Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. 3.

53

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

ungefähr dem, was sonst Sezession genannt
wird.

Über die „Exposition des primitifs
fran^ais" in Paris äußert sich Henri Bouchot
in der „Gazette des beaux arts“ (April) S. 265 ff.
Beigegeben eine Abbildung nach dem Altar-
werk des Nicolas Froment in der Kathe-
drale zu Aix-en-Provence. Auch Paul Vitry
schrieb über diese Ausstellung in Seemanns
Kunstchronik, XV, Nr. 21 und in „Les arts“
(Aprilheft). Vergl. auch das jüngste Heft der
„Gazette des beaux arts“ mit einem Artikel
von La Fenestre.

V om 30. Mai bis 4. J uni werden in Leipzig
bei C.G.Boerner die Bibliothek und dieübrigen
Sammlungen des geheimen Hofrates Professors
Kürschner aus Eisenach versteigert. Kürsch-
ner besaß neben allerlei Kunstgegenständen
und Stichen auch ein in Öl gemaltes Goethe-
bildnis von F. G. v. Kügeigen. Es ist auf
einer Lichtdrucktafel des Versteigerungskata-
loges abgebildet (zu Seite 48, Nr. 490). Auf
eine Menge anderer Bildnisse in Stichen oder
Zeichnungen sei gleichfalls aufmerksam ge-
macht.

Am 6. Juni und an den darauffolgenden
Tagen wird durch Hugo Helbing in Mün-
chen die reichhaltige Kunstsammlung Hefner-
Alteneck versteigert. Neben den Waffen,
Kunstgegenständen verschiedener Art, neben
den Münzen und einigen Ölgemälden sind
besonders die Zeichnungen Hans Mielichs
hervorzuheben, die von der Kunstgeschichte
längst als wertvolle Denkmäler anerkannt sind,
ferner viele Zeichnungen von N. Lagneau,
den man sonst wohl nur im Louvre und in
der Albertina reichlich vertreten findet. In
einer zweiten Abteilung gelangen nicht weniger
als 2024 zumeist alte Kunstdrucke zur Ver-
steigerung, an die sich noch eine reiche Aus-
wahl alter und neuer illustrierter Bücher an-
schließt. Unter anderen werden angeführt alte
Wappen, Ex-libris-BIätter, Handelsmarken,
Buchdruckerzeichen, Zierleisten. Nicht zu über-
sehen ist eine lange Reihe von Bildnissen.

Die Erben der Gebrüder Bourgeois in
Köln machen davon Mitteilung, daß sie ihre
Kunsthandlung geschlossen haben und ihre
Lagerbestände sowie die Privatsammlungen
der Brüder Stephan und Caspar Bourgeois im
Oktober durch die Firma J. M. Heberle
(H. Lempertz Söhne) versteigern lassen.

Bilderpreise. Bei der Versteigerung
„Collection Marne (de Tours)“ in Paris
wurden erzielt für ein männliches Bildnis von
Antonello da Messina 50.000 Francs, für Bilder
von Fr. Boucher je 31.000 Francs, für Jan
Brueghels Einzug in die Arche Noas 4000, für
ein Stilleben von J. B. S. Chardin 13.700, für
ein weibliches Bildnis von Janet 30.100, für

zwei Danloux zusammen 8000, für einen
Demarne 6000, für das Bildnis des jungen Duc
de Choiseul von Drouais 51.000, für ein dem
Dürer zugeschriebenes Maximilianbildnis 7000,
für einen Philipp Van Dyck 8200, für ein Bild-
nis von G. Flinck 7200, für Fragonards ..Cache-
cache“ (ehedem bei Barroilhet und Wilson)
12.500, für zwei Greuze 32.000 und 25.500, für
einen N. Maes 16.000, für ein Bildnis von Man-
tegna 34.000, für Nattiers Porträt der Duchesse
de Chäteauroux 51.000, für ein Bildnis von
Jean Raoux 13.500, einen Ruysdael 8500, für
Bilder des jüngeren Teniers 19.500 und 9000,
für einen Jan Weenix 20.000, für Corots Sou-
venir de Marissei (war 1867 im Salon, dann
bei Richard) 108.100. Daubigny und Delacroix
über 30.000. Für die Bilder wurden im ganzen
1,166.315 Franks erzielt. (Chronique des arts
und Journal des arts.)

Hohe Preise gab es vor kurzem auch
bei Christieschen Versteigerungen in London,
wo z. B. ein Damenbildnis von Reynolds
über 78.000 K, Landschaften von J. Cröme
über 47.000 und bei 30.000 R brachten. (Der
Kunstmarkt.)

In Wien erzielte unlängst ein Wald-
müller 27.000 K. (N. W. Tagblatt.)

RUNDSCHAU.

Dresden. Die Königliche Gemälde-
sammlung wurde im Laufe ungefähr eines
Jahres unter anderen durch drei Werke von
Jos. Ant. Koch bereichert, ferner durch zwei
Landschaften von L. A. Richter, die ehemals
Bestandteile der Quandtschen Sammlung ge-
wesen (Geschenke des Herrn Ed. Cichorius).
Angekauft wurden eine Beweinung Christi vom
Meister des Hausbuches, ein Bildnis Ludwig
Tiecks von J. D. Öchs, Werke von Zwint-
scher und Fritz v. Uhde (Seemanns Kunst-
chronik, XV, Nr. 21). In Paris wurde aus Re-
servemitteln Courbets Bild „Steinklopfer“
erworben (Gütige Mitteilung des Herrn Geh.
R. Direktors Woermann).

Venedig'. Accademia delle belle arti.

Die Gemäldesammlung in der Kunst-
akademie Venedigs hat im Laufe von etwa
zehn Jahren manchen beachtenswerten Zu-
wachs erhalten. 1899 wurde die Altartafel
des Cima da Conegliano aus Zermen bei
Feltre erworben (es ist das Bild, das in der
Monographie über Cima von Botteon und
Aliprandi von 1893 auf S. 140 beschrieben
ist). Über den Ankauf erstatteten Bericht u. a.
Seemanns Kunstchronik vom 19. Jän. 1899,
,,L' illustrazione italiana“ vom 9. Äpril 1899
und das Werk „Le galerie nazionali italiane“
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