Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 92
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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 5.

Punkte, der eine weite Fern- und Rundsicht ge-
stattet. In einem tiefen Mittelgründe rechts (vom
Beschauer aus) erhebt sich hoch oben eine
Stadt von einer Mauer umgeben, an welcher
graugrünes Buschwerk sich hinaufzieht. Etwas
mehr gegen den Vordergrund gerückt, eine
Ruine, an deren Fuß ein Schäfer, auf den
Stab gestützt, seine Schafe hütet. Dieser Teil
des Bildes ist in rotbraunen Farben gehalten,
welche mit einem Feuerschein im rechten
Hintergründe verschmelzen. Das Rot geht all-
mählich in feine gelbe Töne über, welche den
Horizont in goldiges Licht einhüllen. Links
oben blickt blaugrüner Himmel durch, in den
graues Gewölk hineinstreicht. Von diesem hebt
sich ein knorriger Baum im Mittelgründe und
ein vom Wind geneigtes Bäumchen am linken
Bilderrande Silhouettenhaft ab. „Seine Bäume
hatten Wahrheit, aber ein kleinliches Blätter-
werk“, sagt Goethe treffend. Dem Vordergründe
zu ziehen Flüchtlinge, Kostüm des XVIII. Jahr-
hunderts. Ein Mann auf weißem Pferde, mit
rosarotem Rock, hellblauer Weste, hohen
Stulpenstiefeln, eine gelbe Feldflasche umge-
hängt, weist mit seinem rechten Arm vor-
wärts. Neben ihm ein Mann in drapfarbenem
Rocke mit blauen Aufschlägen, Terra di
Pozzuoliroten Beinkleidern, braunen Stiefeln
und mit hochgeschultertem Gewehre. Ein
hellbraunes Windspiel springt an dem Pferde
empor.

Eine Frau, das Kind in einem weißen
Tuche am Rücken, in blauem Rocke, auf dem
Kopfe ein weißes Häubchen, schreitet barfuß,
auf den Wanderstab gestützt, einher. Neben
ihr ein Mann in braunem Rock, blauer Weste
und roten Beinkleidern. Einige Leute klettern
eben den Hügel herauf. Der erste in rosarotem
Rock und blauer Weste, eine Frau in dunkel-
grüner Jacke und rotem Kleid. Am rechten
unteren Bilderrande Signatur „C. Seekatz pinx.“
hellgelb, gut erhalten, in lateinischer Kursive.
Auf Leinwand. Dichter roter Bolusgrund, Öl-
farbe, Breite 41-5 cm, Höhe 27-3 cm.

DER FRIEDE.

Schäfer in einer Landschaft nach
einem Gewitter. Der Himmel ist gelbgrün mit
graubraunen Wolken, in welchen, fein ver-
schwommen, ein Regenbogen sichtbar wird.
Auf einem Hügel, unter einem Baume, sitzt
eine Schäferin mit dem Stab, in weißem Hemd
und rosa Rock, an ihrer Seite der Schäfer-
hund. Ein Mann in blauer Jacke liegt im Grase,
der Schäfer steht unbeleuchtet, braun, daneben.
Im Vordergründe reitet ein braungekleidetes
Männchen auf einem Ochsen; ein Mann,
Rückenfigur, in brauner Joppe und grünem
Wams, treibt den anderen Ochsen an. Im
Hintergründe ein Bursche mit zwei Ziegen

beim Ziehbrunnen. In der Mitte, am unteren
Rande, Schaf und Ziege. Links eine Mühle mit
rotem Dache und dunkelgrünem Rade, über
welches das Wasser fällt. Ein Baum mit
braunem Blattwerk bildet einen warmen Kon-
trast zu den grünblauen Tönen, in welchen
rückwärts die Stadt gehalten ist. Vom rechten
Bilderrande überschnitten ein rötlicher Strauch.
Signatur „Con. Seekatz“ in hellgelber lateini-
scher Kursive links unten. (Gegenstück zum
Krieg; gleiche Technik und Größe.)

Sophie Jurowicz.

EIN ALTWIENER TASSENKOPF
MIT EINER KOPIE NACH DOME-
NICO PELLEGRINI.

In der reichhaltigen Ausstellung von alt-
wiener Porzellan, die im Frühling Tausende
ins Österreichische Museum für Kunst und

Porzellanmalerei von Herr nach Domenico Pellegrini,
(Sammlung G. Eissler).

Industrie geführt hat, war Nr. 1081 ein be-
merkenswertes Stück. Stilvoll geformt und
vornehm geschmückt, hatte es noch überdies
den Vorzug, daß seine malerische Ausstattung,
darstellend Amor als Sieger über einen Löwen,
mit einer Signatur versehen war und daß
sich nachweisen läßt, nach welchem Original
die Hauptmalerei der Obertasse ausgeführt
worden ist.
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