Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. 4.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE

Bode mit dem Kasseler Bilde zusammen-
gereimt hat, gehört in die hollandisierende
Gruppe der F. de Momperschen Werke.

Eine andere, mehr vlaamische Richtung
wird durch Bilder des F. de Momper ver-
treten, wie sie bei Dahl in Düsseldorf
und beim kaiserlichen Rat Herrn Fabrikanten
J. V. Novak in Prag zu finden sind. Das
große Bild bei Novak (beschrieben in dessen
Galeriekatalog) wird anbei in Netzdruck
wiedergegeben. (Gemalt auf Eichenholz,
116 X 77 cm.) Diese Werke sind nahezu stil-
gleich (um einen Scheiblerschen Ausdruck
zu gebrauchen), so daß die volle Signatur
„f d. momper“ auf dem Bilde in Prag eine
vollkommen befriedigende Auflösung des
Monogramms „f d m“ bietet, das sich auf
dem Bilde in Düsseldorf findet. Die Winter-
landschaft der Sammlung Dahl in Düssel-
dorf*) zeigt einen vereisten Fluß, abendlich
geröteten Himmel und was wohl mit zur
Charakteristik gehört, rötlich getönte Gebäude
im Mittelgründe (rechts). Dieselben warmen
Töne im Schnee und die rosigen an den Ge-
bäuden kehren wieder auf dem Bilde bei
Novak. In dieselbe Gruppe gehört gleichfalls
das Winterbild im Ferdinandeum zu Inns-
bruck (links unten in dunklen Zügen „F. d.
m. F.“ Nr. 732 des neuen Verzeichnisses von
1899**).

In Kopenhagen befindet sich neben
einer voll signierten Ansicht des Campo
Vaccino zu Rom (oben schon erwähnt) auch
eine Winterlandschaft, die sich an die Bilder
in Düsseldorf, Innsbruck und Prag anreiht.
(Im neuen Katalog von Madsen als Nr. 221 a
und 221 b.)

Die Magdeburger Galerie führt als
Werk des Frans de Momper eine kleine
Landschaft mit Fluß oder See, die sich im
Stil den bisher genannten Bildern nähert.

Das Bild im Wiener Versteigerungsamt
war bezeichnet mit ,, f • ü • m

ZUR BESCHREIBUNG EINES
BILDES IN DER BUDAPESTER
GALERIE.

Der Monogrammist c f, oder o f, oder
c f, oder o /, harrt noch einer besonderen
wissenschaftlichen Bearbeitung. Er mag ein

*) Der Gründer, Herr Werner Dahl ist am
7. November 1903 gestorben. Seine Bilder gehören
jetzt der Witwe.

**) Dieses Bild ist erst 1888 mit dem Wieser-
schen Legat in das Ferdinandeum gelangt. W. Schmidt
erwähnte es im Repertorium für Kunstwissenschaft,
XII, S. 46.

Holländer sein, der um 1600 tätig war.’1) Vor
Jahren konnte ich die getrennten Gegenstücke
von der Hand dieses Monogrammisten aus
dem Jahre 1607 in Pommersfelden und Buda-
pest zusammenfinden. (Vergl. Kleine Galerie-
studien I. Reihe, S, 24 und 183 und Verzeichnis
der Gemälde im gräflich Schönborn-Wiesen-
heidschen Besitze). Das Bild der Budapester
Galerie ist durch Braun, Clement & Cie. in
Dörnach vervielfältigt. Pigmentdruck Nr.22654.)
Unerörtert blieb bisher in der Literatur ein
Anhängsel, das auf dem Bilde der Pester
Galerie vorkommt, ein Gegenstand, der wie
eine kleine Sichel aussieht. Ph. v. der Kellen
und nach ihm C. Pulszky dachten an ein Ge-
nossenschaftszeichen. Eine, wie ich meine
bessere Deutung, ergibt sich aus derlei wirk-
lich erhaltenen kleinen Kunstwerken, wie sich
deren mehrere in der Wiener Sammlung
Figdor befinden. Herr Dr. Albert Figdor
hält diese sichelförmigen, in anderen Fällen
vogelkrallenartigen Anhängsel für Nagelreiniger
oder Zahnstocher.

MISSBRAUCHTER MONDSCHEIN.

Die Hochflut der Ansichtskarten steht
vor der Tür. Von den Bergen, aus den Tälern,
vom Meeresstrand, aus den Steppen, ja
manchmal sogar aus den Luftschiffen gehen
im ganzen Millionen von Postkarten mit An-
sichten um die Erde, Das wäre ja ganz gut.
Denn manche morsche Säule, die „kann
stürzen über Nacht“, manches bemerkens-
werte Bauwerk und mancher merkwürdige,
alte Baum, mancher brüchige Fels, der viel-
leicht dem nächsten Orkan zum Opfer fällt,
sind auf derlei Kärtchen im Bilde festgehalten,
ohne daß große Aufnahmen davon vorhanden
wären. Und gerade die Herrmannsche Er-
findung der Korrespondenzkarte hat sich als
Trägerin solcher Ansichten vorzüglich be-
währt. Aber auch viel Ungereimtes wird auf
diesem Gebiet geleistet. Im Sommer vergeht
z. B. kaum eine Woche, daß nicht eine oder
die andere Ansichtskarte mit Mondschein
einträfe. Ich bemerke diese Dinge seit Jahren
mit steigendem Mißvergnügen. Bisher war
nämlich unter den einlaufenden Mondschein-
karten noch nicht eine, die einer Aufnahme

*) Demselben Meister stehen nahe zwei Gegen-
stücke von r6i6 in; der Stuttgarter Galerie, wo sie
einmal die Nummer 350 und 357 geführt haben (jetzt
Nr. 188'und 189), ferner in der Rotterdamer Galerie
ein Bildnis von 1605 (alte Nr. 360, später 402, dann 119)
und ein Porträt in der Wiener Sammlung E. Miller
v. Aichholz.
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