Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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1 cm
facsimile
Nr. 2.

23

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

ist im zweiten Bande der Galerie Le
Brun gestochen (i5‘7 cm hoch und
gegen 15 cm breit) unter Hinweis auf den
Namen Rembrandt, auf den Stecher
und auf die Jahreszahl 1790.*) Die
Maße stimmen zwar nicht bis auf den
Millimeter mit den Messungen des
Bildchens bei Mayer überein, doch
kommen sie so nahe heran, daß die
Unterschiede innerhalb der Fehlergrenze
liegen, die bei solchen Fällen stets zu
berücksichtigen ist. Ich erbat mir eine
Photographie und teilte den Fund eini-
gen Bekannten mit, wonach in den
„Hamburger Nachrichten“ vom 23. Jänner
1896 eine Notiz über unser Bildchen
erschien (von K. Goldmann). Ich selbst
berichtete über die Angelegenheit im
Wiener „Fremdenblatt“ vom 28. Fe-
bruar 1896.

Die Wanderungen des Bildes sind
nur teilweise bekannt. Wie es scheint,
ist es noch in Leyden in Rembrandts
erster Zeit entstanden. Mit dem Künstler
mag es nach Amsterdam gewandert
sein. Ziemlich sicher gehen wir, wenn
wir annehmen, es sei 1739 m einer Amster-
damer Versteigerung vorgekommen.
Eingangs war davon die Rede. Gegen
1790 war es bei Le Brun in Paris. Da-
nach, so teilt Le Bruns Galeriewerk
mit, kam es zu Robert de Saint Victor
nach Rouen. Später findet es sich in
Wien beim Theaterdirektor Dubois,
aus dessen Besitz es zu Franz Xaver
Mayer gelangte. Mayer teilte mir noch
mit Bestimmtheit diese Herkunft mit.

*) Die Inschriften lauten: „Rembrandt
pinxit“ — „Grave par J. B. P. Le Brun peintre
et M(archan)d 1790“— „Un Philosophe ecrivant,
grave d’apres le Tableau de Rembrandt, peint
sur cuivre de meme grandeur que l’estampe.
Tire du Cabinet du Citoyen Le Brun peintre
et Md. de tableaux ä Paris chez l’auteur rue
du gros chenet No. 37, et chez poignant, rue
Serpente No. 14.“ Ein zweiter Rembrandt,
eine Darstellung im Tempel, die bei Le Brun
gestochen ist, gehört jetzt der Galerie Weber
in Hamburg.

Überdies findet sich ein Siegel mit D B
(verschlungen) auf der Kehrseite. Wei-
tere Siegel bezeugen die Einfuhr auf
dem Wege über das Wiener Zollamt,
und zwar aus Frankreich. Diese Her-
kunft wird klar durch ein Siegel mit
den französischen Lilien. Dabei der
Name Riquier Not(aire). 1893 war der
kleine Rembrandt in Wien ausgestellt,
1898 in Amsterdam.

Zur Belebung des beigegebenen
Netzdruckes sei angemerkt, daß man
sich das Bildchen im wesentlichen braun
und bräunlich, in den hellen Teilen
gelblich und weißlich vorzustellen hat.
Der Backenbart des Schreibenden ist
weiß, die Mütze grauviolett. BeimPetten-
kofern zeigten sich zahlreiche Über-
malungen im dunklen Vordergründe,
einige über dem Kopfe des Philosophen
und rechts am Reifen des Globus. Eine
Signatur kam nicht zutage, doch
meine ich, daß man das kleine Bild
als ein Werk Rembrandts aus seiner
Leydener Zeit wird gelten lassen. Als
solches ist es auch bei Sedelmeyer-
Bode im großen Rembrandtwerk be-
handelt. *) Der Katalog der Amster-
damer „Rembrandt - T entoonstelling“
setzt das Werk um 1627 an. Ich würde
lieber gegen 1630 annehmen. Ausdrück-
lich ist zu bemerken, daß die Signatur:
G D F, die auch in der Nachbildung
zu sehen ist, mit gänzlich fremder
Farbe von fuchsigem Ton später auf-
gesetzt ist.

ZUR GESCHICHTE DER GALERIE
TRUCHSESS-ZEYL-WURZACH.

Eine merkwürdige Erscheinung in der
Kunstgeschichte ist die Gemäldesammlung,
der die folgenden Zeilen gelten. Die Truchseß-
Zeyl-Wurzachsche Galerie war ein umfang-

*) Zur Literatur über das Bildchen nenne
ich noch Charles Blanc „Le tresor de la curio-
site“, II, S. 130, und „Zeitschrift für bildende
Kunst“, Neue Folge, X, S. 166.
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