Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. 2.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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mitteilt. Ich beabsichtige keinerlei Zusammen-
fassung der Werke des Oelenhainz, doch
möchte ich noch in aller Kürze erwähnen,
daß der berühmte Lavater von Oelenhainz
porträtiert ist, und daß sich ein Bildnis des
Dichters Alois Blumauer in gräflich Zichy-
schem Besitz zu Budapest befindet. Nach-
zuweisen bleiben neben anderen noch die
Porträte des Rittmeisters Reger und des
Kunstliebhabers Wölfeid (fast sicher ist We-
feld gemeint), die 1786 in der Wiener Aka-
demie ausgestellt waren, denen man „viele
Vorzüge“ nachrühmte und die „wegen der
frappanten Ähnlichkeit Lob und Beyfall“
verdienten.*)

KLEINE FUNDE ZU JAKOB TOR-
DAENS.

Das mäßig große Bild Nr. 2012 im
Louvre, das von Jakob Jordaens gemalt ist,
stellt angeblich die vier Evangelisten dar,
einen jungen, der in einem Buche liest, und
drei Greise, die augenscheinlich mit Aufmerk-
samkeit bei der Sache sind. Man könnte sie
sich vorstellen als Zuhörer des vorlesenden
Jünglings oder Knaben. Kein Symbol, wie es
sonst die Evangelisten kennzeichnet, erhärtet
die Annahme, daß diese gemeint sind, und
ich äußerte vor einiger Zeit die Vermutung,
es sei etwa der jugendliche Christus, im
Tempel lehrend, dargestellt. Jordaens hat
diesen Gegenstand gewiß einmal dargestellt,
freilich in viel reicherer, prunkvollerer Ent-
faltung als im Louvrebild, das sehr früh fallen
muß und noch Van Noorts Einfluß verrät.
Er hat diesen Gegenstand bestimmt gegen
1663 gemalt, und zwar für die Hauptkirche
von Furnes. Könnte er ihn nicht schon
früher und etwas einfacher dargestellt haben?
Ich möchte übrigens sachte vorgehen und
selbst darauf hinweisen, daß das Bild im
Louvre schon ziemlich lange, bevor es dahin
gelangt war, die Deutung auf die vier Evan-
gelisten erhalten hatte. 1753 befand sich das

*) Hierzu Ratakowsky: „Bemerkungen und Er-
innerungen über die ausgestellten Kunstwerke“ (Wien
1786), S. 14. — Ein angeblich von Oelenhainz ge-
maltes Bildnis in der Nationalgalerie in Budapest hat
sich vor einiger Zeit als signiertes Werk des Seybold
erwiesen. — Die zwei Blätter mit je einem Land-
mädchen. nach Oelenhainz von F. V. Dttrmer gestochen,
werden in der Literatur einige Male erwähnt. Sehr vor-
nehm. van Dyck-artig aufgefallt, ist ein Brustbild, das
1S06 durch F. Kolb in großem Format vorzüglich und
durch F. Niklas auf kleinerer Fläche weniger gut ge-
schabt worden ist. Ich fand bisher keinen Zustand
dieser Blätter, auf dem der Dargestellte genannt wäre,
uirin Mark hat nach Oelenhainz das Bildnis des
rafen Franz Kettler gestochen.

Werk im Nachlaß des Malers Philipp van
Dyck im Haag (vgl. Hoet, III, S. 71). Der Ver-
steigerungskatalog gibt die Abmessungen und
sagt, es sei eine schöne Komposition gewesen.
1784 begegnet uns dasselbe Bild in der Vente
der Sammlung Comte de Vaudreuil, aus der
es um 4000 Livres in den Besitz des Königs
gelangte. (Hierzu Ch. Blanc „Tresor de la
curiosite“ II, S. 97, und Engerand „lnventaire
des Tableaux commandes et achetes par la
direction des bätiments du roi 1709—1792“,
S. 549 und 604ff.). Wieder erscheint es als
Darstellung der vier Evangelisten. Und so
wurde es auch seither katalogisiert. Aber so-
weit ich heute die Angelegenheit überblicke,
liegt aus einer Zeit, die dem Leben des Jor-
daens nahe liegen würde, keinerlei Deutung
des Bildes vor. Eine Überlegung ist es wohl
wert, ob nicht die herkömmliche Deutung un-
richtig sei. Das Louvrebild ist, ganz im Vor-
übergehen bemerkt, wie man weiß, von Gutten-
berg nach Naigeons Zeichnung gestochen. Eine
versteckte Abbildung des Gemäldes findet sich
im III. Bande der Zeitschrift ..Pfennigmagazin“.

Das Gemälde, das in Furnes gewesen
und das ohne jeden Zweifel den jugendlichen
Christus unter den Schriftgelehrten im Tempel
darstellt, befindet sich seit den Zeiten Na-
poleons I. in Mainz.*) Als Bestandteil der
Hauptkirche Sankta Walburga zu Furnes ist
es noch beschrieben in der „Methode curieuse
et facile pour la connoissence des tableaux“
von 1772 (S. 273). Nach dem beschreibenden
Katalog der Mainzer Sammlung, der um 1880
ohne Datum erschienen ist (S. 1 und 58),
stammt das Bild aus der großen Beute Na-
poleons I. Damit stimmt es auffallend überein,
wenn man in Furnes die Überlieferung fest-
hält, das große Altarbild von Jordaens sei zur
Zeit der französischen Invasion fortgekommen.
Herr Bürgermeister von Furnes schrieb mir
freundlichst auf meine Frage, ob das große
Altarbild etwa noch in der Hauptkirche hänge,
folgendes: Notre Eglise de Ste Walburge ne
possede pas, on ne possede plus, des tableaux
de Jordaens. Un grand nombre de tableaux
ont disparu de nos Eglises pendant la periode
de l'invasion Fran^aise ä la fin du dernier
siecle.

Das Bild in Mainz ist, wie ich mir vor
Jahren notiert habe, bezeichnet und datiert:
„Je JoR fec 1663.“ Es ist mit dieser Jahres-
zahl auch erwähnt in Woltmann und Woer-
manns „Geschichte der Malerei“ (III, 475) und
in den wertvollen Arbeiten von Rooses und
Van den Branden.**)

*) In München die Skizze dazu.

Auf die sehr zersplitterte, aber sehr umlang-
reiche Jordaensliteratur komme ich später einmal
zurück.
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