Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 9.

treibend behauptet worden ist, als Vater mo-
derner Freilichtmalerei gelten kann (wo bliebe
Runge, Waldmüller?), so hat er diese Weise
intuitiv doch früher ausgeübt, als das laute
Geheul von einem alleinseligmachenden Pleine-
air die Kunstwelt erfüllte.

Menzels Werke, des besonderen seine ge-
zeichneten Studien nach der Natur, dürften
nahezu jeden fesseln, sie werden die meisten
Herzen erfreuen, noch mehr die Köpfe zum
Denken anregen. Aber die Reihen sind lang,
und heute, noch unter dem ungeschwächten
Eindruck der Trauerbotschaft, ist an ein Auf'
zählen nicht zu denken. Müssen wir uns
doch erst an die Tatsache gewöhnen, daß
Menzel nicht mehr lebt, nicht mehr schaffen
kann.

RUNDSCHAU.

Xu Antwerpen wurde am 17. Dezember
1904 das reichhaltige interessante Museum
Mayer van den Bergh eröffnet. („Onze
Kunst“, Januar 1905, S. 31.)

Brüssel. Henri Hymans berichtet über
eine neue Erwerbung der königlichen Galerie.
Es ist ein Werk von Peeter Aertszen, das
Christus bei Martha und Maria darstellt. („Ga-
zette des beaux arts“, Februarheft.)

Cette. Über das noch junge, kleine Mu-
seum zu Cette berichtet „Le monde illustre“
vom 28. Januar 1905, Jahr 49, Nr. 2496 (Artikel
von A. Boisard: „Nos Musees de France“).
Dieses Museum ist einstweilen hauptsächlich
der Malerei des XIX. Jahrhunderts gewidmet
und steht unter der Leitung des Malers Tous-
saint-Roussy. Dem erwähnten Artikel sind Ab-
bildungen beigegeben nach Gemälden von
Gustave Dore, Robert Mols und Toussaint-
Roussy.

Das Mauritshuis im Haag hat nach dem
Bericht Martins im „Bulletin uitgegeven door
den Nederlandschen Oudheidkundigen Bond“
(VI. Jahr, S. 15) eine Erbschaft von mehreren
Bildern angetreten. Die Gemälde, die als Ver-
mächtnis (des Dr. T. H. Blom Coster) bezeich-
net werden, sind folgende: zwei unbenannte
flandrische Bilder, eines aus dem XVI., eines
aus dem XVII. Jahrhundert, ein Gerrit Berck-
heyde mit Figuren von Huchtenburgh,
von beiden Malern signiert, ein A. Hanne-
man, Jan Miense Molenaer, Govaert
Flinck und ein holländisches Bild aus der
Richtung des Hals.

Zu Haindorf im nördlichen Böhmen
bei Friedland erhält die alte Barockkirche,
die bisher ohne malerischen Wandschmuck
geblieben war, eine hervorragende Zierde durch

Fresken von Professor Andreas Groll aus
Wien. Die neuen Fresken behandeln das
Leben und die Himmelfahrt Mariens und
bringen die Figuren der Evangelisten zur
Darstellung. Die drei Traves des Hauptschiffes
sind vollendet. (D. N.)

Kassel. Die königliche Galerie hat von
Dr. Mond ein Altärchen von Kranach dem
Älteren zum Geschenk erhalten. („Wiener
Abendpost“, Dezember 1904.)

Neuyork. Seemanns „Kunstchronik“,
Nr. 11, teilt mit, Morgan sei nicht zum Direk-
tor, sondern zum Präsidenten der Trustees
am Metropolitanmuseum ernannt worden.

Reichenberg in Böhmen. Die „Mit-
teilungen des Nordböhmischen Gewerbemu-
seums“ (redigiert von Dr. G. E. Pazaurek),
1905, Nr. 1, bringen einen Nachruf des Ehren-
kurators Baron Heinrich Liebig (Liebig
starb am 5. April 1904) und geben davon Nach-
richt, daß Baron Liebig seine reiche Kunst-
sammlung, einschließlich der Gemälde dem
Nordböhmischen Gewerbemuseum ver-
macht hat. Dem Nachruf ist ein Lichtdruck
nach Eduard Charlemonts Liebigbildnis
beigefügt.

Nach Tournai soll die Galerie moderner
Meister gelangen, die Henri van Cutsem in
Brüssel gesammelt hat. Sie enthält vorzüg-
liche französische Bilder, u. a. auch Manets
„Pere Lathuile“. (Hymans im Februarheft
der „Gazette bes beaux arts“.)

Wien. In der zweiten Hälfte des Januars
wurde in den Räumen des Künstlerbundes
Hagen eine Amateurausstellung für wohl-
tätige Zwecke abgehalten. Um die Sache
haben sich die Erzherzoginnen Maria Josefa,
Marie Valerie, Marie Theresia und Isa-
bella, ferner die Gräfin Maria Th. Harrach,
Graf Rex, die Fürstin von Thurn und
Taxis und noch viele andere Persönlichkeiten
aus hohen und höchsten Kreisen in tatkräftiger
Weise angenommen.

— Der Hagenbund eröffnete bald dar-
auf eine reichhaltige und interessante Ausstel-
lung englischer Radierungen.

— Eugen Artin hat seinen Kunstsalon
bedeutend vergrößert und stellt gegenwärtig
eine Reihe von Arbeiten der bekannten Talente
Alois Hänisch und Engelhart aus. Ichhoffe,
in der nächsten Fortsetzung Näheres über diese
Ausstellung mitteilen zu können.

Im Kunstsalon Pisko hat Eugen
Miller von Aichholz zahlreiche Arbeiten
von Rudolf von Alt und A. von Petten-
kofen aus seiner Sammlung ausgestellt.

— Bei Miethke (Paul Bacher) folgte auf
die Beardsleyausstellung eine Schaustellung
von Werken Somoffs.
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