Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 35
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bl_gemaeldekunde1904_1905/0065
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Nr. 2.

35

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

ein etwas größerer G. Courbet 525 Franken.
Gericault, kleiner „Guillotine“ 1200 Franken
(Brüsseler Museum). Zwei Goya um 2100
und 2000 Franken. E. Jsabeys Bildnis der
der George Sand 3000 Franken. Laermans
Le Sentier 1500 Franken. Smits „La lettre
ä Metella 760 Franken (Brüsseler Museum).
Theo von Rysselberghe „Mandoliniste“
430 Franken. Verwees großes Bild „Betail en
prairie au bord de l’Escaut“ brachte es auf
8000 Franken.

Th. C. und J. d. A.

RUNDSCHAU.

Berlin. In der weitbekannten KunsL
Sammlung des Geheimen Rates Professors
von Kaufmann hat ein, wenngleich kurz
dauernder Brand manchen Schaden ange-
richtet, auch an Bildern, und ich nehme An-
laß, diesen Fall sogleich als neues Beispiel
denen beizufügen, die im ersten Heft im Ar-
tikel „Bilderschicksale“ erwähnt worden sind.

Gyulafehervär. Ein kleines, dem Stil
nach oberdeutsch anmutendes, vermutlich
aber in Ungarn entstandenes Altarwerk aus
dem Besitze S. E. des Bischofs von Sieben-
bürgen Grafen Majläth ist dem neu zu grün-
denden Diözesanmuseum zu Gyula-
fehervär in Ungarn zugewiesen worden.
Das Mittelbild bringt ein Selbdritt zur Dar-
stellung, verbunden mit Gottvater und der
Taube. Auf den Flügeln mehrere einzelne
Heiligenfiguren, jede für sich in einem Felde.
Dem Stile nach gehört das Werk ins
16. Jahrhundert, wohl noch in die erste
Hälfte, wenn nicht etwa durch ein Nach-
schleppen älterer Überlieferungen bei einem
später entstandenen Werke ein altertümlicher
Eindruck hervorgerufen wird. Das erwähnte
Altarwerk stammt aus Siebenbürgen und
verrät einen gewissen allgemeinen kunst-
geschichtlichen Zusammenhang mit dem
Kaschauer Altar im Budapester National-
museum, ohne ihm in der Qualität gleich zu
kommen. Gegenwärtig wird das zum Teil
zerfallene und unscheinbar gewordene Werk
in Wien einigermaßen gesäubert und in einen
museumsfähigen Zustand gebracht.

Köln. Die Galerie im Museum Wallraf-
Richartz ist durch A. Böcklins: „Burg am
Meere, von Piraten erobert“ bereichert worden
(freundliche Mitteilung Dr. Poppelreuters).

Leiden. Das städtische Museum hat von
Kleinberger einen Jan van Goyen angekauft,
auf dem eine Ansicht der Stadt Leiden zu
sehen ist. Das Bild trägt van Goyens Mono-
gramm und die Jahreszahl 1650 (Bulletin,

uitgegeven door den nederlandschen oudheid-
kundigen, Bond V, S. 51).

London. Über die Ausstellung der „Old
masters“ im Burlingtonhouse äußern sich
A. Bredius in „De nederlandsche Spectator“
(1904, Nr. 13) und Louise M. Richter in der
Beilage zur „Münchener Allgemeinen Zeitung“
(1:04, Nr. 67). Sir Thomas Lawrence herrscht
diesmal vor, man meint sogar mehr, als es
erwünscht war. Daneben gibt es aber, nach
den Berichten zu schließen, doch auch viele
sehr willkommene ältere Meister. Ein Tondo
von Filippino Lippi (aus dem Besitze
M. H. P. Warrens) wird allgemein geschätzt.
Andere berühmte Namen, die in der Aus-
stellung vorkamen, sind noch Piero di Co-
simo, Bazzi, Canaletto. Den Hobbema der
Sammlung Sanderson, ein Bild, das ehedem
bei Demidoff gewesen, hält Bredius für eine
Arbeit des Amsterdamers Jan van Kessel.

Wien. Die noch junge Sammlung Emil
Weinberger ist vor kurzem durch ein Bild
bereichert worden, das 1902 aus Colnaghis
Besitz in die Leihausstellung nach Brügge ge-
kommen war und dort die Aufmerksamkeit
der Kunstgelehrten auf sich gezogen hat. Es
ist die Halbfigur eines Sanct Lukas (Nr 187
des Brügger Kataloges) von porträtartigem
Charakter. De Loo (Hulin) vermutet in diesem
Bilde das Selbstporträt des AdriaenYsenbrandt.
Ohne mich in Vermutungen einzulassen, weise
ich das Bild in die Gruppe des sogenannten
Pseudo-Mostaer t, den man, wie ich meine,
mit Recht in die Gefolgschaft des Gerard David
einreiht. Max J. Friedländer in seiner ein-
gehenden Besprechung der Brügger Ausstellung
im „Repertorium für Kunstwissenschaft“,
1902 (Sonderabdruck, S. 25) nennt das Bild
„eine tüchtige Arbeit des Meisters". Man kann
diese ästhetische Schätzung beibehalten, wenn
man das Bild nicht gerade mit einem Gerard
David vergleicht.

Der Wiener Gemäldebesitz ist im Laufe
der Wintersaison um einige beachtenswerte
niederländische Bilder vermehrt worden, die
Baron Hans von Eichhoff aus Mähren
hierher gezogen hat.

AUS DER LITERATUR.

G. K. Nagler: Neues allgemeines Künstler-
lexikon. (Unveränderter Abdruck der ersten
Auflage.) Linz a. D„ E. Mareis 1904. Lieferung 1
und 2.

Versendet wurde jüngst der Prospekt

eines neuen „niederländischen Künstlerlexikons“
d. i. eines Lexikons niederländischer Künstler
von Dr. Alfred v. Wurzbach. Wien, Halm
loading ...