandteilen der
Galerie Verrue angeben kann, wohin
sie ihre Wege genommen haben, braucht
nur angedeutet zu werden, um erkennen
zu lassen, daß der folgende Nachweis
einen, wenn auch noch so kleinen Bei-
trag zur Geschichte dieser Galerie bildet.

Vor mehreren Jahren kaufte Herr
Gutsbesitzer Gaston Ritter von Mall-
mann ein kleines, prächtiges, echtes
Stück von David Teniers dem Jün-
geren. Ein Bauer im Garten ist dar-
gestellt, wie er eben eine Nelke zur
Nase führt. Es ist überklar, daß es sich
um den Geruch handelt, und nicht un-
wahrscheinlich, daß eine Allegorie des
Geruchssinnes gemeint ist. Bald fand
Mallmann auch den alten Stich, der die
Herkunft und Deutung des Bildchens
klar machte. Auf dem Stiche steht ver-
merkt: „Teniers pinx(it)“ und „A. Ga-
brieli sculp(sit), ferner als Titel: „L’o-
dorat“ und darunter als Herkunftsangabe
und Hinweis auf die Größe des Urbildes
noch Folgendes: „Tire du Cabinet de
Madame la Comtesse de Verrue — et
grave de la grandeur de l’Original."
Diese Größe des Stiches und zugleich
des Vorbildes beträgt 16 X I0'4- was
der Größe des Bildchens bei Mallmann
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