Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 151
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Nr. 8.

I5i

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Beigaben der Musen zum Teil fehlen. Eilf große
Figuren und zwei Amoretten in einer Wald-
landschaft. Auffallende Nachempfindung der
Venezianer gegen 1600. Veronese, auch Tinto-
retto klingen an. Auf einem Papierblatt im
äußersten Vordergründe die etwas beschädigte
Inschrift:

16 0 3

G i o u a n / R (o) t t e (n) h a m e r
F.

(die 3 nicht ganz deutlich, doch dürfte 3 und
nicht 7 die richtige Lesung sein).

Von diesem Bilde reichen allerlei Zu-
sammenhänge zur Lebensgeschichte Rotten-
hammers und zu reinen erhaltenen Arbeiten,
doch fehlt es an Muße, die Fäden alle anzu-
spinnen. Im königlichen Kupferstichkabinett
zu Dresden befindet sich eine Rottenhammer-
sehe Zeichnung, die ohne Zweifel derselben
Zeit angehört, wie unser Gemälde. Sie stellt
unverkennbar den Parnaß dar, hat aber eine
andere Anordnung der Figuren, als das
Todescobild*). Auf geköperter Leinwand gemalt.
Breit bei 3, hoch bei 2 m. Großflächige Bilder
des Rottenhammer gehören zu den Selten-
heiten. Augsburg beherbergt ein solches (die
Augusta Vindelicorum) in seinem Rathause**).
Für San Bartolomeo in Venedig malte der
Künstler ein Ersatzbild an Stelle des Dürer-
sehen Rosenkranzbildes. Auch andere große
Leinwänden sind von Rottenhammer für
Venedig geliefert worden, wie man aus Ri-
dolfi, Zanotto und anderen Quellen entnehmen
kann. Vielleicht ist das Leinwandbild in
Aschaffenburg (Nr. 12) mit den „heiligen
Frauen am Grabe des Erlösers“ ein Werk
Rottenhammers aus der angedeuteten Periode
seines Lebens.

Ein viel kleineres Bild galt vor Zeiten
als Correggio und hatte den Titel „Otiositas“,
das wäre: die Muße, scheint aber vielmehr
eine Allegorie der Trägheit zu sein. Auf eine
Schildkröte gelehnt, schlummert ein weibliches
Wesen, hinter dem ein Panisk sichtbar ist
mit einem Fähnchenfächer. Für das Taschen-
buch „Aglaia“ von 1822 ist dieses Bild von
J. John ganz klein in punktierter Manier als
Correggio gestochen. Damals befand es sich
im Nachlasse Deisler. 1849 wurde es von
Paul Gleditsch viel größer und zwar in der
Größe des Vorbildes gestochen mit der Be-
merkung „Das Gemälde befindet sich bei Dr.
Hussian in Wien“. Die Sammlung Hussian
kam 1869 in Wien durch Miethke und Wawra
unter den Hammer. Der angebliche Correggio
wurde als Nr. 8 ausgerufen und erzielte nur

*) Abbildung in Woermanns Werk über die
Zeichnungen des Dresdener Kabinetts.

**) Schon abgebildet im Kleinerschen Werke.

381 Gulden, wohl deshalb nur wenig, weil
man die Benennung Correggio „von einigen
Seiten angezweifelt“ hatte, wie sogar der Ver-
steigerungskatalog eingesteht. Als Herkunft
wird die aus der Galerie Leuchtenberg ge-
nannt, ohne daß von Deislers Nachlaß die
Rede wäre.

Als Kopie nach Guido Reni gilt ein
Knabenbildnis, über dessen Benennung ich
mir nicht klar geworden bin. Auch bei
einigen altdeutschen Tafeln ist sicher noch
neuerliches Studium von nöten, da die alte
Benennung Wolgemut nicht zu halten ist.
Für ein Werk des Ferdinand Bol habe ich
ein männliches Brustbild angesehen, daß mir
als Van der Heist gezeigt wurde. Es ist ein
vorzügliches Stück.

Ich hoffe, die gegebenen Andeutungen
werden genügen, dem drängenden Frager nun-
mehr eigene Studien über die Sammlung oder
einzelne ihrer Bestandteile zu ermöglichen.

EIN MONOGRAMMIERTES WERK
VON BOECKHORST, GENANNT
DEN LANGEN JAN.

Bilder, die sich im Kunsthandel umher-
treiben, werden von der Forschung leicht
übersehen. Man möge die Mitteilung des ein-
zelnen Bildes ohne beigegebene Abhandlung
über den Maler daraus erklären, daß ich die
Forscher im Gebiete der flandrischen Malerei
auf ein unbeschriebenes Stück von Bedeutung
aufmerksam machen will und daß ich dazu
wenig Raum zur Verfügung habe.

Das Bild ist beachtenswert. Durch stilisti-
sche Bande hängt es mit beglaubigten Werken
des Boeckhorst zusammen, wodurch die Deu-
tung des Monogrammes nahezu unanfechtbar
wird. Boeckhorst, den ich mit Rooses, Van
den Branden und anderen als flandrischen
Künstler behandle, obwohl er zu Münster
in Westphalen geboren ist, steht in manchen
seiner besten Arbeiten dem Rubens sehr nahe,
und ich hoffe, daß die beigegebene Abbildung
zur Klärung einiger strittiger Fälle beitragen
wird.

Das abgebildete Werk des Boeckhorst
ist monogrammiert. Auf der Schaufel, die
Christus in der Rechten hält, steht das wohl-
erhaltene Handzeichen : -j
JB

das auch in der Nachbildung zu unterscheiden
ist. Unten auf dem Erdboden ist noch eine
alte Datierung von minder guter Konser-
vierung. Sie mag A" 1660 gelautet haben. Man
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