Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 21
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Nr. i.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

21

Preßburger Sammlung Lanfranconi zu Köln
1895 war Nr. 186 (Innenraum mit Landleuten)
als Siberechts beschrieben und abgebildet.

Siberechts, wohl auch Jeroom Janssens,
dürften gelegentlich die Figuren in den Archiv
tekturbildern des Ghering gemalt haben. Die
Stilverwandtschaft ist nicht zu übersehen.
Ghering war zur selben Zeit in Antwerpen
tätig, wie Jeroom Janssens und Siberechts.
Signierte Werke des Ghering mit Figürchen,
die hierher gehören, befinden sich z. B. in der
Münchener Pinakothek, in der kaiserlichen
Galerie zu Wien, ebenda in der Akademie. Ein
weiteres, sehr gutes Bild des Ghering war aus
Privatbesitz 1902 in Budapest ausgestellt.

BILDER VON J. B. M. PIERRE IN
HERMANNSTADT UND IN ARRAS.

Der berühmte Stecher Joh. Georg Wille
schrieb aus Paris am 18. Dezember 1756 an
Christian Ludwig von Hagedorn: „Diesen
Augenblick ward ich im Schreiben von Herrn
Pierre, Professor unserer Academie undOber-
hofmahler des HerrnHerzogs von Orleans, unter-
brochen. Er hat die Landschaft des Herrn
Dietrichs von neuem bewundert. Er be-
kennt, daß er keinen wisse, der die Felsen
und Bäume mit solcher Wahrheit vorzustellen
vermögend wäre, es sey in der Art zu machen
oder in der unvergleichlich warmen Farbe.
Er sagte mir, er wollte wünschen, daß ihm
Herr Dietrich eine felsigte Landschaft mit Vieh,
Bauern und Bauerinnen mahlen wollte, so-
ferne er nicht zu theuer wäre, welche aber
mehr als doppelt so groß seyn müßte, als die
meinige . . . Über die Academien, so der Ritter
Mengs mir geschenkt, hat er sich, wie einige
andere, sehr vortheilhaft für die Ehre des
Autors ausgedrückt.“*)

Die angeführte Briefstelle versetzt uns
rasch in die Kreise, in denen J. B. M. Pierre
verkehrte und in denen derlei Bilder ent-
standen, wie die in Arras und Hermannstadt,
die heute zu besprechen sind. Es sind die
Kreise kleiner und großer Sammler, wie
Damery, Lempereur, De Peeters, Basan,
Comte de Vence, aus deren Kabinetten

*) Nach Torkel Baden : Briefe über die Kunst von
und an Christian Ludwig von Hagedorn (1797, S.338f.).
Unter den „Academien“ sind sicher Aktstudien zu ver-
stehen in dem Sinne, wie etwa die Studien nach dem
Nackten von Charles Natoire, 1745 von Pasquier ge-
stochen und veröffentlicht worden sind als „Livre d’Aca-
demies par Charles Natoire“ oder wie die „Six figures
academiques dessinees et gravees par Carle Vanloo.“
Der Ausdruck Academie für Aktstudie wird ausführ-
lich behandelt bei M. Watelet und Levesque im
„Dictionnaire des arts de peinture“ (1792, Artikel:
Academie).

J. G. Wille zahlreiche Bilder gestochen hat, z. B.
aus der Sammlung des Comte de Vence (den
Wille in einem anderen Brief seinen „Freund
und Protektor“ nennt), einen Metsu, einen Dou,
aus dem Kabinett Lempereur wieder einen
Dou. Mehrere der genannten Sammler, auch
Wille selbst,, besaßen Bilder von Ch. W. E.
Dietrich (Dietricy). Was J. B. M. Pierre be-
trifft, so hatte er in Claude Henri Watelet
einen eifrigen Abnehmer für Bilder gefunden.
Wie die Vermerke auf den alten Stichen be-
sagen, gab es bei Watelet eine Pierresche Leda
zu sehen und ein Gegenstück mit Endymion.
Beide sind von Delaunay gestochen. Dort be-

J. B. M. Pierre: Raub der Europa. Komposition für
Gobelin. (Arras, Museum.)

fanden sich von Pierres Hand auch eine Er-
minia in Clorindens Waffen, ein Raub der
Europa und das Bild mit dem Opfer vor der
Pansherme, das dann zu Vaudreuil und später
zu De la Reyniere gelangte.*)

Auch des jüngeren Mariette Sammel-
tätigkeit reicht in die angedeuteten Kreise
herein. 1755 besuchte er, der auch mit Hage-
dorn bekannt war, den Stecher Wille. Ein
Verkehr mit Dietrich in Dresden wurde ein-
geleitet und Mariette erhielt das ganze Werk
des Dietrich.**)

An Pierre und die Stiche nach seinen
Werken anknüpfend, werden wir noch zum

*) Vgl. Charles Blanc: Le Tresor de la Curiosite.

II, S. 147.

■:■*) Zu diesem Mariette vgl. die Literatur, die ich
in der Geschichte der Wiener Gemäldesammlungen,

III. Kapitel, S, 15, genannt habe und Ch. Blanc: Tresor,
I, S. 302, sowie Torkel Baden: Briefe, S, 334.
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