Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 3.

in der Lenbachs gelungene Porträte nicht
so leicht zu übertreffen sein dürften. In der
Auffassung kam das Genie zum Ausdruck, in
der studierten Technik der Fleiß. In dieser Be-
Ziehung können also auch andere von ihm
lernen, und Lenbach hat als geistiger Leiter
der Gesellschaft für Förderung rationeller
Malweisen manche dankenswerte Anregung
gegeben. Die Ausstellung für Maltechnik von
1893 in München war hauptsächlich durch
Lenbach angeregt. Sie wird allen in lehr-
reichem Gedächtnis geblieben sein, die dort
ihre Studien gemacht haben, und wir be-
trauern in Lenbachs Hingang nicht allein den
Verlust des großen Künstlers, sondern auch
den eines vorzüglichen Hüters überlegter,
solider Technik. Lenbach ist uns ein Beispiel
dafür, daß ein Maler trotz bewußter Anleh-
nung an ältere Meister doch höchst eigenartig
bleiben kann.

Im Zusammenhang mit der Galerie
Stummer, die uns im vorliegenden Heft nun
schon mehrmals beschäftigt hat, und im Zu-
sammenhang mit Lenbach sei es besprochen,
daß diese Galerie die Merkwürdigkeit eines
gemeinsamen Werkes von Lenbach und Makart
aufweist. Das Bildnis der Baronin Auguste
Stummer, geborenen Winter, eine lebensgroße
Halbfigur, ist von Lenbach in Wien vermut-
lich 1873 begonnen, dann unfertig zurückge-
lassen und von Makart vollendet worden. Das
Gesicht ist von Lenbach, der auch die Hände
begonnen hat. Das reiche Kostüm wurde von
Makart gemalt.

NOTIZEN.

Über die neue großartige Veröffentlichung des
Breviarium Grimani der Markusbibliothek zu
Venedig äußert sich E. W. Mo es in der holländischen
Zeitschrift „Museum“, wobei er auch auf die Frage
der Entstehungszeit des berühmten Codex eingeht.
Die Beningfrage wird gestreift.

„Kunst“, eine dänische Kunstzeitschrift, enthält
in den ersten Jahrgängen eine Reihe wichtiger Mir-
teilungen von Dr. K. Madsen über alte dänische
Malerei.

Interessante Mitteilungen von Cas. Stryienski
über französischeMalerdes XVIII .Jahrhunderts
im Artikel „Louis XV et le palais de Fontainebleau**
(Gazette des beaux-arts, März 1904, S. 201 ff). Mit
Seitenblick auf den Vandalismus, mit dem die alte
Galerie d* Ulysse, von Primaticcio ausgeschmückt, zer-
stört wurde. Beigegeben ein Stich von C. H. Dupont
nach F. Bouchers Deckengemälde mit dem an-
brechenden Tag.

Über zwei Modelle des De la Tour schreibt M.
Tourneux in derselben Zeitschrift, April, S. 275 ff.

Das Preller-Jubiläum wurde von ungezählten
Zeitungen und Zeitschriften durch Notizen und Artikel
markiert, u. a. in J. J. Webers Illustrierter Zeitung
(Nr. 3173 vom 21. April), in der „Gartenlaube“ (1904,
Nr. 17) und in der „Kunst für Alle“ (XIX. Jahr,
Heft 16).

Über A. v. Menzel schreibt Jan Veth in B.
Cassirers „Kunst und Künstler“ (Jahr II, Heft VII).
Dort auch Mitteilungen über Leistikow und Eugene
Carriere.

Über Gaston La Touche, den geschickten Dar-
steller besonderer Lichtwirkungen vergl. „The maga-
zine of art“, April 1904.

„The Art-Journal“ vom April 1904 bringt Briefe
von Th. Lawrence, Mitteilungen über Dante Gabriel
Rossetti. über den armlosen belgischen Maler
Charles Jelu (geb. 1830 zu Waermaerde, gest. im
Februar 1900 zu Antwerpen) und über Whistler.

In „The Studio“ vom 15. April 1904 schreibt
Leonard Williams über J. Sorolla und die heutige
spanische Malerei. Dasselbe Heft enthält auch eine
Studie über moderne russische Maler und über
den britischen Temperamaler Cayley Robinson.

Über die malerische und plastische Ausschmük-
kung des Albertinums in Dresden durch Hermann
Prell eingehende Mitteilungen mit beigegebenen Ab-
bildungen in J. J. Webers Illustrierter Zeitung
(Nr. 3175 vom 5. Mai 1904) und in der „Kunst für
Alle“ vom 15. Mai.

Wilhelm Steinhausens Wandgemälde in
Frankfurt a. M. sind abgebildet und besprochen in
„Die Kunst für Alle“ vom 15. Mai 1904.

Charles Cotet wird besprochen in einem
reich illustrierten Artikel der Zeitschrift „Art et De-
coration“ vom April 1904.

BRIEFKASTEN.

Herrn L. Leipzig. Ich meine. Sie haben recht,
die Geheimtuerei zu tadeln. Man klagt seit dem ersten
Viertel des XVIII. Jahrhunderts darüber und, was
Wandmalerei betrifft, so wurde erst durch Horsin
Deon 1851 im Buche „De la Conservation et de la
restauration des tableaux“ (S. 14 f*) der Schleier
des Geheimnisses einigermaßen gelüftet. Seither hat
auch der Graf Secco-Suardo im Werke „II ristauratore
dei dipinti“. Mailand, Hoepli (2. Auflage, 1894, I, S. 164)
ausführlich vom Abnehmen alter Wandmale-
reien gehandelt. Vielleicht lesen Sie auch nach in
„Le monde illustre“, Nr. 2337 vom 11. Jänner 1902,
S. 25. Wollen Sie der Geschichte dieser Gemäldeüber-
tragung nachgehen, so ists ein langes Studium. Ich
möchte nicht versäumen, Sie daraufhinzuweisen, daß
allgemein gehaltene Rezepte nicht sofort dazu be-
fähigen, Übertragungen auszuführen und daß es jeder-
zeit auf die besondere Geschicklichkeit und Geistes-
gegenwart des Technikers ankommt, ob die Sache glatt
vonstatten geht.

Frl. v. W. in G. Es freut mich, daß Sie den
Zusammenhang durchschaut haben. Auch würde ich
Ihre Verteidigung gerne abdrucken, wenn sie den Aus-
fall (der freilich sehr witzig und in einem Privatbriefe
ganz entzückend ist) gegen M. streichen und die Stelle
mit dem Hampelmann desHerrnProfessors M.
verändern wollten.

Frl. E. S. Wien. Eine Photographie nach dem
kleineren der beiden W-bilder wäre mir für eine der
nächsten Lieferungen ganz erwünscht.

H. . . . Abnehmer in W. N. Die Galerie L. ist
nach Meldung beim Inspektor gewöhnlich jeden Tag
mit Ausnahme von Samstag zugänglich, am leichtesten
zwischen 10 und 4. Die zwei Falkeschen Kataloge
von 1873 und 1875 sind längst nicht mehr im Buch-
handel zu haben.

Herrn N. M. z. Z. München. Die Reihe der
„Bilder von seltenen Meistern“ wird wohl kaum
wieder aufgenommen, doch soll durch Notizen und
Artikel anderer Art dafür gesorgt werden, daß das
angedeutete Gebiet nicht unbebaut bleibe.

Für unverlangte Einsendungen wird keine Bürgschaft geleistet. Preis dieses Heftes 1 Krone 20 h = 1 Mark.
Klischees der „Graphische Union“. Druck von Friedrich Jasper in Wien.
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