Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 6.

Eine Bemerkung über den venezianischen
Fuß um die Mitte des XVII. Jahrhunderts ist zu
finden in De la Lande: „Voyage d’un Francois
en Italie“ (1665 f.) VIII, S. 135. Auch andere
kunstgeschichtliche Literatur berührt den
Gegenstand, z. B. Smith: „Catalogue raisone“,
I, S. XXVIII. Unlängst gab die „Rassegna d'arte“
(I, S. 158) die Länge des mailändischen Palmo
im XIV. Jahrhundert an mit 0-372 m. Wenn
Sie auf dem Gebiet der Maßkunde arbeiten
wollen, ist des Aufschlagens und Rechnens
kein Ende. Wie schade, daß in alten Inven-
taren und Katalogen oft so nachlässig ge-
messen wurde. Nicht immer steht fest, ob
man mit oder ohne Rahmen gerechnet hat.
Im Inventar der Bilder des Erzherzogs Leo-
pold Wilhelm von 1659 (mit mehreren
späteren Eintragungen) dürften die meisten
Stücke mitsamt den Rahmen gemessen sein.
Man maß nach „Spannen“ und „Fingern“.
In Hoets Katalogsammlung scheint zumeist
die Maßangabe ohne Rahmen gemeint zu sein.
Für eine rasche erste Orientierung können
Sie benützen J. Aubök: Handlexikon über
Münzen, Maße und Gewichte (1894).

KUNSTHANDEL.

Vom 19. bis 29. Oktober wird in Köln
die große Kunstsammlung der Brüder Bour-
geois versteigert. Die Auktion der Kunst-
gegenstände dürfte allein eine Woche in An-
spruch nehmen. Die Gemäldeversteigerung
ist für die drei Tage vom 27. bis ein-
schließlich 29. Oktober angesetzt. Große,
üppig ausgestattete Verzeichnisse wurden aus-
gesendet, und zwar auch der „Katalog der
Gemälde“, der 209 Nummern aufzählt und
die meisten auch abbildet. Die Versteigerung
ist durch das Ableben des Herrn Kaspar
Bourgeois veranlaßt und wird durch die
Firma J. M. Heberle (H. Lempertz’ Söhne)
veranstaltet. Man ist in weiten Kreisen auf
den Verlauf und das Ergebnis der Versteigerung
gespannt, die eine der bedeutendsten deutschen
Auktionen der jüngsten Jahre zu werden ver-
spricht. Was die Gemälde betrifft, so besteht die
Sammlung aus Italienern, Spaniern, Niederlän-
dern, Franzosen verschiedener Richtungen und
Zeiten. Sie reichen vom XV. bis ins XX. Jahr-
hundert und bieten in den Darstellungen man-
nigfache Abwechslung. Viele der alten Bilder
scheinen, nach den Abbildungen zu schließen,
bedeutend und interessant zu sein. Unter den
Bildern neuerer Meister sind viele, die von den
Künstlern selbst erworben sind, wie die von
Pradilla, Darien, Gussow, Uhde, oder solche

die aus dem Künstlernachlaß gekauft sind,
wie die Bilder der Rosa Bonheur.

Am 27. Oktober und den darauffolgenden
Tagen wird unter Hugo Helbings Leitung
in München die reichhaltige Sammlung
Ph. Pfister versteigert, die viele wertvolle
Monacensia enthält in Handzeichnungen,
Aquarellen und Kunstdrucken. Viele Bildnisse
und Ansichten befinden sich unter den
1730 Nummern, die vom Katalog aufgezählt
werden.

RUNDSCHAU.

Aus Amsterdam. In die historische
Abteilung des Rijksmuseums wurde ein inter-
essantes Seestück von H. V. Anthonissen
aus dem Jahre 1653 aufgenommen. (Hierzu
„Bulletin, uitgegeven door den Nederlandschen
Oudheidkundigen Bond“, Augustheft 1904, mit
Hinweis auf die Zeitschrift „Eigen Haard“‘
Nr. 27 und 28 und mit Bemerkungen zu den
Beerstraaten.)

Aus Berlin. „Die IX. Ausstellung der
Berliner Sezession“ wird besprochen durch
Hans Rosenhagen in der „Kunst für Alle“
vom 1. Juli, S. 437 ff. — S. 449 f. handeln
von der großen Berliner Kunstausstellung.
Über „die Berliner Ausstellungen“ schreibt
Walter Gensei in der „Zeitschrift für bildende
Kunst“, Augustheft, S. 271 ff.

Das neue Kaiser Friedrich-Museum
wird am 18. Oktober in feierlicher Weise er-
öffnet.

Aus Dresden. „Die große Kunst-
ausstellung Dresden 1904“ besprochen in der
„Zeitschrift für bildende Kunst“, Augustheft,
S. 277 ff. und in der „Kunst für Alle“ Bd. XX,
Heft 2. Die Ausstellung, noch immer gut
besucht, bleibt bis Ende Oktober geöffnet.

Professor Dr. M. Lehrs hat einen Ruf
nach Berlin angenommen und ist zum Di-
rektor des Berliner Kupferstichkabinetts er-
nannt worden.

Aus Düsseldorf. Zur Internationalen
Ausstellung „Zeitschrift für bildende Kunst“,
Augustheft. S. 262 ff., Seemanns „Kunstchro-
nik“, Nr. 30 vom 8. Juli, und Gazette des
beaux arts 1904, Bd. II, S. 265 ff.

Der „Bericht über die Kunstgeschichtliche
Ausstellung zu Erfurt im Jahre 1903“ (er-
stattet von Dr. O. Doering), wurde im Laufe
des Sommers versendet.

Leipzig. Im städtischen Museum ist
seit einiger Zeit Max Klingers Beethoven
ausgestellt und das in vornehmer Weise vor
einer Apsis von gleichmäßig heller, kühler
Färbung. In demselben Museum hat die Firma
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