Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. 2.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

21

einige Pentimente nachzuweisen.* *)
Zu den bemerkenswerten Fällen gehören
die Reuezüge an den beiden Mörzbild'
nissen aus dem Jahre 1533 im Maxi'
miliansmuseum zu Augsburg. Diese
Bildnisse sind unverkennbare Werke
von Christoph Amberger und werden
als solche auch von dem besonderen
Kenner Ambergers Dr. Ernst Haasler
anerkannt, der sie in seiner Inaugural'
dissertation von 1894 beschrieben hat.
Auf einem der Bildnisse ist Herr Wil'
heim Mörz dargestellt in lebensgroßem
Brustbild. Der dunkle breitrandige Hut
hatte ursprünglich im Bilde eine andere
Form, als sie jetzt aus der Entfernung
zu erkennen ist. Sieht man näher zu,
so bemerkt man, daß der Künstler ge'
ändert hat. Noch auffallender sind die
Reuezüge am Hut und im Hutschatten
des Gegenstückes, das die Gattin des
erwähnten Herrn Mörz darstellt.

Ein weiteres Pentiment, das gleich
den vorher erwähnten bisher übersehen
worden ist, findet sich auf der künst'
lerisch überaus hoch stehenden Ansicht
von Delft, die man dem zauberhaften
Pinsel des Jan Vermeer aus Delft
verdankt. Das Bild selbst gehört zu
den bekanntesten und beliebtesten
Stücken des Mauritshuis im Haag.
Man blickt über ein breites, leicht be'
wegtes Wasser auf die Häusermassen
der Stadt, die sich in verschwommener
Weise auf der Wasserfläche spiegeln.
Vorne, nach links etwas ansteigend, das
gelbliche Ufer. Das Auge folgt dem
Saume und findet etwas links von der
Mitte des Bildes einen unmotivierten,
weich begrenzten Schatten. Was mag
der wohl bedeuten? Man prüft nun

*) Ein Pentiment auf dem Genter Altar
der Brüder Van Eyck wurde vor einiger Zeit
in der „Gazetta des beaux arts“ nachgewiesen
(1904, März, S. 178 ff, J. Six). Beachtenswert
ist auch eine alte Änderung an einem Bilde
der Wiener Galerie (Seemanns „Kunstchronik“,
1898, Sp. 299, F. v. Sagburg).

die Stelle und bemerkt, daß dort am
hellen Uferrande ehedem eine dunkle
Figur gemalt war. Sie reichte nahe an
das dunkle, unbestimmt begrenzte
Spiegelbild eines Gebäudes heran und
dürfte sich von diesem nicht genügend
abgehoben haben. Der Künstler hat
nun diese Figur nicht durch Abkratzen
getilgt, sondern dadurch, daß er den
gelben Ton des sandigen Ufers darüber
strich. Mit der Zeit schrumpfte die
Farbe und in neuerer Zeit, ist an der
Stelle der Figur ein unmotivierter
Schatten sichtbar geworden.

WIEDERGEFUNDENE
BILDER AUS BERÜHMTEN
ALTEN SAMMLUNGEN.

3. Ein Rembrandt aus der Ga'
lerie Le Brun. Am 15. April 1739
wurde mit vielen anderen Bildern ZU'
gleich in Amsterdam ein Werk von
Rembrandt um zehn holländische
Gulden verschleudert. Ganz unzureichend
steht es im Katalog als „Een schryvend
Mannetje“ verzeichnet.*) Keine AbmeS'
sungen, keinerlei weitere Charakteristik.
Kann das Bild wohl dasselbe sein, das
umstehend abgebildet wird? Ich meine,
daß die Annahme mit Vorbehalt zu
wagen wäre. Ein schreibendes Männ-
chen ist dargestellt, darüber ist nicht
zu streiten, und sollte sich die Anwem
düng des Diminutivs etwa auf die
Kleinheit des Bildes und nicht auf die
des Schreibenden beziehen, so wäre da'
mit erst recht eine Stütze für die Am
nähme gewonnen. Denn das Bild ist
klein. Es mißt nur i3'5 im Gevierte
(genauer 13-6 X I3'4)- Len bestimmten

*) Nach Ger. Hoet „Catalogus of naam-
lyst van Schilderyen met derzelven pryzen“,

I (1752), S. 580.
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