Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 4

doch hat das kaum eine tiefe Wirkung heim
Publikum hervorgebracht, und die Nachwelt
läßt Einsle als geschickten, talentvollen, gut
treffenden Bildnisschilderer gelten, von dem
man manche Leistung vorzüglich nennen
darf.*)

Zu den gelungenen Bildnissen von Einsles
Hand gehört ohne Zweifel das lebensgroße
Brustbild des jugendlichen Vieuxtemps, das
im Jahre 1837 entstanden ist. Es befindet sich
in der, an interessanten Bildern reichen Samm-
lung Peteri (Pfeffer) zu Budapest. Vorzügliche
Erhaltung kann des besonderen hervorge-
hoben werden. Der junge Künstler ist in
halbem Profil gegen rechts dargestellt. Das
fettliche gesundheitstrotzende Gesicht wird
von dichtem dunklen Haar umwallt. Eine fein
gefühlte Farbenstimmung zeichnet dieses Werk
aus, die bis in die Töne des dunklen Rockes
festgehalten ist. Signatur und Datierung:
„Einsle 837“ sind ins Nasse eingekratzt, wie
so viele altwiener Künstlerschriften auf Bildern
und lassen an Vertrauenswürdigkeit nichts zu
wünschen übrig.**)

Das erwähnte Gemälde ergänzt unsere
Kenntnis von der äußeren Erscheinung des
weltberühmten belgischen Geigers und Tom
künstlers. Wie das Wunderkind ausgesehen
hat, als es schon in Konzerten auftrat, sehen
wir auf zwei Steindrucken von Kriehuber und
von Bauer aus dem Jahre 1834. Aus der reifen
Zeit des Künstlers sind dann mehrere Porträte
bekannt, so ein zweites von Kriehuber und
eines von Bougniet. Das Bildnis von Einsle
stellt ihn aber gerade in der künstlerischen
Sturm^ und Drangzeit dar und gewinnt da-
durch noch einen besonderen Reiz. Vieuxtemps
war damals, als Einsle ihn malte, 17 Jahre
alt und hatte mit seinem Vater auf einer
Konzertreise auch Wien berührt, wo ihm
schon viel früher Sechters Unterricht zuteil
geworden war.***) Nach den Gesichtszügen
paßt das Einslesche vortrefflich zwischen die
Bildnisse aus der Kindheit und die aus der
späteren Zeit hinein.

*) Die meisten Angaben über A. Einsle finden
sich in L. A. Frankls Sonntagsblättern, im Kunstblatt,
in C. v. Wurzbachs biographischem Lexikon. Wohl zu
beachten sind die Kataloge der Wiener Akademie-
ausstellungen aus den 1830er, 1840er und 1850er Jahren,
die Verzeichnisse der Eröffnungsausstellung in der
Wiener Akademie von 1877 und der historischen Por-
trätausstellung im Wiener Künstlerhause von 1880.
— Ich schöpfe übrigens zumeist nur aus eigenen Quel-
len. — Kertbenys Angriff geschah in Auers „Faust“.

**) Nach einer Rechnung zu schließen, die sich in
der Familie Peteri erhalten hat, ist das Vieuxtemps-
bildnis 1861 angekauft worden. Für die gütige Sen-
dung der Nachbildung sage ich dem kunstfreundlichen
Besitzer besten Dank.

***) Unter den Angaben über Vieuxtemps in den
zahlreichen Musiklexika hebe ich besonders die in
Groves Dictionary hervor, die auch den Wiener Auf-
enthalt Vieuxtemps im Jahre des Besonderen 1837

BILDCHEN VON HENDRICK DE
CLERCK UND EINIGE BEMER-
KUNGEN ZU DENIS VAN ALS-
LOOT.

Auf den Brüsseler Maler des frühen
XVII. Jahrhunderts, Hendrick de Clerck,
habe ich in meinen Arbeiten wiederholt ge-
achtet*) und das Bildchen, aus dem anbei ein
Ausschnitt ungefähr in der Größe des Ori-
ginals widergegeben wird, stand beschrieben
und beurteilt in der „Chronique des arts et de
la curiosite“ vom 25. Juli 1891. Damals ge-
hörte es noch dem Schriftsteller Isidor Ritter
v. K 1 a r w i 11, Chefredakteur der Zeitung
„Fremdenblatt“. Nach Klarwills Tod kam es
an die Witwe Frau Henriette v. Klarwill, die
es noch heute besitzt, und zwar neben vielen
anderen bedeutenden Stücken, von denen ich
nur ganz im Vorübergehen einen großartigen
Jan Mienszen Molenaer nenne, einen vorzüg-
lichen Philip de Konengk, Klaes Molenaer,
J. A. Duck, M. Naiveu. Die Sammlung enthält
Bilder verschiedener Richtungen und Natio-
nalitäten, zumeist aber niederländische Stücke,
von denen mehrere längst kunstgeschichtlich
bekannt sind. Zur Beschreibung des De Clerck
bemerke ich, daß uns das Bildchen als Ganzes
in eine Waldlandschaft führt, in deren Vorder-
grund zwei mythologische Personen und zwei
Jagdhunde eine wohl abgewogene Gruppe
bilden. Der Ausschnitt zeigt diese Gruppe.
Ich vermute, daß Kephalos und Prokris ge-
meint sind, und daß der Maler die Szene im
Sinne hatte, da Kephalos eben seinen ver-
hängnisvollen Irrtum gewahr wird. Statt eines
Wildes hat er seine geliebte Gattin getötet,
die sich, um eifersüchtig zu lauschen, im
Dickicht verborgen hatte. — Das Bildchen ist
auf Kupfer gemalt und mißt 0-33 in der Breite,
0*20 in der Höhe.

anführen. Das Geburtsdatum Vieuxtemps ist vorläufig
nur bezüglich des Jahres und Monats vollkommen
sichergestellt: Februar 1820, wogegen über den Tag
verschiedene Angaben zu lesen sind (siehe den „Appen-
dix“ bei Grove). Vieuxtemps war auch 1843 wieder in
Wien.

*) Vergl. „Kleine Galeriestud.“, I. Reihe, S. 125 ff.,
215 f., 319 und 322, ferner die Neue Folge der Kl.
Galeriestud. 2. Lieferung, S. 39 ff., auch „Geschichte
der Wiener Gemäldesammlungen“. I, 113, 151, 191, 311,
503, 512 und „Handbuch der Gemäldekunde“, 2. Auf-
lage, S. 169 ff. —Aus der älteren Literatur wiederhole
ich Hoets Katalogsammlung I, 81 (vermutlich ist der
H. D. C., von dem ein Bild mit der Hochzeit der Thetis
verzeichnet wird, unser Meister. Das Bild kommt
nämlich in der Nachbarschaft der Jan Brueghel und
Rottenhammer vor, die unserem De Clerck verwandt
sind), 319 f., 369t 395» 423» 455» 503 f» H, 185* HI, 41»
Burtin „Catalogue de tableaux vendus ä Bruxelles
depuis l’annee 1773“» S. 67. „Methode curieuse et fa-
cile pour la connoissance des tableaux“ (1772), S. 37,
44» 49» 55» 83, 85 und 87»
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