Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. 9.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

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günstig ist, fängt man an, auch einen Knoller
zu schätzen. Berthold Riehl hat auf den
Künstler geachtet („Die Kunst an der Brenn er-
straße“) und zahlreiche Fresken Knollers berück-
sichtigt. Sogar eine Monographie wurde ihm ge-
widmet (vgl. Jos. Popp: „Martin Knoller“,
1905) und ich fühle mich dadurch ermutigt,
mit einigen versteckten Angaben hervorzu-
rücken. Zum Teil geben sie Ergänzungen zum
Malerwerk des Knoller, zum Teil führen sie
zu Fragen, die wohl von den Spezialisten be-
antwortet werden könnten. So befand sich
z. B. in der Sammlung Rincolini*) zu Brünn
ein Knollersches Werk mit dem reumütigen
Petrus. Das Bild sei signiert und datiert ge-
wesen „Mart. Knoller tirolensis pinxit 1781
Mediolani“ (nach Hormayrs Archiv für Ge-
schichte, 1825, S. 682. Auch Simon Schneider:
„Brünn“, S. 64, nennt das Gemälde). Wo ist
es heute? Wo befinden sich die Knollerschen
Bilder, die nach Hawliks Mitteilung der Kart-
häuser-Prälat Athanas Gottfried besessen hat
und die er durch Kopien ersetzen hatte lassen?
Wo sind „zwei sehr schöne Landschaften“
von Knoller, die 1822 in einer Wiener Ver-
steigerung als Nr. 109 und 109 a vorgekommen
sind? Haben die Knollerschen Werke trotz
des Brandes von 1897 in Austerlitz ausge-
dauert? Sie stehen schon in Hormayrs Archiv
1825 (S. 689) und bei Hawlik 1838. 1895 habe
ich sie noch in Austerlitz gesehen (hierzu
Feuilleton der „Wiener Zeitung“ vom 9. Mai
1895). Zwei dieser Bilder sind 1765 gemalt;
ein anderes fällt später, 1781.

Mehrere Bilder von Knoller, die trotz
guter Qualitäten gar nicht beachtet werden,
hängen im Museo civico zu Mantua. Ich
notierte dort vor einigen Jahren drei große
Bildnisse (Franz von Lothringen, Kaiserin Maria
Theresia und Josef II.).

Zur Literatur über Martin Knoller führe
ich an: „Berichte und Mitteilungen des Wiener

*) Die Sammlung Rincolini kann nicht unbe-
deutend gewesen sein. Der Kranach (Ehebrecherin,
beschrieben bei Heller: Cranach. S. 58. erwähnt bei
G. Wolny: „Die Markgrafschaft Mähren“. II, Brünner
Kreis, 1. Abt. [Brünn 1836]. Später in der Sammlung
Fischer v. Ankern in Wien), der Pasqualino Veneto
(seither in die Sammlung J. V. Novak nach Prag ge-
langt, abgebildet inFrimmel: Handbuch der Gemälde-
kunde) und anderes, das man nur aus Beschreibungen
und Nennungen kennt, wie z. B. ein Egbert van der
Poel von 1665. ein B. v. Bassen, deuten auf einen
wertvollen Bilderbesitz. Naglers Künstlerlexikon er-
wähnt sie wiederholt, z. B. in den Artikeln Brand
und Mazzuoli. Die ältere Galerie Rincolini erhielt
u. a. Zuzüge aus der Sammlung Je/ek. Vgl. Ernst
Hawlik „Zur Geschichte der Baukunst, der bildenden
und zeichnenden Künste im Markgrafentum Mähren“
(Brünn 1838). Der ältere Rincolini, der Wundarzt,
verkaufte nach Hawliks Angabe seine Bilder an einen
Adeligen nach Polen. Dann sammelte er wieder. Nach
seinem Tode verteilte sich die zweite Galerie in ver-
wickelter Weise. Siehe auch Lützows Kunstchronik
vom Februar 1897 (Nr. 13).

Altertumsvereines“, Band XXXI, S. 1—8 (A.
Ilg). Beilage zur Allgemeinen Zeitung, München
1890, Nr. 88, 1899, Nr. 232, S. 7 f. und 1900,
Nr. 205, S. 6 f. Etwa noch Lützows Kunst-
chronik, XX, Nr. 25, Fr. Pecht, Geschichte der
Münchener Kunst, S. 12, und die Literatur
über die Sammlungen in Laxenburg, Inns-
bruck, Mailand, Schleißheim, Wien. Noch
andere Literatur wird in den eben genannten
Schriften benützt.

ADOLF VON MENZELS HINGANG.

■ Die kleine Exzellenz ist eine der meist
hervorstechenden Erscheinungen in der Maler-
geschichte des XIX. Jahrhunderts. Menzels
Hingang bewegt die Künstlerschaft, bewegt
die Kunstfreunde nahezu aller Stände von
unten bis oben. Hat doch Menzel ganz klein
beim Handwerk als Helfer seines Vaters, des
Lithographen angefangen, um als Fürst im
Reiche der Kunst, als bevorzugter Freund des
deutschen Kaisers begraben zu werden.
Die Verfechter aller Richtungen entblößen das
Haupt an Menzels Sarge. Von den Neuidealisten
war Menzel zwar mehr gefürchtet als geliebt,
aber sie fühlten doch die Wucht des großen
Talentes in der kleinen Gestalt. Sein ver-
standesscharfer Realismus konnte ihnen nicht
Zusagen. Um dieses Realismus willen und der
unglaublichen Sicherheit wegen, mit der er
ihn ausübte, beteten ihn aber andere gerade-
wegs an, die in der Kunst auch dem Natur-
wahren einen wohlverdienten Platz anzuweisen
verstehen. Sein hohes Können, erworben nahe-
zu ohne akademischen Unterricht, rang allen
Parteien eine gewisse Achtung ab. Menzels
Lebenswerk ist aber auch bewunderungs-
würdig. Kleine Anfänge, noch in den Fesseln
der deutschen Romantik liegend, führten zu
größeren und größeren Leistungen. Menzels
Jugendarbeiten nach dem Stande der heutigen
Ästhetik messen zu wollen, ist ebenso un-
gerecht gehandelt als unhistorisch gedacht.
Für seine Zeit waren Menzels frühe Werke
ganz ungewöhnlich gute Leistungen, diese Vig-
netten, Diplome, Entwürfe für Medaillen bis
zu den Zeichnungen, die zu Kuglers Geschichte
Friedrichs des Großen entworfen wurden. Auch
manche frühe Gemälde, wie man sie gelegent-
lich in der einen oder anderen Menzelausstel-
lung (solche gab es in Paris, in Berlin, Düssel-
dorf, Wien (1886 und 1896), oder in privaten
Sammlungen sah, zeigen zwar das Ringen
mit einer ungewohnten Technik, sind aber
dabei interessant und bedeutungsvoll. In seiner
reifen Zeit ist Menzel hie und da echter Frei-
lichtmaler. Obwohl er nicht, wie sogleich über-
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