Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. i.

trefflichen Lionardesken in der Eremff
tage kommt gleichfalls aus der Galerie
Orleans her und erfreut sich einer ge'
wissen Ruhe, wenn man davon absieht,
daß die Dargestellte ebenso wie der Dar'
steiler sich nicht selten hat eine Neutaufe
müssen gefallen lassen. Andere Bilder
aus der Galerie Orleans, darunter auch
unser Annibale Carracci, blieben
lange versteckt. Waagen hat die Sama'
riterin allerdings erwähnt, als er über
Kunstwerke und Künstler in England
und über die Bilder der Galerie Orleans
schrieb.’1') Er nennt als den Besitzer
Herrn Hibbert, der auch in Redfords
„Art'sales“ in Verbindung mit dem Ge'
mälde vorkommt. Auf Londoner Ver'
Steigerungen von 1802, 1823 und 1844
wurde es gesehen. **) Seither war es
für uns mitteleuropäische Festländer
verborgen, und das prächtige Stück wirkt
jetzt wie eine Neuigkeit im Künste
handel.

Annibale Carracci hat, wie man
weiß, die Samariterin am Brunnen wie'
derholt dargestellt, zweimal auf breit'
gezogener Bildfläche, wie auf dem Bilde,
das jetzt in der kaiserlichen Galerie zu
Wien hängt und das aus Erzherzog
Leopold Wilhelms Besitz herkommt,
und wie auf einer anderen Fassung des
Gegenstandes in der Breragalerie zu
Mailand. Das Brerabild war ehedem
ein vielbewundertes Stück der Galerie
Sampieri zu Bologna.***) Das Exemplar

*) „Kunstwerke und Künstler in Eng'
land“, S. 498.

**) Die Angaben bei Redford sind nicht
allzu bestimmt; aus einer könnte man ver-
muten, das Bild sei an die National Gallery
gelangt. Ich befragte in dieser Beziehung die
Direktion der genannten Sammlung und er'
hielt freundlichst und rasch die Auskunft, daß
die Nationalgalerie niemals unser Bild be'
sessen hat.

***) Hierzu die neuen Kataloge und das
ältere Werk „Pinacoteca del palazzo reale . . .
di Milano“. Darin der Stich von G. Garava'
glia und ein bestimmter Hinweis auf die Her'
kunft aus der Galerie Sampieri. Es ist auch

der Galerie Orleans, das sich nunmehr
in der Sammlung Hoschek befindet, ist
ein Leinwandbild, 75 cm hoch, 63 cm
breit. Diese Maße und der Malgrund
entsprechen genau den Angaben, die
man über das Bild der Galerie Orleans
zur Verfügung hat.*) Auch ist eine
Stelle im Text des Galeriewerkes von
Couche beachtenswert, die davon spricht,
das Bild stamme aus jener Zeit des
Annibale Carracci, als er den Correggio
studierte. Diese Charakterisierung paßt
ebenso zutreffend auf das Bild bei
Hoschek, als sie zu dem Brerabilde und
zur Samariterin in Wien in Gegensatz
treten würde. Alles zusammengenom'
men kann wohl kein Zweifel obwalten,
daß Hoschek dasselbe Stück besitzt, das
ehedem die Galerie Orleans geziert hat.

WERKE VON ANDRIES
BOTH.

In der „Chronique des arts et de
la curiosite“ habe ich vor etlichen Jahren
einige Mitteilungen über Andries Both
veröffentlicht. Heute werden einige No'
tizen und eine Abbildung beigefügt, ohne
die ganze Bilderreihe von Andries Both
noch einmal aufzurollen. Die beigege'
bene Abbildung wird der Freundlich'
keit des Herrn Kustos Dr. Alois Karpf,
Vorstandes der k. u. k. Familien'Fidei'
kommißbibliothek in Wien, verdankt,

von Simonau gestochen. (Hierzu H. R. Füßli:
„Kritisches Verzeichnis der besten . . . Kupfer'
Stiche“, II. Teil, 1800. S. 163 ff.) Noch weiter
zurück reicht in der Zeit der Stich von Petrus
Stephanonius aus dem Jahre 1610. Malvasias
„Felsina pittrice“ (I, 1678, S. 499 f.) kennt eine
Kopie nach dem Bilde der Sammlung Sam-
pieri. Die Kopie sei in der Casa Falconieri zu
Rom gewesen.

*) Es maß in der Höhe 2 Fuß 4 Zoll,
in der Breite 2 Fuß und war auf Leinwand
gemalt.
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